ES WAR ein schöner Sommer und deshalb auch ein hässlicher Sommer. Denn wenn das Wetter schön ist und die Temperaturen steigen, fallen die Hüllen, und mit ihnen verschwindet ganz offensichtlich das letzte Quentchen Modebewusstsein des Schweizers und der Schweizerin.
Am ersten Sommertag bereits stürzt sich männiglich in Shorts oder Bermudas, streift sich knallbunte Hemden oder - noch besser - ein ausgetragenes Unterleibchen über, man schlüpft in Gummisandalen, um für die nächsten Wochen schlurfend durchs Leben zu schreiten. Wohin man blickt, im Zug, im Restaurant, am Flughafen, im Konzert: behaarte Männerbeine, Krampfadern und wabbelnde Bäuche, schwitzende Füsse, dampfende Achselhöhlen, überall Radlerhosen an Damenhintern, die noch niemals auf einem Fahrrad sassen, und Tops, unter denen neckisch die Gummiträger der Dessous hervorblinken.
«Irgendwie», wunderte sich die Freundin aus Rom, «sehen alle Schweizer und Schweizerinnen aus, als machten sie gerade Campingferien.»
Susanna, du Schöne im weissen Leinenkleid, wie recht du hast!