IM JAHRE 1988 machte der Bericht einer britischen Regierungskommission weltweit Schlagzeilen. Eine Studie hatte ergeben, dass zwischen 1968 und 1984 im Umkreis von 25 Kilometern von der Atomanlage Dounreay sechs Kinder an Leukämie erkrankt waren, während statistisch nur etwa halb so viele zu erwarten gewesen wären. Schlagzeilen wie «Blutkrebs neben Atommeiler» erschreckten das Publikum. Die Meldung wurde dann allerdings durch eine zweite statistische Analyse relativiert: Es fanden sich weitere sieben Gebiete mit erhöhter Leukämiehäufigkeit. Eine dieser Regionen lag wiederum in der Nähe eines Atomkraftwerkes - die andern sechs waren jedoch Orte, wo Atomkraftwerke lediglich geplant, aber nie gebaut worden waren. Was auch immer der Grund für eine lokal erhöhte Leukämiehäufigkeit war, radioaktive Umweltverschmutzung kam nicht länger in Frage.
Mathematiker finden für das Rätsel eine simple Erklärung. Sucht man nach Ereignissen, die allgemein sehr selten sind, schwankt die Anzahl der wenigen Fälle pro Teilgebiet allein schon aus statistischen Gründen stark. Unterteilte man Grossbritannien in lauter Gebiete mit einer Bevölkerungszahl entsprechend derjenigen in der Dounreay-Studie, wären in den meisten Gebieten zwei, drei oder vier Personen leukämiekrank. Man fände ziemlich sicher aber auch Gebiete mit null oder einem und solche mit fünf, sechs oder noch mehr Fällen. Nur ein Vergleich aller Teilgebiete nach den Kriterien Atomkraftwerk und Leukämiehäufigkeit ergäbe eine valable Analyse.
Mit solchen Statistiken wird nicht selten absichtlich manipuliert, indem man für irgendeine Hypothese aus einer grösseren Auswahl von Teilmengen jene herauspickt, die einem schön ins Konzept passen. Also häufen sich «laut Statistik» in der Nähe von Flughäfen Missgeburten, in der Umgebung von Bankfilialen Ehescheidungen. Und so liesse sich ohne weiteres auch «beweisen», dass Kernkraftwerke in ihrer Umgebung das Leukämierisiko sogar reduzieren. Was nicht einmal so unglaublich wäre, denn Experimente an Tieren zeigen, dass minime Dosen radioaktiver Strahlung die Abwehr des Körpers stärken können.