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Vom Fach -- Neulich im Altphilologenseminar
Von Mikael Krogerus
«Das Satyrspiel war bloss ein Appendix der tragischen Trilogie, damit die Ungebildeten die Tragödien absitzen.» «Falsch! Das Satyrspiel betreibt unter seinem naiven Deckmantel literarische und kulthistorische Reflexion!» «Wie bitte?» «Du kennst meine Argumentation: Erstens Abgrenzung intern Satyrspiel gegen die Tragödie und andererseits seine Einbindung ins tetralogische System. Zweitens Abgrenzung extern gegen die Komödie. Das nicht unumstrittene Argument dafür: die Satyrn als das gattungskonstitutive Element par excellence. Und drittens die Implikationen der rituellen Matrix, aus der die Dramen der Grossen Dionysien gespeist werden.» «Die Satyrn wollten doch nur mit Dionysos saufen und Frauen besteigen.» «Wollen schon. Aber sie sind ständig in Situationen, die nicht ihrem Jobprofil – Drugs, Sex, Rock ’n’ Roll – entsprechen.» «Zur Erheiterung des Publikums?» «Das ist der Effekt, ja. Aber auch, um zu zeigen, dass man Dionysos’ komische Seite nicht wegreden kann. Damit kriegt die Tragödie einen Denkzettel verpasst.»
Satyrspiel: kurzes, komisches Drama, bei dem Satyrn in meist mythologischen Situationen ihr Unwesen treiben. Trilogie: drei aufeinanderfolgende Dramen. Tetralogisches System: Regel, dass vier Stücke aufgeführt wurden. Satyrn: mythologische Mensch-Tier-Gott-Wesen mit Pferdeattributen und grossem erigiertem Phallus. Gattungskonstitutives Element: Merkmal, das eine Gattung ausmacht. Rituelle Matrix: die attischen Dramen scheinen aus einem Ritualkonglomerat des Dionysoskults hervorgegangen zu sein. Grosse Dionysien: jährlich stattfindendes Fest im antiken Athen.
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