Spätestens seit Sepp Trütschs wundersamer Verwandlung (60 Kilogramm Fett weg!) dürfte auch die Technik des Magen-Bypasses in weiten Bevölkerungskreisen bekannt sein. Gleiches gilt für viele andere Therapien und Leiden, die in Fernsehsendungen wie «Gesundheit Sprechstunde» öffentlich verhandelt werden, vom Biofeedback bei Verstopfung bis zum Spirotiger gegen Schnarchen.
Gesundheit und Krankheit, Wohlbefinden und das Leiden an Gebresten aller Art sind zu einem unserer liebsten Themen geworden. Da kann jeder mitreden. Da hat jeder eine Meinung. Da hat jeder etwas zu erzählen.
Nun ist Gesundheit zweifellos ein kostbares Gut. Und unbestritten ist, dass Krankheiten die Lebensqualität vieler schwer beeinträchtigen, Ursache zahlloser Tragödien sind. Unübersehbar ist aber auch, dass die Sorge um die Gesundheit mitunter seltsame Blüten treibt, für viele zum Selbstzweck, beinahe zum Wahn geworden ist. Das zeigt sich in den Aufforderungen und Anleitungen zu gesundem Leben und Wellness, die uns täglich umzingeln, in den Medien, in der Ratgeberliteratur, in der Werbung; das zeigt sich in einer Medizin, die jede Unpässlichkeit oder Abweichung von der Norm zur Krankheit erklärt, die sofort ärztlich behandelt werden muss. Der Kult um die Gesundheit schürt die Nachfrage nach immer neuen medizinischen Dienstleistungen, macht uns aber nicht gesünder – und die Rechnung zahlt der Versicherte.
Sind wir auf dem Weg zu einer Gesellschaft von Hypochondern? Das vorliegende Heft sucht nach Antworten auch auf ketzerische Fragen.