LIEBE M. Diesen Gruss schreibe ich in der Leipziger Filiale jener Restaurantkette, deren Name ein Rebus ist aus einem Seevogel und der typischen Kopfbewegung des Huhns. Ich hatte eben den ersten Schluck Tee getrunken und schickte mich an, die mitgebrachte Zeitung zu lesen (hier liegt keine auf), da erscheint der junge Kellner erneut, fragt grinsend, ob der Herr nicht noch etwas möchte. Ich verneine, unschlüssig, ob ich ihn aufdringlich finden soll oder zuvorkommend, und widme mich wieder meiner Zeitung. Keine zehn Minuten später krümmt sich der Grinsende schon wieder vor mir, die Verlegenheit selbst. «Ein Stück Kuchen vielleicht?» So ist das also. Darum liegen keine Zeitungen aus in diesem seltsamen Kaffeehaus. Man trainiert seine Gäste nach amerikanischem System. Iss schnell, sauf aus und geh. Der Junge ist schon abgerichtet. Sieht er einen Gast in entspannter Pose, gibt er sich einen Ruck, ruckt über seine anerzogene oder natürliche Höflichkeit hinweg und setzt dazu dieses schiefe Grinsen auf. Aber noch ist Hoffnung, er wird ja noch rot! Er wird noch oft rucken müssen, bis ihm das Grinsen fest im Gesicht sitzt und nicht mehr schief. Ich sah ihm nach und sah den Aufdruck hinten auf seiner Kellneruniform: «Grüezi Leipzig».