Die Menschen lieben die Mode, weil sie einem etwas gestattet, was man sonst immer andersrum empfohlen bekommt: den Sieg der Begierde über die Vernunft. Mode will man, obwohl man weiss, dass man sie nicht braucht oder sowieso schon pleite ist. Die meisten Marken machen sich diese Begierde zunutze und produzieren Artikel, die die Unvernunft noch anstacheln – meist sind dies modische Accessoires, mit denen sich phänomenale Renditen erwirtschaften lassen.
Es gibt aber auch ein paar wenige Marken, die auf sehr rationale Werte bauen. Sie haben es schwer. Denn Artikel, von denen man weiss, dass man sie eigentlich braucht, wollen die Konsumenten nicht unbedingt. Man realisiert zwar, dass es vernünftig wäre, eine Handtasche bei einem Spezialisten zu kaufen, der sein Leben lang nichts anderes gemacht hat und dafür bekannt ist, einen fairen Preis zu berechnen. Aber am Ende steht man doch wieder vor dem Schaufenster des Luxuslabels und betrachtet sehnsüchtig die exorbitant teure Plastic-Handtasche mit den grossen Logos.
Bree ist eine durch und durch vernünftige Marke. Das 1970 von Wolf Peter Bree im deutschen Isernhagen gegründete Unternehmen war ursprünglich bekannt für Schultaschen und Wanderrucksäcke aus Naturleder – «rustikale und funktionale Klassiker von hoher Qualität», wie Bree sagt. «Überfluss und Vordergründigkeit überlassen wir gerne den anderen.»
Heute ist die Lederwarenmanufaktur eine weltweit tätige Firma mit achtzig Geschäften. Die beiden Söhne des 1996 verstorbenen Gründers, Axel und Philipp Bree, leiten die Geschicke des Unternehmens. Die nüchterne Note ist geblieben: «Die Marke fürs Leben» nennt sich Bree. Das klingt nicht nach Spass an der Mode, sondern nach überlegten Entscheidungen. Und so sehen die Taschen auch aus. Sie sind durchdacht bis ins Detail, haben aber kaum sinnliche Züge. Sogar eine Tasche mit Innenbeleuchtung gibt es. Damit lassen sich hundert Designpreise gewinnen, aber wenig Herzen.
Das Modell «Times» ist ein typisches Produkt aus Isernhagen – seit den 1980er Jahren ist sie nonstop mit Erfolg im Programm. Sie wird aus fassgefärbtem Rindsleder aus Süddeutschland gefertigt und ist in den bewährten Farben Schwarz, Braun und Cognac erhältlich. Die Times ist hochgradig nützlich, minimalistisch gezeichnet und sehr sauber verarbeitet. Exportleiter Bertrand Pichon nennt sie den «Rolls-Royce» von Bree, weil sie komplett, von der Lederverarbeitung bis zum letzten Stich, in Deutschland gefertigt wird, in einer Manufaktur in Mühlhausen. Dort braucht man drei Monate, um das Leder zu bearbeiten, und drei Wochen, um daraus die Tasche zu nähen.
Innen ist die Times mit einem Visitenkartenfach, Schlaufen für Schreibwerkzeug, einem Handyhalter und einem Schlüsselband ausgestattet. Die Trageriemen passen bequem über die Schulter, auch über jene von nicht mehr ganz schlanken Damen. Der feste, gerade Boden mit fünf Metallnieten lässt die Tasche auch vollbepackt immer bolzengerade stehen. «Zeitlos» nennt Pichon die Handtasche. «Sie sieht immer gut aus und kann vielleicht eines Tages sogar vererbt werden.»