Die Klingel hat er kein einziges Mal gedrückt in dieser langen Zeit, und darauf ist er stolz. Seit über zwei Jahren sitzt er wieder im Gefängnis, unterbrochen nur von sechs Tagen in gehetzter Freiheit, als er auf der Flucht war. Mithäftlinge hatten ein Loch in den Zaun der Strafanstalt Bellechasse geschnitten, komm! komm! komm! er stand unvorbereitet in Shirt und Jogginghose auf dem Fussballfeld, rannte hinüber und hinaus, schaffte es mit einem Kumpan nach Italien; als die Polizisten das Versteck stürmten, wusste er, dass ihn jemand verraten hatte.
Seither ist er zurück hinter Gittern, diesmal den froschgrünen des Schlosses Bulle im Kanton Freiburg, 13. Jahrhundert. Im ersten Stock sind der Polizeiposten und das Gericht untergebracht, unter dem Dach zehn Zellen. Ein Bezirksgefängnis für Untersuchungshaft und Kurzstrafen, kein Ort für Langzeitsträflinge wie ihn. Sogar das Personal sagt, es sei hart hier. 22 Stunden Einzelzelle, 2 Stunden Korridor, nie frische Luft, nichts zu tun. Seit Monaten wartet er darauf, dass er in eine reguläre Anstalt des schweizerischen Straf- und Massnahmenvollzugs zurückverlegt wird. Keine Ahnung, warum das so lange dauert.
Aber nie hat er die Klingel gedrückt. Am Tag nicht, in der Nacht nicht. Wobei, Stolz sei wohl das falsche Wort. Stolz sei er auf nichts. Wie könnte er auch? Mist gebaut. Leben verpfuscht. Und erst noch den Zwillingsbruder reingerissen. Das sei das Schlimmste: dass er den Kurt reingerissen habe, der nur zehn Minuten jünger sei als er und wohl deshalb immer auf ihn höre, und das sei nicht gut für den Kurt. Seit er 15 Kilo abgenommen hat, sieht er dem Kurt wieder zum Verwechseln ähnlich.
Andere Häftlinge klingeln mehrmals am Tag, dann muss ein Aufseher vorbeischauen, was los ist. Meistens will einer eine Tablette gegen Kopfschmerzen oder irgendwas. Er brauche nichts. Und, offen gestanden: Wenn er Wärter wäre statt Bewachter, er würde sich nicht jedes Mal die Mühe machen, brächte nicht diese Geduld auf. Aber die Beamten hier seien bewundernswert, überaus anständig, immer korrekt, nie ein lautes Wort. Da ist kein einziger schlechter Mensch unter ihnen. Einer habe zu ihm gesagt, und er nahm es als Kompliment: Wenn ich Ihnen nicht das Essen bringen müsste, wüsste ich gar nicht, dass Sie da sind, Herr Vogl.
Der Häftling, der niemandem zur Last fallen will, hat in der Schweiz vier Raiffeisenbanken ausgeraubt und in Österreich sechs. Mal allein, mal mit seinem Zwillingsbruder (der überdies eine weitere überfiel). Noten, Münzen, Goldbarren im Wert von fast anderthalb Millionen Franken waren die Beute. Am 2. September 2003 wurden die beiden vom Strafgericht des Saanebezirks für die in der Schweiz begangenen Delikte verurteilt. Zu fünf Jahren Zuchthaus der Bruder, zu sieben Jahren er.
Er war enttäuscht. Vergeblich hatte er das Gericht um etwas gebeten, was es noch nie von einem Angeklagten gehört hatte: Die sieben Jahre, die die Staatsanwaltschaft forderte, seien zu wenig; man möge ihm die Höchststrafe von zehn Jahren geben. Er war weder unzurechnungsfähig, noch ist er grundsätzlich von selbstzerfleischendem Gerechtigkeitssinn getrieben.
Erich Vogl, geboren am 10. März 1966 in Graz, Österreich, wegen zehn Minuten das neunte von zehn Kindern, hat zwei Leben als Krimineller hinter sich. Das erste war zu Ende, kaum hatte es begonnen.
Er war zu jung, zu dumm und zu verschuldet, als er 1991 einen netten und erfolgreichen Menschen aus Trinidad kennenlernte. Er mochte ihn, was selten sei, auf Anhieb. Der Fremde wurde zum Bekannten und entpuppte sich als Drogenschieber. Für einen Lohn von 10 000 Mark sollte Vogl, ein arbeitsloser, aber unbescholtener Metzger und Hobbyjäger, einen Kurierdienst von Österreich nach Deutschland erledigen.
Natürlich wusste ich, sagt er, worum es ging. Ungefähr. Man kennt das ja aus dem Fernsehen. Wobei, «Crack» konnte ich nicht einmal richtig aussprechen. Als Vogl auf einem Autobahnrastplatz zwischen Salzburg und München die sechs Kilo Kokain und gut zwei Kilo Crack abliefern wollte, eine Tasche auf dem Rücksitz des Wagens, erwartete ihn schon die Polizei. «Deutsche Drogenfahnder hoben ‹Vogelnest› aus», hiess die Schlagzeile. Er, sein Zwillingsbruder, noch ein Bruder und ihre drei Ehefrauen kamen in Untersuchungshaft, seine Frau mitsamt der Tochter; Enja war einen Monat und zwei Tage alt.
«Drogenbrüder», «Kokainfamilie», «Familienbetrieb», schrieben die Zeitungen, als der Prozess stattfand. Im «Kurier» erschien auch gleich, am Pranger der Informationsgesellschaft, das Foto vom «Familientreffen auf der Anklagebank». So also sieht ein Drogenclan aus der Steiermark aus. Erich Vogl lud alle Schuld auf sich, er sei das schwarze Schaf der Familie, wie man so sagt. Machen’s mit mir, was Sie wollen, aber lassen Sie die andern nach Hause. Die Frauen kamen davon, der Zwillingsbruder erhielt zweieinhalb Jahre Gefängnis, der andere Bruder anderthalb Jahre auf Bewährung sowie die Kündigung des Arbeitgebers, bei dem er 19 Jahre angestellt gewesen war.
Als er die Haft antrat, war Erich Vogl 26 Jahre alt und nahm sich Gutes vor. Er sagt: Sie werden keinen finden, der behaupten kann, der Vogl hat je gejammert. Nicht einmal damals, als ich Grund dazu gehabt hätte. Ich habe mich nie beklagt. Keine Frage, ich fand es richtig, dass ich bestraft wurde, wenn auch das Strafmass zu hoch war. Ich glaubte an das Gesetz.
Doch als er sechs Jahre später das Gefängnis in Graz verliess, wusste er, dass schon bald sein zweites Leben als Krimineller beginnen würde. Er wusste nur noch nicht, wie.
Was war passiert? Die alte Geschichte vom naiven Ersttäter, der im Knast hartgesotten wird? Vom Anfänger, den die Routiniers in die Feinmechanik der schiefen Bahn einweihen? Das ist schwer zu verstehen, sagt Erich Vogl, wenn man es nicht selber erlebt hat. Und im Nachhinein mag es oberflächlich erscheinen, vielleicht läppisch. Aber ich. Ich sehe noch immer die Gesichter vor mir, wenn ich daran denke, und als er daran denkt, erzählt er noch fahriger, stottert er noch heftiger, die Gesichter der Beamten, wie sie einen verächtlich ansehen, einen als Nummer behandeln, nicht als Menschen, wie sie einem das Gefühl geben, ein Niemand zu sein, eine Null, wertlos, wie sie mit einem umspringen, dieser Hohn, diese Herablassung, und dann die Haftbedingungen, von vorgestern, wenn man aufs Klo ging, musste der Zellennachbar die Beine anziehen, so eng war’s, und wegschauen, weil der Sichtschutz vor der Schüssel ein zerrissenes Tuch war, menschenunwürdig, so ist es drüben in den Gefängnissen Österreichs. Ein unverbesserliches Nichts ist man. Doch das alles hätte nicht gereicht, sagt er.
Den Entschluss, es dem Staat Österreich heimzuzahlen, fasste er, als seine Mutter starb. Er hätte nur in Begleitung zweier Beamter auf die Beerdigung gehen dürfen, das wollte er nicht. Alle hätten auf mich geschaut, auf den Verbrecher, aber der Tag sollte meiner Mutter gehören. Er blieb in der Zelle und weinte allein. Zu diesem Zeitpunkt hatte er über zwei Drittel der Strafe hinter sich und wäre unter den üblichen Umständen auf Bewährung frei gewesen. Doch das Gesuch um vorzeitige Haftentlassung war abgelehnt worden, weil er einem Mithäftling zur Flucht verholfen haben soll. Da wusste ich, sagt er: Die geben dir nie mehr eine Chance. Da habe ich mir geschworen: Denen werde ich es zeigen. Und mein Wort, das kann ich sagen, habe ich gehalten.
Erich Vogl sass die ganzen sechs Jahre ab, zwei Tage wurden ihm geschenkt, und das nur, weil sie auf ein Wochenende fielen; an Wochenenden gibt es keine Haftentlassung. Am Freitag, 13. März 1998, er war soeben 32-jährig geworden, betrat er als unfreier Mensch die Freiheit. Er war gefangen in der Vorstellung, sich rächen zu müssen.
Im besten Fall hätte er seinen Vorsatz vergessen, etwas Glück gehabt in der Welt und ein sogenannt neues Leben begonnen. Dann sässe er jetzt nicht im Schloss von Bulle, 22 Stunden Einzelzelle, vergitterte Sicht auf den Marktplatz einer ereignisarmen Kleinstadt. Im schlimmsten Fall wäre er Amok gelaufen. Als Hobbyjäger hätte er leichten Zugang zu Waffen gehabt, doch gerade deshalb sei ihm das gar nicht in den Sinn gekommen, sagt er. Sein Vater, der noch mit über 80 Jahren zur Jagd ging, habe ihm beigebracht: Ein Jäger hat immer sein Gewehr mit, auch wenn er es nicht braucht. Das Schiessen ist das wenigste am Jagen, Bub. Hegen, pflegen, dann erlegen – darum geht es. Der Vater habe stets nur wenige Patronen in die Berge mitgenommen, denn wer mit dem dritten Schuss nicht trifft, trifft auch mit dem hundertsten nicht. Das habe der Vater immer gesagt, ein ganz guter Mensch war das, mein Gott, und was habe ich ihm angetan.
Erich Vogl machte weder den Wurststand auf, den er sich erträumt hatte, noch stürmte er mit dem Jagdgewehr ein Justizgebäude. Er wurde zum Bankräuber, der mit Spielzeugpistolen fuchtelte.
Ironischerweise eröffnete er den Rachefeldzug gegen seine Heimat am falschen Ort. Aus einem Grund, den er sich beim besten Willen nicht mehr erklären kann, stand er bei seiner ersten Tour unversehens vor einer Bank in der Schweiz. Es blieb beim Versuch: Von aussen schien es, als ob die Kundenschalter unverglast seien. Als Vogl davorstand, erkannte er den Irrtum – die Scheiben waren bloss bis zur Unsichtbarkeit sauber geputzt. Der Alarm ging los, Vogl floh. Der erste Banküberfall gelang ihm im November 1998, acht Monate nach der Haftentlassung. Diesmal in Österreich.
Die eigenwillige Form von Rache hatte einen angenehmen und verhängnisvollen Nebeneffekt: Geld. Er brachte es nach Spanien, wo er mit seiner neuen Lebensgefährtin und ihren beiden Kindern wohnte. Die Freundin hatte er kurz vor dem Strafende kennengelernt, nach der Beerdigung der Mutter war ihm mehrmals unbegleiteter Hafturlaub bewilligt worden. Die Ehefrau, eine gebürtige Südafrikanerin, hatte sich scheiden lassen, und wo sie mit der gemeinsamen Tochter lebt, weiss er noch heute nicht. Irgendwann, da ist er sich sicher, wird er Enja wiedersehen. In Spanien war auch der Zwillingsbruder, und man liess es sich in Marbella recht gut gehen.
Ach, der Kurt. Um nichts in der Welt lasse ich meinen Bruder allein. Immer habe ich auf seiner Seite gestanden, schon als Kinder waren wir so. Wir können uns nicht streiten. Müssen zusammen sein. Wenn Erich Vogl in Bulle die Natur- und Jagdzeitschriften durchgelesen hat, lässt er sie dem Kurt ins Neuenburger Gefängnis schicken, das Bellevue heisst. Die beiden Metzger haben dieselben Leidenschaften bis auf eine.
Kurt Vogl verfiel den Casinos der Costa del Sol. Setzte auf Rot, Schwarz gewann, er konnte nicht aufhören. Gegen die Spielsucht meines Bruders war ich machtlos, sagt Erich Vogl. Immer auf seiner Seite. Und keiner hilft ihm. Wäre er ein Kinderschänder, hätte er längst einen Therapieplatz. Aber so hockt er nur seine Strafe ab und wird rauskommen, wie er reingegangen ist. Schlimm. Obschon Erich Vogl bei dem unglückseligen Spiel nur zuschaute, ging er mit dem Bruder zurück in die Wohnung, um auch den Rest des Geldes zu holen. Ein Irrsinn war das. Als die Beute versenkt war, sagte Erich Vogl, und er bereut es noch heute: Jetzt musst du mir aber helfen. Von da an wurden die Zwillinge zum «wohl meistgesuchten Brüderpaar Österreichs», wie es hiess.
Sie fuhren nach Österreich, raubten eine Bank aus, fuhren nach Spanien, gaben das Geld aus, wieder und wieder, und als sich die Schlinge zuzog, weiteten sie ihr Tätigkeitsfeld auf die Schweiz aus. Dann wurde es auch in Spanien eng, sie zogen nach Südafrika. Sie lebten und arbeiteten auf einer Farm, weit weg von den Städten, es war die glücklichste Zeit, sagt Erich Vogl. Die Tiere. Die Natur. Die Weite. Das Gegenteil einer Zelle. Doch der Bruder fand auch von dort den Weg in die Casinos und zu den Rennbahnen mit den Pferdewetten. War das Geld aufgebraucht, flogen sie, echte Kriminaltouristen, mit falschen Pässen nach Europa, bei Erich Vogl lautete er auf Popov Georgi Yelikov, sie reisten in die Schweiz, überfielen eine Bank und nahmen in Südafrika die Arbeit auf, wie sie sie liegengelassen hatten.
Es klappte immer. Gewiss habe geholfen, sagt Erich Vogl, dass er unmaskiert war. Es kam nicht mehr drauf an. Und man hat den Überraschungseffekt auf seiner Seite. Geht als Kunde in die Bank und ist erst am Schalter der Räuber. Sekunden, die zählen. Dass er nur mit einer Spielzeugpistole drohte, ist nie aufgefallen. Was auch bedeutet, dass die Angst, die sie einflösste, echt war. Mehrere Bankangestellte erlitten einen Schock.
Das wenn auch nicht hehre, so immerhin immateriell begründete Rachemotiv hatte sich unbemerkt aus dem Geschehen geschlichen wie die ernüchterte Liebhaberin aus dem fremden Bett. Die Überfälle wurden zu profanen Mittelbeschaffungsaktionen, die einzig noch dem stumpfsinnigen Geldtransfer von der Raiffeisenbank zur Spielbank dienten.
Am 26. September 2001 ging die dreijährige Serie spektakulär zu Ende. Erich Vogl hatte um 8.30 Uhr die Raiffeisenbank Heitenried überfallen und 403 000 Fran ken erbeutet, er war auf der Flucht durch Frankreich und hörte im Autoradio von einem Amokläufer, der kurz nach 10.30 Uhr das Parlament des Kantons Zug gestürmt und 14 Menschen erschossen hatte, aus Rache wegen vermeintlichen Unrechts. Vogl wollte via London nach Südafrika, er kam bis Dover, wo er am nächsten Tag verhaftet wurde. Er hatte sich beim Grenzübertritt mit dem Bruder in einem Wohnwagen versteckt, sie hatten Plasticpistolen dabei, falsche Papiere und sehr viel Bargeld – der Hafen wurde sofort abgesperrt. Man hielt die Räuber, 16 Tage nach dem Anschlag in New York, für Terroristen.
Der Freiburger Polizist, der die Vogls nach ihrer Überstellung mehrmals einvernommen hat, sagt: In meiner dreissigjährigen Amtszeit habe ich noch nie Täter erlebt, die so kooperativ waren wie die Zwillingsbrüder. Wir hatten ein Superverhältnis. Sie gaben fast unaufgefordert alles zu und waren gegenüber den Beamten ausserordentlich anständig.
Wofür entscheiden Sie sich, fragt Erich Vogl im Besuchsraum von Bulle, wenn Sie zum gleichen Preis zwischen einem Einstern- und einem Fünfsternhotel wählen können? Er kennt Zellen in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, England und Italien; dort sass er nach der Flucht aus Bellechasse, die ein Unsinn gewesen sei, er wäre ja auch freiwillig zurückgekehrt, beteuert er, aber das glaubt selbst einem zuvorkommenden Häftling niemand. Anderthalb Stunden Inspektion draussen im Hof, barfuss in Badeschlappen, im Winter, Italien war die Hölle, sagt er. Österreich ist der Vorhof und die Schweiz das Paradies, relativ gesehen. Selbst in diesem Trutzbau, der nicht für lange Strafen eingerichtet ist, sei alles besser als alles, was er aus Österreich kenne. Die Einrichtung, das Essen, die Behandlung. Die Wärter sprechen kein Deutsch und er kein Französisch, und doch fühle er sich besser verstanden als im elenden Land seiner Herkunft, diesem verlogenen Hort der Unmenschlichkeit.
Die letzte Möglichkeit, sich an seiner verhassten Heimat zu rächen und ihr so lang wie möglich fernzubleiben, sah Erich Vogl darin, in der Schweiz die Höchststrafe zu fordern. Je höher sie hier ausfällt, desto weniger Jahre verbleiben für drüben. Er wehrt sich gegen die Auslieferung, denn nach Verbüssen der Strafe in der Schweiz wartet auf ihn in Österreich der Prozess für die Überfälle, die er dort begangen hat. Alles von vorn. Das macht mich komplett verrückt im Kopf, sagt er, der sein Land bestrafen wollte, sich nun doppelt bestraft vorkommt und dabei vor allem sich selber bestraft hat: dass ich aus dem Gefängnis entlassen werde und gleich in das nächste komme. Ich kann nicht an die Zukunft denken, weil ich noch lange keine haben werde, und im Gefängnis gibt es nichts Schlimmeres als das.
In der Zelle sitzt Erich Vogl stundenlang vor Papier und zeichnet Häuser. Für die Farm in Südafrika hat er einen Erweiterungsbau entworfen, jedes Detail. Er hat den Plan schon so oft verfeinert, zerknüllt und neu gezeichnet, dass er in Gedanken durch jeden Raum gehen kann, als ob er leibhaftig darin wäre, von da sogar hinaus auf das Land der Farm, das ihm mit jedem Tag hinter Gittern noch weiter erscheint. Dort will er sterben, sagt er, und seinen Körper solle man noch warm einem Löwen zum Frass vorwerfen. Dann habe er im Leben etwas Sinnvolles getan: einen hungrigen Löwen satt gemacht.
Es kann aber auch sein, dass ihn das Leben noch in die Pflicht nimmt. Wenn sein Bruder von der Spielsucht nicht loskommt, muss er zu ihm halten.
Andreas Dietrich ist NZZ-Folio-Redaktor.