FRÜHLING lässt sein blaues Bändchen wieder flattern durch das Ländchen, und dem Hobbygärtner stellen sich wichtige Fragen: Wer ist unempfindlicher als «Landfrauen», intensiver gefärbt als die «Weinländerin» und trägt riesige Mengen an fleischigen Bohnen? Nein, sicher nicht die «Neckarkönigin», sondern «Zebrina», eine neue frohwüchsige Züchtung speziell für unser Klima. Wohl eher für englische Gärten geeignet dürfte die «Puffbohne Windsor» sein; und lustige Weiber werden die keimfreudige Buschbohne «Winnetou» wählen, die so heisst, weil sie wirklich blaue Bohnen liefert. Zum Schiessen, nicht? Dazu passt der Spargel «Schwetzinger Meisterschuss», bei dem die Herkunft des Namens fast so tief im dunkeln bleibt wie bei der Erbse «Telephon».
Bei den meisten Sorten in «Samen Mausers Frühlingskatalog» ist der Name jedoch sehr sinnig. Etwa bei den Kürbissen «Gelber Zentner» (oft über 30 kg) und «Dill's Atlantic Giant» (Weltrekord mit 449,06 kg), beim Riesenkohlrabi «Süsses Wunder». Der Zusatz «Wunder» wird gerne gebraucht und zeigt uns, dass der Schrebergärtner das ehrfürchtige Staunen über die Schöpfung und das, was der Mensch aus ihr gemacht hat, noch nicht verlernt hat.
Häufig steht auch die Farbe dem Namen Pate, etwa beim Rotkabis «Allrot», bei den gelben Zucchetti «Goldbarren» und natürlich bei den unnatürlichen weissen Auberginen namens «Osterei». Keine andere Prägung aber wird derart oft bemüht wie der simple Zusammenzug: süsse Karotten heissen «Süka», Wintersalat «Wisa» und Rosenkohl «Rosko». Weshalb sich neben der Frage nach dem richtigen Saatgut eine andere aufdrängt: Nimmt uns der «Samafrüka» eigentlich ernst oder für voll?