NZZ Folio 08/97 - Thema: Der Dollar   Inhaltsverzeichnis

Zum Thema -- Geldgeschichten

Von Andreas Heller

Wenn es sich nicht gerade um eine Blüte handelt, so ist seine Heimat zweifelsfrei Amerika. In Fort Worth, Texas, oder in Washington D. C. erblickt der Dollar das Licht der Welt, und nach Amerika kehrt er in der Regel auch wieder zurück, wenn er, alt und speckig geworden, am Ende seiner langen und oft abenteuerlichen Reise durch unzählige Hände, im Shredder vernichtet wird. Neun Jahre beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung einer 100-Dollar-Note, achtzehn Monate sind es bei der 1-Dollar-Note. Das ist nicht viel, aber immer noch genug für ein Leben als Globetrotter. Denn weil die grünen Scheinchen - In God We Trust - fast überall als Zahlungsmittel akzeptiert werden, ist der Dollar längst nicht mehr nur das Geld Amerikas. Er ist das Geld der Welt.

«Der Dollar», sagte mir einmal ein erfahrener Notenhändler, «ja, der Dollar, der könnte vieles erzählen.» Mit seinem geübten Auge erkenne er sofort, was einer Note alles widerfahren sei und wer ihre Dienste als Zahlungsmittel in Anspruch genommen habe. Zerknüllte Noten stammten meist aus Indien; zerlumpte Lappen, vollgekritzelt mit Notizen und Zahlen, vornehmlich aus dem arabischen Raum; Italiener und Franzosen hinterlassen auf ihren Scheinen gerne Telefonnummern - der Greenback als billet doux. Dollarnoten aus Deutschland oder der Schweiz dagegen seien meist makellos, sorgfältig gefaltet und geplättet wie ein frisch gebügeltes Hemd. Das Geld als Charaktermaske.

So unterschiedlich der Umgang mit dem Dollar auch sein mag, für alle hat dieses Geld fast mythische Bedeutung. Der Dollar repräsentiert die Macht Amerikas, gleichzeitig ist er auch Symbol des Kapitalismus. Das Verhältnis der einen zum Geld mag ein inniges sein, andere pflegen dazu eine eher lockere Beziehung, begehrt wird es von allen - das lehren schon Dagobert Duck, der alte Geizkragen, der nichts lieber tut, als in seinem Geld zu baden, und sein Neffe Donald Duck. Neben Ökonomen und Politikern, Dollarhändlern und Dollarfälschern sollen auch sie zu Wort kommen: Das Heft ist illustriert mit einer Geschichte, die 1952 in Amerika erstmals erschienen ist - und seither, wie man gleich sehen wird, nichts von ihrer Aktualität eingebüsst hat.




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