. . . Charles Moore, Chefredaktor des «Daily Telegraph», England.
1. Woher kommt der Widerstand gegen die Osterweiterung in Ihrem Land?
Im Vereinigten Königreich gibt es nur eine sehr schwache Opposition gegen die Osterweiterung der EU. Es gibt jedoch einen sehr beträchtlichen Widerstand gegen die EU ganz generell. Die meisten glauben allerdings, dass die Erweiterung zu einer Verbesserung der Gesamtsituation in der EU führen wird.
2. Wie sieht die EU im Jahr 2010 aus?
Eines ist klar: Die Europäische Union kann nicht prosperieren, solange sie so zentralistisch strukturiert ist wie jetzt und so wenig rechenschaftspflichtig. Es gibt einen dringenden Reformbedarf, und diese Reformen anzugehen, ist die wichtigste Herausforderung, der sich die Union stellen muss ? und zwar lange vor dem Jahr 2010.
3. Welche spezifische Rolle sollte Grossbritannien in der Europäischen Union spielen?
Grossbritanniens Rolle in der EU ist eine skeptische, und das ist richtig so. Die historische Position des Landes ist, halb drinnen und halb draussen zu sein. Es mag sich anhören, als sei dies ein schlechter und ungemütlicher Ort, aber in Tat und Wahrheit ist dem nicht so.
4. Was würde die Einführung der Einheitswährung für Grossbritannien in ökonomischer und politischer Hinsicht bedeuten?
Die Übernahme des Euro hätte zur Konsequenz, dass sich Grossbritannien einer Zinspolitik unterwerfen müsste, die nicht unbedingt im Interesse des Landes wäre. Und das würde bedeuten, dass Grossbritannien einen grossen Teil seiner politischen Unabhängigkeit verlöre.
Die Fragen stellte Peter Gaupp, NZZ-Korrespondent in London.