Jetzt ist Schluss. Ein Jahr lang lieferte ich mich der Ohnmacht aus, die Grenzen meiner Möglichkeiten auszuloten, einen Gedanken aufs Papier zu bringen, und nur eines weiss ich jetzt mit Sicherheit: Mehr lag nicht drin. Jeden Monat genoss ich das Privileg, nur mir selbst verantwortlich, ohne Ausrede oder Rechtfertigung, Buchstaben in meine Hermes Baby hineinzuhämmern.
Und das ist das wunderbar Läuternde an der Kunst des Wortsetzens, dass der Selbstbetrug, sich im Geschwätz als kluger Hansdampf vorzukommen, auf den harten Boden der Produktion eines Textes fällt, in dem der Geist sich bar jeder Illusion spiegelt.
Was du dir vorstellst, auf dem Kasten zu haben, hier steht's geschrieben, mein süsser Worthochstapler, ohne Wenn und Aber. Im Spiegel des Schreibens fliegt der Bluff schneller auf als beim Seiltanz des Malens oder Komponierens.
Das Schreiben ist eine Schule der Demut, im Gegensatz zum Filmemachen, das hier in Hollywood wohl eher an den Rand des hoffentlich kontrollierten Grössenwahns führt, weil das Produktionsmittel nicht der hervorragend gespitzte Bleistift ist und auch nicht der sauber gewaschene Pinsel, sondern tierisch viel geschnitten Brot mit Honig drauf und Butter drunter, weil nur dann bleibt jener munter, der sein Geld eintauscht gegen eine Welt aus Zelluloid, die in den wenigsten Fällen das hält, was der Herr Künstler sich versprochen hatte.
Zum Abschied also ein kleines Gedicht zum Thema des Berges und der fast entwürdigenden Banalität der ersten Schritte zu seiner Besteigung:
Von weitem strahlt der
Wundergipfel,
Er lockt und zieht am Rockeszipfel
Den Meier-Specht zu sich heran,
Bis dass er nicht mehr anders kann
Als in die steile Wand hinein,
Um abzuwenden seine Pein
Da soll ich rauf, bin ich denn blöd,
Der Berg von nah ist nur noch öd,
Gottlob bin ich gezwungen,
Sonst hätte ich nur kurz gerungen.
Denn was nur sein kann und nicht
muss,
Das endet oft im frühen Schluss.
Im Zweifel an dem eignen Wort
Tritt Dieter Hirsch am selben Ort.
Der Mann am Berg ist dann
beglückt,
Wenn ihn der Einstieg nicht
erdrückt.
Oft hilft der Blick in grosse Ferne,
Wenn nachts der Himmel voller
Sterne
Dem Schreiberknecht ganz
ungeniert
Sein winzig Sein relativiert,
Auf dass er auf dem Staubkorn
Erde
Das Sein belächle und dann werde.
Nur für Sekunden heiss' ich Dieter
Und freue mich, als Untermieter
Hier auf diesem Kleinplaneten
Fröhlich eine Spur zu treten,
Auf die ich weiter gar nichts gebe,
Weil ich sonst an ihr nur klebe.
So schreib' ich hier mir ins Gesicht
Heut nacht noch einmal ein
Gedicht,
Zwei Zeilen noch, und dann ist
Schluss.
Noch einmal wag ich's, und dann
Kuss.
Soll man dem Reimer Meier traun?
Ich weiss es nicht, auf
Wiederschaun.