NZZ Folio 12/02 - Thema: Le Menu   Inhaltsverzeichnis

Editorial -- Geschmackssachen

Von Andreas Heller

Werden die Leute nach ihrem Lieblingsessen gefragt, so ist die Antwort fast immer ein eher simples Gericht: Hackbraten zum Beispiel. Oder Spaghetti. Oder Chäshörnli. Bescheidenheit, so scheint es, ist auch beim Essen eine Zier, hierzulande vielleicht noch etwas mehr als anderswo.

Allein damit ist die immer wieder postulierte Vorliebe für das Einfache allerdings noch kaum erklärt. Geschmackssachen sind komplizierter: Denn wir essen gerne auch festlich, kosten gern Spezialitäten aus allen Küchen dieser Welt – müssen wir uns jedoch auf ein Gericht beschränken, so kehren wir stets zurück zu jenem, das wir am besten kennen, zu dem, das uns schon immer geschmeckt hat. Essen hat eben auch viel mit Emotionen und Erinnerungen zu tun.

Von solchen Emotionen und Erinnerungen ist in unserem Heft über das Essen immer wieder die Rede: im Interview mit dem französischen Spitzenkoch Michel Bras, im Bericht über italienische Käser, die der EU trotzen, in der literarischen Schwelgerei übers Dessert.

Das Heft selber ist wie ein sechsgängiges Menu konzipiert, bei dem natürlich auch der Apéro und der Digestif nicht fehlen. Für jeden Gang baten wir den Zürcher Koch Peter Brunner, ein Gericht zu kreieren, das sich zu den einzelnen Beiträgen gesellt. Brunner liess sich inspirieren von Michel Bras (ohne ihn kopieren zu wollen) und setzte bei seiner Komposition ganz auf Produkte der Region. Er kochte, und wir baten Dieter Meier und E. Y. Meyer zu Tisch; das grosse Essen fotografisch dokumentiert hat Michael Wissing.




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