Wenn es in den Wissenschaften eine Disziplin gibt, die sich nicht über mangelnden Spott beklagen kann, dann ist es die Statistik. Nicht Begriffe wie Signifikanz oder Korrelation fallen einem als erstes ein, wenn von ihr die Rede ist, sondern boshafte Redensarten und gemeine Witze. «Traue nie einer Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.» – «Es gibt drei Arten von Lügen: Lügen, infame Lügen und Statistik.» – «Statistik ist die Kunst, nie zugeben zu müssen, dass man falsch lag.»
Wie nicht anders zu erwarten, werden auch die Meister dieser Kunst durch den Dreck gezogen. «Ein Statistiker ist jemand, der aus abwegigen Annahmen offensichtliche Schlüsse zieht.» – «Wie unterscheidet sich ein extrovertierter Statistiker von einem introvertierten? Er schaut nicht seine Schuhe an sondern Ihre.»
Statistik, eine nutzlose Zahlenhuberei, mit der sich alles und das Gegenteil belegen lässt? Betrieben von weltfremden Sonderlingen, die «Zahlen lieben, aber nicht genug Persönlichkeit hatten, um Buchhalter zu werden»?
Wie konnte die unverdächtige Tätigkeit des Zählens – darum geht es in der Statistik vor allem – bloss derart in Verruf geraten? Der Grund liegt nicht darin, dass Statistik eine unnütze Beschäftigung wäre, im Gegenteil: Statistik durchdringt unser Leben vom Durchschnittsgeburtsgewicht über die Heiratsquote bis zum Sterberegister. Kein Krieg wird geführt, kein Medikament entwickelt, keine Schule gebaut, ohne dass sie im Spiel ist. Sie ist das Werkzeug des Wirtschaftsführers, die Munition des Politikers.
Dass Statistiken so bedeutend sind, macht sie empfänglich für Fehlinterpretationen und Missbräuche und damit für Spott und Hohn. Ihre Macht beziehen sie letztlich aus der simplen Tatsache, dass man ohne Statistik nichts ist als eine Person mit einer Meinung.