NZZ Folio 07/05 - Thema: Fleisch   Inhaltsverzeichnis

Spektrum der Wissenschaft -- Eine Mannschaft sieht rot

Von Reto U. Schneider

Wenn die Grümpelturniersaison im Gang ist, kommt jeder Tip gelegen, wie man aus einem Haufen untrainierter, übergewichtiger Bewegungstrottel eine Gewinnermannschaft macht. Da will auch die Wissenschaft einen Beitrag leisten.

In der Studie «Rot erhöht die Leistung von Menschen in Wettkämpfen» (Nature, Vol. 435, S. 293) haben Statistiker die Resultate der Olympischen Sommerspiele 2004 in vier Kampfsportarten unter die Lupe genommen: Boxen, Tae Kwon Do, Ringen griechisch-römisch und Freistilringen. Bei diesen Wettkämpfen bekamen die Kontrahenten rote oder blaue Monturen zugeteilt. Weil diese Verteilung zufällig geschah, hätte es in den Kämpfen eigentlich etwa gleich viel rote wie blaue Sieger geben sollen. Doch die Auswertung zeigte, dass die roten Kämpfer signifikant häufiger gewannen als die blauen. Und das nicht nur in allen vier Disziplinen, sondern auch in den einzelnen Runden und Klassen.

Rot sei in der Natur die Farbe der Dominanz und Aggression, schreiben die Wissenschafter. Womöglich sei der gemessene Effekt ein Überbleibsel aus unserer Stammesgeschichte.

Die Ergebnisse der Fussballeuropameisterschaft 2004 wurden einer ähnlichen Analyse unterzogen. Mit demselben Resultat: Die Mannschaften spielten besser, wenn sie Rot trugen als wenn sie in einer anderen Farbe antraten. Die Erweiterung der Studie vom Kampfsport auf den Fussball war allerdings unnötig. Ein Resultat, das für Boxen und Freistilringen gilt, lässt sich jederzeit auf ein Grümpelturnier übertragen.




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