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Autsch!
© UIP/Cinetext
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Was tut mehr weh: ein Skorpionstich, ein Nagel in der Wange oder sich den Hodensack an den Oberschenkel zu heften? «Jackass»-Star Steve-O über Selbstversuche.
Von Mikael Krogerus
Steve-O, ich schreibe für ein Magazin in der Schweiz und …
… Ihre Leser sind die besorgten Eltern von Kindern, die unsere Show «Jackass» cool finden?
Zum Teil.
Ich sage Ihnen gleich: Ich verletze mich selbst, das ist wahnsinnig, und es steckt kein tieferer Sinn dahinter.
Ich wollte über Schmerz sprechen, nicht über Sinn. Was war der schlimmste Schmerz, den Sie erlebt haben?
Der schlimmste Schmerz, das ist die immergleiche Frage von euch Journalisten. Fällt euch nichts anderes ein?
Hören Sie, Sie heften sich Ihren Hodensack mit einem Bostitch an den Oberschenkel, skaten gegen eine Mauer, lassen sich von einem Skorpion in den Hintern stechen und von Babyalligatoren in die Brustwarzen beissen. Die Frage drängt sich einfach auf: Was tat am meisten weh?
Das ist schwer zu sagen, die von Ihnen beschriebenen Stunts waren alle schlimm. An den Tierversuchen war das Besondere, dass du die Viecher nicht kontrollieren kannst, ich konnte den Alligatoren nicht sagen: «Okay, ich habe die Botschaft verstanden, ihr könnt aufhören.» Aber jeder Schmerz ist – so schlimm er auch sein mag – erträglich, denn er geht vorüber. Problematisch sind Verletzungen, die über Tage Schmerzen bereiten. Schürfwunden sind schlimmer als Blutergüsse, die Infektion am Hodensack war schlimmer als die eigentliche Aktion mit dem Bostitch.
Sie haben schon alle Ihre Körperteile malträtiert. Welches ist der empfindlichste?
Sie denken sicher, die Genitalien. Ich würde sagen: der Rücken. Wenn Sie einen Bandscheibenvorfall haben und tagelang nicht gehen können, wünschen Sie sich, jemand hätte Ihnen bloss in die Eier getreten.
Was ist schlimmer, Hitze oder Kälte?
Ich habe mir mit einem Lötkolben ein Tattoo abgebrannt, das war schlimm. Schlimmer war es, nackt auf Schlittschuhen in ein Eisloch zu fahren.
Wie erträgt man Schmerz am besten?
Die Wahrheit ist, ich ertrage Schmerzen schlecht. Ich mache das alles nur, um Aufmerksamkeit zu erregen. Ich bin mehr Mediennutte als «tough guy».
Aber Sie müssen doch ein Rezept entwickelt haben, um die Schmerzen zu ertragen?
Ich schlucke Tabletten und trinke Alkohol dazu.
Welches Schmerzmittel bevorzugen Sie?
Xanax ist gut.
Sie stehen unter Drogen, wenn Sie Stunts durchführen?
Der Regisseur achtet darauf, dass wir nicht betrunken vor der Kamera stehen, aber fairerweise muss man sagen, dass alle Mitglieder von «Jackass» in eine Entzugsanstalt gehören. Viele Stunts hätten wir nüchtern nicht gemacht.
Ertragen Sie eigentlich Schmerzen heute besser als früher?
Nein, umgekehrt, ich bin schmerzempfindlicher als früher. Aber etwas habe ich von einem Fakir gelernt: Wir stachen uns Metallnägel durch die Wangen, es tat höllisch weh. Er sagte: «Jeder Schmerz hört auf.» Das stimmt.
Stimmt es eigentlich auch, dass der Schmerz, der überraschend kommt, schlimmer ist als jener, auf den man sich gefasst machen kann?
Kann ich nicht bestätigen. Ein Zahnarztbesuch wird ja auch nicht angenehmer, wenn Sie schon vorher wissen, wie furchtbar er wird. Ich habe mehr Angst, wenn ich mir ungefähr vorstellen kann, was kommt.
Der schlimmste Schmerz, den Sie sich vorstellen können?
Meine Mutter war bettlägerig und hatte am Rücken wunde Stellen. Sie schrie vor Schmerzen, die letzten fünf Jahre ihres Lebens. Ich denke, das ist das Schlimmste.
Eine Frage noch.
Sie wollen wissen: Warum das alles? Der Grund ist, dass ich keine Talente habe. Ich war auf der Clownschule, ein Lehrer sagte mir: «Du bist nicht witzig, du bist tragisch.» Ich kann nicht schauspielern, ich kann nicht singen, aber ich bin gut darin, mein Leben zu riskieren. Bekomme ich einen Kick davon? Nein. Bin ich masochistisch veranlagt? Nein. Will ich sterben? Nein. Würde ich lieber so viel Geld verdienen, ohne das alles tun zu müssen? Verdammt, ja!
Mikael Krogerus ist NZZ-Folio-Redaktor.
Steve-O, mit bürgerlichem Namen Steven Glover, ist mit den MTV-Sendungen «Jackass» und «WildBoyz» berühmt geworden. «Jackass» (zu deutsch Dummkopf) ist antiautoritäres Verhalten in seiner regressivsten Form: Neun junge weisse heterosexuelle Männer spielen sich gegenseitig Streiche und malträtieren ihre Körper. Die populäre Sendung wurde nach Klagen eingestellt. Die beiden vom Hollywood-Regisseur Spike Jonze («Being John Malkovic», «The Adaptation») gedrehten Kinofilme «Jackass» und «Jackass 2» waren trotz anhaltenden Protesten kommerzielle Welterfolge. Extremer noch als «Jackass» ist Steve-Os eigene DVD-Reihe «Don’t Try This At Home».
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