NUR MACHOS, die Kastrationsängste verdrängen, können das Anschneiden einer Cigarre als Entjungferung bezeichnen. Der Puro oder der Sigarr - wie es anständig auf deutsch heissen müsste - ist nämlich ein gar männlich Ding: wie ein Liebhaber erst dann zu gebrauchen, wenn er seinen Kopf verloren hat. Der Sigarr verliert den seinen durch die Guillotine. So heisst eines der Instrumente, mit denen man Glimmstangen köpfen und paradoxerweise zum wahren Leben erwecken kann. Der Cigarre mit dem Namen Punch Punch rückt man am besten mit der Doppel-Guillotine zu Leibe; doppelt gemäht fällt besser. Damit wären wir bei den verschiedenen Arten angelangt, eine Cigarre an- oder abzuschneiden.
Wer aus Kuba zurückkehrt, wird nicht mehr davon überzeugt sein, dass das Abbeissen des Cigarrenkopfs etwas Yankeehaftes an sich hat. Vielmehr kann der kühne Biss als Emanzipation von dekadentem Raffinement gedeutet werden. Auch König Victor Emanuel von Italien pflegte als Feind der höfischen Sitte seine Cigarre mit den Zähnen abzubeissen. Wer aber Tabakbrösel im Mund vermeiden will, greift zur bewährten Cigarrenschere, die es auch im Kleinformat gibt. Taschenmesser, die mit einer solchen Spezialschere bestückt sind, sind ebenfalls auf dem Markt. Neben der erwähnten Guillotine, die schon fast wieder out ist, gibt es den Rund-Cutter, mit dem sich im Cigarrenkopf ein etwa 15 Millimeter tiefes Loch bohren lässt, das für ausreichende Belüftung sorgt. Anstatt sich jedoch für ein trendiges Accessoire dumm und dämlich zu zahlen, schleift man lieber eine Patronenhülse und besitzt im Nu einen preiswerten und originellen Cigarrenkopf-Öffner. Wer noch mit dem Keil- oder V-Schneider operiert, wird als Fossil gelten - zu Unrecht, denn der Keilschnitt ist sauber und verhindert das Ausfransen des Deckblatts. Ein mit spitzem Gegenstand in die Cigarre gebohrtes Loch ist unsachgemäss und lässt den Geschmack des guten Stücks schnell einmal bitter werden.
Das Anschneiden einer Cigarre ist jedenfalls keine Nebensache. Wie sagt doch Gilbert de Montsalvat so schön: «Ein kleiner Schnitt für die Menschheit, aber ein grosser Schritt für den Menschen.»