Mit einer Fläche von 26 340 Quadratkilometern und schätzungsweise 7 Millionen Einwohnern gehört Rwanda zu den am dichtesten bevölkerten Ländern der Welt. Der nur wenig grössere Nachbarstaat Burundi zählt 5,5 Millionen Einwohner. In beiden Ländern bilden Hutu die Bevölkerungsmehrheit. Über neunzig Prozent der Bewohner leben in ländlichen Gebieten.
1899 wurden die Königreiche Rwanda und Burundi Teil des deutschen Kolonialgebiets in Ostafrika. Nach 1920 erhielt Belgien vom Völkerbund ein Mandat zur Verwaltung der Gebiete. Gegen Ende der fünfziger Jahre führten interne Unruhen in Rwanda zur Zerschlagung des von Tutsi beherrschten Feudalsystems. In Burundi konnte sich die Tutsi-Elite an der Macht halten. 1962 wurde Rwanda mit Grégoire Kayibanda als Präsident in die Unabhängigkeit entlassen. 1973 übernahm der Verteidigungsminister Juvénal Habyarimana nach einem unblutigen Putsch die Regierung. Unter seiner Führung sicherte sich der Hutu-Clan Habyarimanas sämtliche Schlüsselpositionen im Lande.
Ab 1990 drangen bewaffnete Rebellen der von Tutsi dominierten Rwandischen Patriotischen Front (RPF) von Uganda her über die Grenze. Zwei Jahre später wurde im tansanischen Arusha ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Ein bedrohlicher Anstieg der innenpolitischen Spannung kulminierte in der Ermordung Habyarimanas am 6. April 1994. Das Attentat wirkte als Startsignal zu einem minuziös vorbereiteten Genozid an allen angeblichen Regimegegnern.
Gegen zwei Millionen Rwander, ausnahmslos Hutu, flüchteten vor den anrückenden RPF-Rebellen nach Tansania und Ostzaire. Ihre militärischen Führer bereiteten im Schutz der von ihnen kontrollierten Lager mit Hilfe Mobutus den Sturz der inzwischen in Kigali installierten RPF-Regierung vor. Nach Gefechten mit der von Rwanda und Uganda diskret unterstützten Rebellenallianz Kabilas kehrte Ende 1996 die Mehrheit der Flüchtlinge nach Rwanda zurück. Ein Teil aber wurde nach Osten versprengt. Kabilas Truppen überrannten in nur sechs Monaten ganz Zaire und beendeten an Pfingsten Mobutus Herrschaft.