KEHRT DAS Kormoranmännchen auf Galápagos von seiner Fresstour im Küstengewässer zum brütenden Weibchen zurück, bringt es als Geschenk mindestens einen Fetzen Seetang mit. Interessiert sich der Eisvogel für ein Weibchen, offeriert er einen erbeuteten Fisch. Mit solchen Geschenken bekräftigen die Männchen ihre Absicht, nicht nur treue Nestgenossen, sondern auch gute Väter zu sein.
Wie kritisch die Weibchen manchmal solchen Versprechen gegenüber sind, zeigt das Beispiel von Bittacus apicalis, einer in Australien heimischen Hängefliege. Das grosse, einer Schnake ähnliche Insekt hängt sich kopfüber an die Unterseite eines Blattes und fängt mit den Hinterbeinen Fliegen. Ist das Männchen auf Brautschau, fängt es als Geschenk ein Insekt und verströmt dann einen Duftstoff.
Angelockt vom Geruch, hängt sich ein Weibchen dem Männchen gegenüber ans Blatt und beisst in die offerierte Gabe, was das Männchen sofort für einen Kopulationsversuch ausnützt. Ist das Geschenk allerdings zu klein oder nur ein minderwertiger Marienkäfer, dreht das Weibchen schnell seinen Unterleib weg. Je grösser aber das Geschenk, desto länger lässt sich das Weibchen Sex gefallen, und umso grösser ist schliesslich die übertragene Samenmenge.
War das Weibchen mit dem Fresspaket nicht zufrieden, sucht es sich umgehend einen neuen Partner mit hoffentlich besserem Angebot. Aber selbst mit dem Samen im Leib bleibt dem Weibchen Wahlfreiheit, denn es vermag die Befruchtung zeitlich zu steuern. So nimmt die Dame als Vater ihrer künftigen Brut jenen Gentleman, der sie am grosszügigsten beschenkte. Nahrhafte Brautgeschenke bringen dem Weibchen nicht nur momentanen Genuss, sie verhelfen der werdenden Mutter auch zu besserer Gesundheit. Und da ein erfolgreich jagender Vater wahrscheinlich potente Gene hat, dürfte der Nachwuchs ebenfalls gut geraten.
Bei der Grillenart Gryllodes supplicans sind Sex und Nahrung unmittelbar verknüpft, indem der Samen selber als Fresspaket verpackt ist. Als Hochzeitsgeschenk deponieren die Männchen an der Geschlechtsöffnung ihrer Partnerinnen eine Spermatophore, ein Gebilde aus einer Spermienkapsel und einem proteinreichen Anhängsel. Kurz nachdem sich das Weibchen vom Männchen getrennt hat, greift es nach hinten und klaubt sich den Nahrungsteil vom Paket. Und während das Weibchen frisst, beginnen die Spermien in den Körper einzudringen.
Sobald aber die Nascherei vorüber ist, holt sich das Weibchen auch noch die Spermienkapsel und verspeist deren Hülle samt noch vorhandenen Samen. Dies ist wiederum ein subtiler Test männlicher Stärke. Denn je grösser das Proteinanhängsel der Spermatophore, desto länger dauert die erste Mahlzeit, was einer entsprechend grossen Anzahl von Spermien ermöglicht, aus der Kapsel in den Körper zu wandern.
Das ultimative kulinarische Brautgeschenk ist der männliche Körper selber. Bei vielen Spinnenarten ist das Männchen viel kleiner als das Weibchen, was den Kiltgang nicht selten zum tödlichen Ausflug werden lässt. Verspeist das Weibchen den Freier schon vor der Kopulation, hat der Opfertod für das Männchen wenig Sinn. Kann es jedoch vor dem Untergang noch seine Spermien übertragen, bleiben mit dem Nachwuchs immerhin seine Gene erhalten. Und indem das Männchen seinen Körper als Nahrung offeriert, investiert es in das Wachstum der Eier und somit seiner Kinder.
Dass ein kannibalistisch endender Liebesakt bei Spinnen kein Unfall, sondern eine evolutionär sinnvolle Strategie ist, lässt das zielstrebige Verhalten der Männchen vermuten. Bei der Netzspinne Argiope aemura entflieht das Männchen nach einer ersten Begattung geschickt den weiblichen Fängen. Nur um alsbald zu einer zweiten Sexrunde zurückzukehren, nach der es sich ohne jeden Fluchtversuch umbringen lässt.
Noch deutlicher wird dies im Fall der australischen Kugelspinne Latrodectus hesselti, bei der sich das Männchen bereits während der ersten Kopulation das Hinterteil zerkauen lässt. Nach dem Akt entfernt sich das verstümmelte Männchen einige Zentimeter von der Partnerin, macht nochmals ein müdes Werbespiel, um schliesslich zum tödlichen Finale der verzehrenden Liebe zu schreiten.
Auch die Gottesanbeterin hat ihren Partner zum Fressen gern. Bei dieser Fangschrecke hat sich der Liebestod zum Hochleistungssex entwickelt. Um die männermordende Partnerin überhaupt begatten zu können, muss sich das Männchen möglichst unauffällig von hinten heranpirschen. Ist die Annäherung – oftmals erst nach Stunden – geglückt, packt das Männchen das Weibchen und beginnt mit der Paarung. Noch während der Kopulation beisst das Weibchen dem Liebhaber den Kopf ab.
Kopflose Liebe funktioniert umso besser. Denn mit dem Kopf verliert der männliche Körper auch ein die sexuelle Aktivität bremsendes Nervenzentrum, worauf jetzt der übriggebliebene Mannesleib die Samenflüssigkeit ungehemmt in den weiblichen Körper pumpt.
Die Vielfalt der animalischen Geschenkideen ist verblüffend. Männliche Tüchtigkeit kann sich selbst im Kot manifestieren. Bei dem in Nordamerika heimischen Rotrückensalamander leben die Männchen allein in Höhlen. Zu Beginn der Brutzeit setzen sie vor dem Höhleneingang ein Häufchen Exkremente ab, das von partnersuchenden Weibchen inspiziert wird. Salamander konsumieren am liebsten Termiten, die nur eine dünne Haut haben und besonders nährstoffreich sind. Zur Not fressen sie aber auch Ameisen – mit ihren harten, unverdaulichen Schalen eine wesentlich kargere Kost.
Findet das Salamanderweibchen im Kot nun viele Ameisenschalen, ist der Höhlenbewohner wohl kein tüchtiger Termitensammler und deshalb auch nicht vielversprechend als Vater. Weshalb die Dame nach dem enttäuschenden Befund ihr Glück lieber anderswo sucht.
Männchen aus der Familie der Feuerkäfer präsentieren den Partnerinnen beim Balzspiel sogar Gift. In einer Furche auf der Stirn scheidet der Freier Cantharidin aus, eine starke Substanz, die zu schmerzhaften Entzündungen führen kann. Der Feuerkäfer hat sich das Gift durch den Konsum von Ölkäfern geholt, die den Stoff als Abwehr gegen Fressfeinde produzieren.
Indem die umworbene Feuerkäferdame an der Stirnfurche leckt, prüft sie, ob das Männchen tatsächlich Cantharidin in sich hat. Verläuft der Test zufriedenstellend, lässt sich das Weibchen begatten. Und erhält jetzt erst das wahre Geschenk, denn mit dem Spermium spendet das Männchen eine sehr viel grössere Dosis Cantharidin als vorher auf der Stirn. Das Weibchen baut nun seinerseits das Ölkäfergift in die eigenen Eier ein und wappnet so die Brut gegen Fressfeinde.
Auch simple Steine können Brautgeschenke sein. Die in der Antarktis lebenden Adeliepinguine bauen ihre Nester auf einem Fundament aus Kieselsteinen, damit die Eier nicht auf dem gefrorenen Grund liegen. Da Steine in der Eislandschaft aber rar sind, wird jeder gefundene Kiesel zum wertvollen Gut – und damit zum geschätzten Brautgeschenk.
So suchen die Kavaliere emsig nach Steinen oder stehlen sie aus fremden Nestern. Im Schnabel tragen sie dann die Beute stolz zur Partnerin, legen ihr den Schatz vor die Füsse und bekommen zur Belohnung Sex. Die Pinguinweibchen sind derart scharf auf die Preziosen, dass sie sich für einen Kiesel auch einmal einem fremden Männchen hingeben, wenn der feste Partner für einen Moment abwesend ist.
In den Felsschluchten Südspaniens lebt der Trauersteinschmätzer, ein Singvogel mit pechschwarzem Gefieder und weissem Schwanz. Auch dieser Vogel bringt seiner Verehrten Steine. Da in dieser Gegend Steine jedoch keine Mangelware sind, ist das Potential des Schenkens fast grenzenlos. So trägt der nur knapp 40 Gramm leichte Vogel kurz vor der Brutzeit unermüdlich Stein um Stein im Schnabel herbei und schichtet die Ernte beim Nistplatz zu einem immer grösseren Haufen. Nach einer Woche sind Hunderte von Steinen mit einem Gesamtgewicht von bis zu zwei Kilogramm beisammen, zur Zeit des Brütens dann ein Berg von zehn Kilogramm.
Warum diese Plackerei und warum gerade Steine als Geschenk, wo doch das Vogelweibchen in der Felsengegend überhaupt keine Verwendung dafür hat? Und da der Steinschmätzer mit den Lieferungen erst nach der Balz und der Paarung beginnt, winkt auch kein Sex als Belohnung. Der Ornithologe Juan Moreno hat 1994 mit seinem Team das Rätsel gelöst. Die Bestandesaufnahme an vielen verschiedenen Nistplätzen in Südspanien ergab den überraschenden Befund, dass desto mehr Eier im Gelege waren, je grösser der Steinhaufen neben dem Nest war.
Das Steinschmätzerweibchen animiert seinen Partner offenbar zum Fitnesstest: Denn wer schon vor der Eiablage durch Arbeitseifer und grossen Ertrag imponiert, dürfte sein Weibchen während der Brutzeit grosszügig mit Futter versorgen und später den Küken ein guter Vater sein. Bei einem wackeren Kerl kann die Vogeldame also getrost ein grosses Gelege riskieren.