NZZ Folio 02/05 - Thema: Normen   Inhaltsverzeichnis

Spektrum der Wissenschaft -- Meisterdieb Albert Einstein

Von Reto U. Schneider

Vermutet haben wir es ja schon lange. Dass die Wissenschaft es jetzt bestätigt, ist aber doch eine Überraschung: Forscher und Kriminelle haben Gemeinsamkeiten. Der Psychologe Satoshi Kanazawa hat für seine Arbeit «Warum die Produktivität mit dem Alter zurückgeht: die Kriminalität-Genialität-Connection» (Journal of Research in Personality, Vol. 37, S. 257 bis 272) die Biographien von 280 Wissenschaftern untersucht und dabei entdeckt, dass «ihr Alter zur Zeit des grössten wissenschaftlichen Beitrags ihrer Karriere (Alter-Genialität-Kurve) mit der Altersverteilung Krimineller (Alter-Kriminalität-Kurve) übereinstimmt».

Kanazawa hat auch eine Erklärung für die Übereinstimmung: «Dieselben psychologischen Mechanismen, die Männer dazu bringen, ein Verbrechen zu begehen, bringen sie auch dazu, grosse wissenschaftliche Leistungen zu erbringen.» Und hinter diesen Mechanismen stecken – wie könnte es anders sein – die Frauen. Kriminalität und Genialität seien beide Ausdruck des im Männergehirn vor Urzeiten programmierten Wunschs, die Frauen zu beeindrucken. Das sehe man daran, dass sowohl bei verheirateten Kriminellen wie auch bei verheirateten Wissenschaftern der Drang zu grossen Taten deutlich nachlasse.

Welche Schlüsse soll man daraus ziehen? Gehören Kriminelle an die Uni statt ins Gefängnis? Hätte man Einstein das Heiraten verbieten sollen? Vielleicht wäre er dann im Alter noch auf die schiefe Bahn geraten. Und wer hätte dem Meisterdieb Albert Einstein nicht gern bei der Arbeit zugeschaut?




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