OB IM RADIO ODER IM FERNSEHEN, ob zum Frühstück oder spätnachts, immer werden wir auf dem laufenden gehalten, wie's dem Swiss Performance Index, vulgo Espiei, dem Dow Jones und ihren fernöstlichen Kollegen gerade geht. Auch der Goldpreis und seine Befindlichkeit wird ständig publik gemacht, wir erfahren dauernd, was die DM heute kostet, der Dollar und das Pfund. Wer auf die Idee gekommen ist, solcher Schwachsinn würde normale Menschen mit normalen menschlichen Interessen interessieren, ist unklar.
Sicher ist es Pflicht für jungdynamische Manager und solche, die es gern wären, sich für ökonomische Themen zu interessieren. Aber selbst unter ihnen sind es höchstens ein paar Promille, für welche die sogenannten Wirtschaftsdaten wissenswert oder wichtig sind. Und dass diese sich per Radio oder TV darüber informieren, darf ziemlich fest bezweifelt werden.
Fast noch absurder als Börsendaten sind die Verkehrs- oder besser Staumeldungen. Eingestürzte Autobahnbrücken, von Lawinen verschüttete Passstrassen und überflutete Streckenabschnitte haben zwar durchaus ihren Unterhaltungs-, aber mindestens ebenso grossen Seltenheitswert. In aller Regel hören wir nämlich tagtäglich wortwörtlich dasselbe: zwei Kilometer Stau vor dem Bareggtunnel, stockendes Vorwärtskommen im Schöneichtunnel, A1 stadteinwärts drei Kilometer usw. Die Schadenfreude über die stehenden Automobilisten hat längst dem Befremden über derart eklatante Lernunfähigkeit bzw. der Bewunderung für soviel Langmut Platz gemacht.
Die Meinung, Staumeldungen wären nur für Daheimgebliebene überflüssig, ist ein Vorurteil und zudem falsch. Denn die täglichen Staus kennt niemand besser als der Autopendler, dem sagt man damit sicher nichts Neues. Ausserordentliche Behinderungen dagegen werden mit dem läppischen Zusatz «die Umleitung ist signalisiert» oder mit dem resignierten «keine Umfahrungsmöglichkeit» versehen. Warum also die dauernden Verkehrs- und Wirtschaftsmeldungen, wo sie doch wirklich keiner braucht? Wohl allein deshalb, weil die Redaktionen sie laufend bekommen und möglichst schnell wieder loswerden wollen.