Jakob Marti, Sie sind der Vizepräsident eines Vereins, dessen Name an Werbeagenturen erinnert. Was bedeutet IG BDSM?
BDSM ist die Abkürzung der englischen Begriffe für Fesselung, Erziehung, Sadomasochismus. Als Interessengemeinschaft informieren wir und organisieren gewisse Events.
Wird an diesen Events nur geredet oder auch gehandelt?
Das kommt drauf an. Das eine sind Workshops, an denen Techniken vermittelt werden wie etwa das richtige Fesseln mit Seilen. Das andere sind die Stammtische, da sitzen normale Leute in normalen Restaurants. Wir schauen uns nicht die ganze Zeit böse an, wir haben es auch gern lustig.
Sie sind einer der wenigen, die mit Namen zur Vereinsmitgliedschaft stehen. Wovor haben die andern Angst?
Die meisten hängen ihre Neigung nicht an die grosse Glocke, weil es immer noch starke Vorurteile gibt, die uns mit Gewalttätern in Verbindung bringen. Davon distanzieren wir uns vehement. Bei uns geschieht alles ausschliesslich einvernehmlich, alle Beteiligten müssen klar sagen: Ja, das will ich.
Was will man zum Beispiel?
Ach, da gibt es Unzähliges. Rollenspiele und entsprechende Kleidung sind recht verbreitet. Im Vordergrund stehen Lust, Vertrauen, Liebe und Spass. Solange sich eine Person im Spiel wohl fühlt, ist es okay.
Sadomasochisten bezeichnen sexuelle Durchschnittsmenschen als Vanille. Was hat das zu bedeuten?
Vanilleglace bekommt man überall.
Welche Glacesorte sind Sie?
Vanille mit einem guten Spritzer Erdbeersauce, so etwa. Wir wollen etwas mehr haben als das ganz Normale.
Hat Ihr Vereinslokal im Keller eine Folterkammer?
Bis jetzt haben wir kein Vereinslokal. Aber wir klären ab, ob wir etwas mieten könnten. Die meisten bestehenden Lokale sind kommerziell und meist unerschwinglich. Und in einer Mietwohnung kann man keine ausgiebigen, lauten Spiele machen; da würden sich die Nachbarn belästigt fühlen.
www.ig-bdsm.ch