SYMPATHISCH SIND SIE NICHT. Auf der Kinoleinwand treten sie uns als Kreuzung aus Bubentraum und Schreckgespenst entgegen, die Laserkanone im Greifarm und die Weltherrschaft im Sinn. Aus dem Wirtschaftsteil der Zeitung kennt man sie als kaltblütige Arbeitsplatzmörder. Trotzdem weiss niemand so genau, wie schlau sie wirklich sind. Haben sie immer noch das Denkvermögen einer Bakterie, oder sind sie doch schon so intelligent wie ein Wurm? Die Roboter wären gut beraten, eine Zeitlang einfach nur nett zu sein.
Adonis ist immerhin ein Lichtblick. Das ist ein Computer mit Bewegungsdrang, dem amerikanische Wissenschafter das Tanzen beibrachten. Offenbar lassen sich auch Roboter sagen, dass Schweissen in zugigen Montagehallen nicht alles ist. Vielleicht haben wir uns über ihre wahre Natur getäuscht. Wissen sie die Annehmlichkeiten klimatisierter Labors nicht durchaus zu schätzen, wo ihnen zuvorkommendes Personal die Akkus füllt und fürsorglich die Schrauben nachzieht?
Ins Freie gelassen, zeigen sie auf kybernetischen Festivals, wes Geistes Kind sie wirklich sind: Sie zupfen Gitarren, spielen Karten, schupfen sich Bälle zu oder jagen bunten Schachteln nach.
Es war höchste Zeit für einen dritten Buddenbrooks-Zyklus in der Robotik. Glamouröse Luxusgeschöpfe sind gut fürs Image, biedere Steelcollar-Worker gibt es genug. Ein arbeitender Roboter denkt nicht. Man erkennt es daran, dass denkende Roboter niemals arbeiten. Gerade die besten und teuersten Modelle befinden sich grundsätzlich auf Urlaub. Sie müssen sich wie im Club Med vorkommen, haben sie doch Animation rund um die Uhr und Strom, soviel sie wollen. Die moderne KI-Forschung verordnet ihnen Imitation, Kooperation, Simulation, mit einem Wort: Spiele, nichts als Spiele.
Manchmal müssen sie sich dabei nicht einmal bewegen. In der freien Universität Brüssel stecken zwei Roboter den ganzen Tag die Köpfe zusammen und tratschen wie im Kaffeehaus. Sie unterhalten sich über bunte Objekte, die an ihren Videolinsen vorüberziehen. Ihre Erzeuger hegen die begründete Hoffnung, dass die Plauderer mit der Zeit eine richtige Sprache finden, komplett mit Begriffen und Syntax.
Sollten die Exponentialkurven so weitermachen wie bisher, dann werden die Roboter in wenigen Jahrzehnten so viel Rechnerleistung im Blechgehäuse führen, wie das menschliche Gehirn Informationen verarbeiten kann. Es sei ihnen vergönnt, dass sie rechtzeitig herausfinden, wie man sich dumm stellt.