NZZ Folio 07/05 - Thema: Fleisch   Inhaltsverzeichnis

Vereinsleben -- Free Grilly

Von Mikael Krogerus

Reto Wegmann, Sie sind der Präsident des Karnivoren Grüppchens Bassersdorf (KGB). Worum geht es bei Ihrem Verein?

Das KGB hat sich zum Ziel gesetzt, in toleranter und ökologisch verträglicher Weise Fleisch zu konsumieren, ohne sich von irgendwelchen vegetarischen Strömungen beeinflussen zu lassen.

Fühlen Sie sich verfolgt?

Nein, nicht wirklich. Zwar wurden meine sachlichen Beiträge auf Vegetarierwebsites immer sofort gelöscht, aber wir nehmen das mit Humor, unser Verein ist eher spassorientiert.

Was Sie lustig finden, finden andere lästig. Mehrfach schon mussten Sie nach KGB-Ausflügen Entschuldigungsschreiben verfassen. Was war passiert?

Lärmbelästigung, Trunkenheit, das war damals bei unserer Veranstaltung «Weg der Wirtschaft».

Ein aktuelles Thema!

Wir machten eine eintägige Radtour zu allen 22 Restaurants in Bassersdorf. Ein Mitglied wurde dann leider etwas auffällig. Das hatte aber eigentlich nichts mit Fleisch zu tun, «Weg der Wirtschaft» ist von der Festivitätsliste gestrichen.

Was gibt es stattdessen?

Den Sommer- und Wintergrillplausch oder «Chischte Pischte», bei dem Zweierteams auf einer vier Kilometer langen Laufstrecke je einen 24er-Harass Bier tragen, das freiwillig getrunken wird. Nach einem komplexen Schlüssel wird anschliessend der Sieger gekürt.

Braucht man einen Verein, um ungehemmt saufen zu können?

Nein.

Scheint aber so.

Wir brauchen die öffentlichen Trinkanlässe, um die Grillanlässe zu finanzieren. Uns geht es wirklich ums Fleisch, die 15 Aktivmitglieder etwa werden in Kategorien eingeteilt: «Bleu» sind minderjährige Mitglieder, «à point» mündige, aber ledige, «Bien cuit» verheiratete oder geschiedene. Dann haben wir noch den Ehrentitel «Eskimo» – den Rohfleischfresserpreis für besonderes Engagement. Dieses Jahr wurde aber keiner verliehen.

Schon mal Nachricht vom russischen KGB bekommen?

Nein, den gibt’s wohl nicht mehr.

www.karnivoren.ch


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