KIM SON NAM, PJONGJANG (DPRK),
ist 42 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Söhne. Sein Hobby ist, nordkoreanische Filme zu schauen. Er fährt einen Nissan Laurel, Jahrgang 1990, Zählerstand 194 003 Kilometer. Pjongjang ist die Hauptstadt Nordkoreas und hat 2 200 000 Einwohner.
Kim Son Nam verdient im Monat 5000 Won (7 Franken 50), seine Frau gleich viel in einer Sportartikelfabrik. Beide erhalten Rationierungskarten für vergünstigten Reis und anderes, davon lebt die 4-köpfige Familie. Kleider und Schuhe bekommen sie vom Betrieb. 5-Zimmer-Wohnung, medizinische Versorgung und Schule sind kostenlos.
Taxameter gibt es nicht, die Strecke wird am Kilometerzähler abgelesen. Grundgebühr 1.80 Franken, jeder weitere Kilometer 60 Rappen.
Wie viele Stunden pro Woche fahren Sie Taxi?
Als Angestellter des staatlichen Taxibetriebes fahre ich wöchentlich genau 24 Stunden an sechs Tagen, der Sonntag ist frei. In der freien Zeit während der Woche kümmere ich mich um den Gemüsegarten vor unserem Hochhaus.
Wie regeln Sie Ihre Altersvorsorge?
Je nach Anzahl der Dienstjahre werde ich vom Staat nach der Pensionierung eine Rente von etwa 2 Franken 25 erhalten. Aber das ist noch weit weg.
Wann haben Sie das letzte Mal Ferien gemacht?
Ferien kennen wir nicht, nur einzelne arbeitsfreie Tage wie den erwähnten Sonntag. Dann gibt’s Feiertage wie den Tag der Arbeit, den Geburtstag unseres verstorbenen Präsidenten Kim Il Sung oder den Geburtstag unseres Generals Kim Jong Il. An diesen Tagen gehe ich mit meiner Familie am liebsten picknicken. Meistens fahren wir zum zehn Kilometer entfernten Berg Taesong. Dort gibt’s einen botanischen Garten und eine riesige Achterbahn.
Warum wurden Sie Taxifahrer?
Nach Schulabschluss machte ich den Führerschein und arbeitete als Fahrer für verschiedene Betriebe. Dann wurde eine Stelle beim Taxibetrieb frei, und ich bat um Versetzung. Als Taxifahrer trifft man viele Leute. Das gefällt mir.
Wie viele Kilometer legen Sie pro Tag zurück?
80 bis 90 Kilometer, nur innerhalb der Stadt. In andere Städte oder Dörfer bin ich noch nie gefahren. Solche Fahrten wären für den Gast sowieso bewilligungspflichtig.
Welches war Ihre längste Fahrt?
Zum Flugplatz und zurück ins Stadtzentrum, das sind 50 Kilometer.
Was tun Sie in den Wartezeiten?
Manchmal diskutiere ich mit anderen Fahrern beim Taxistand vor dem Haebangsan-Hotel. Am liebsten aber lese ich Heldenromane und übersetzte Abenteuer- und Entdeckungsromane aus dem Ausland.
Wer war Ihr prominentester Gast?
Ich habe nie besondere Gäste. Am ehesten höhere Regierungsbeamte. Die sind immer sehr nett.
Wie hoch war Ihr höchstes Trinkgeld?
Einheimische geben keins. Von einem Geschäftsmann aus Japan erhielt ich einmal fünf Franken. Meistens geben Ausländer einen bis drei Franken.
Was blieb in Ihrem Taxi schon liegen?
Vor allem Brieftaschen und kleine Damenhandtaschen. Ich gebe alles in der Zentrale ab.
Was war das ungewöhnlichste Fundstück?
Ein Mobiltelefon. Das war, bevor sie kürzlich verboten wurden.
Wie reagieren Sie im Stau?
Ich weiss nicht, was das ist, ein Stau.
Sprechen Sie mit den Fahrgästen?
Ja, ich rede gern mit den Gästen. Meistens fange ich mit dem Wetter an oder sage dem Gast, dass er Glück hatte, ein Taxi zu erwischen, denn viele gibt es nicht. Mit Ausländern kann ich nicht sprechen, da ich keine Fremdsprache beherrsche.
Wie hoch war Ihre teuerste Busse?
Ich hatte noch nie eine Busse.
Welches ist der schönste Ort in Ihrer Stadt? Was kostet die Fahrt vom Flughafen dorthin?
Der Turm der Juche-Idee am Ufer des Flusses Taedong. Die Fahrt kostet 25 Franken.
Haben Sie Angst vor Überfällen?
Nein. Bei uns gibt es keine Kriminalität.
Was war die bedrohlichste Situation, die Sie erlebt haben?
Im Winter überquerte plötzlich ein Betrunkener die eisglatte Strasse. Ich bremste, schleuderte leicht, kam aber glücklicherweise an dem Mann vorbei.
Womit verwöhnen Sie sich?
Mit Trinken. An den Feiertagen trinke ich mit Freunden am liebsten Pjongjang Sogu, einen klaren Maisschnaps mit 25 Prozent Alkohol.
Was würden Sie tun, wenn Sie viel Geld hätten?
Ich würde vor allem meine Familie mit Essen und Ausflügen verwöhnen. Manager werden möchte ich nicht, ich würde als Fahrer weiterarbeiten.
NORDKOREA
Einwohner: 23 000 000
BIP pro Kopf: 1000 Franken
Benzin: 1 l CHF 0.75
Milch: 1 l CHF 0.45
Coca-Cola: nur im Ausländer-Shop
Fanta (aus China): 1 l CHF 0.75
Brot: nur als Beilage in Restaurants
Reis: 1 kg CHF 0.30 (verbilligt mit
Rationierungskarte: CHF 0.06)
Kinobillett: CHF 0.15
Zigaretten: 1 Packung CHF 0.75
1000 Won = CHF 1.50 zum gebräuchlichen Marktwechselkurs