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Zerlegt -- Der Wurstschuh
© Patrick Rohner
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| Universalschuh, Kalbsleder und Gummi, Navyboot, 269 Franken. |
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Von Jeroen van Rooijen
Bruno Bencivenga ist kein Kreativer. Der Gründer und Chef der Schweizer Modemarke Navyboot stapelt lieber tief und nennt sich einen «Typen mit durchschnittlichem Geschmack». Dabei ist es durchaus kreativ, wie der Secondo aus einer simplen Idee ein Unternehmen mit 70 Millionen Franken Jahresumsatz gemacht hat.
Fünfzehn Jahre ist es her, seit Bencivenga, der nach einer Lehre als Modeverkäufer im Schuhhandel arbeitete, auf die Idee verfiel, einen Universalschuh zu entwickeln. Die Vorlage entdeckte er 1990 auf einer Reise entlang der Westküste der USA: In einem Secondhand-Army-Laden in San Francisco fand er ein Paar schlichte schwarze Navy-Schuhe mit schwarzer Gummisohle. «Der Schuh sah leider aus wie eine Bratwurst», erinnert sich Bencivenga, «aber er entsprach dennoch ziemlich genau meinen Vorstellungen.»
Zurück in der Schweiz, besuchte Bencivenga mit der «Bratwurst» eine Schuhfabrik im Tessin und liess Prototypen fertigen: Der Schaft war aus einem einzigen Stück Leder geschnitten, hatte eingestürzte Schnürleisten, genietete Ösen und passepoilierte Kantenabschlüsse. 27 Paar bestellte Bencivenga, drei Grössen in neun Farben. Im Herbst 1990 wurden die Schuhe unter dem etwas ungelenken Namen «Blue Basic» am Markt getestet. Im Dezember 1990 wurde der Name «Navyboot» in Bern als Marke anerkannt.
Bencivenga bewarb das Label mit kleinen Annoncen – und der Funke zündete. Schon bald verkaufte Bencivenga seine Schuhe nicht nur selbst, sondern belieferte andere Schuhhändler. 1991 gingen 5000 Paar Schuhe über den Ladentisch. 1992 rüstete Navyboot die Schweizer Fussballnationalmannschaft mit dem Schuh aus – aus dem Start-up wurde eine Marke, die Aufmerksamkeit erregte.
Bis heute wurden rund 100 000 Paar vom «Original» abgesetzt. Und noch heute wird das inzwischen schon viermal überarbeitete Modell bei der Nuova Benelli S. A. in Chiasso hergestellt. Das ist teurer als im fernen Osten, doch schliesslich geht es sogar einem gewieften Rechner wie Bencivenga um «gewisse Werte», die ihm wichtig sind.
Schaft, Brandsohle und Futter sind aus hochwertigem Kalbsleder. Besonders teuer ist die rückenschonende Sohle – das matte Vollgummistück kostet laut Navyboot schon im Einkauf über zwanzig Franken. Die Sohle wird unter Druck mit dem ledernen Schaft verleimt
Derzeit wird das «Original» von einem Designer, den Navyboot in Italien angeheuert hat, einer «plastisch-kosmetischen Behandlung» unterzogen, denn der Schuh ist für heutige Verhältnisse etwas zu bullig und vollschlank. Natürlich wird er auch nach der Fitnesskur ein Volksmodell bleiben, dafür wird Bruno Bencivenga sorgen. Denn das ist sein wichtigster Job: aufpassen, dass nichts aus dem Ruder läuft, was er unter dem Label Navyboot vertreibt. Um die Produktentwicklung kümmert sich sein Bruder, um die Details seine Frau. «Wir planen nicht, sondern leben nach dem Bauch», erklärt Bruno Bencivenga sein Erfolgsrezept. «Der einzige Plan, den ich je hatte, war der, eine Marktlücke mit einem Universalschuh zu besetzen. Alles andere war die Konsequenz dieser Idee.»
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