NZZ Folio 01/07 - Thema: Schmerz   Inhaltsverzeichnis

Die Ballermänner

© Graphische Sammlung der ETH Zü...
Christus wird ans Kreuz genagelt: Holzschnitt von Albrecht Dürer aus der «Kleinen Passion», 1509. Linktext
Kampfsimulatoren und Elektroschocks: Wie US-Sondereinsatzkommandos in Trainingscamps auf Schmerzen trainiert werden.

Von Peter Haffner

Joe nimmt es gelassen, dass auf ihn geschossen wird – bis ihn die Kugel trifft. Rasch schwillt die blutunterlaufene Stelle an der linken Schläfe auf die Grösse einer Vierteldollarmünze an. «Mann, hat mich das stinksauer gemacht», sagt Joe immer wieder, indem er die Beule betastet. «Bin gleich in Kampfstimmung geraten!»

Sergeant Joe Maines ist Leiter eines Swat-Teams des Dallas Police Department. Mit «Special Weapons and Tactics» ist der gedrungene, athletische Enddreissiger seit achtzehn Jahren vertraut. Joe ist trainiert darauf, Bösewichter zu erschiessen, falls nötig, doch der Fall ist bisher nie eingetreten. Nur einmal mussten zwei seiner Kollegen einen verzweifelten Vietnamveteranen töten, der einen Beamten umgelegt und dann ihn bedroht hatte.

Der Alltag von Sondereinsatzkommandos ist prosaischer, als Film und Fernsehen glauben machen. Eher aus dem Leben gegriffen ist das Szenario, das hier, in einem verlassenen Bürotrakt auf dem Flughafen Love Field, geübt wird: Ein Mann hat die Polizei gerufen, weil sein Wohnpartner – gespielt von Joe – ausgerastet ist und Radau macht. Wie Jim, der zum Einsatz befohlene Polizist, die Wohnung betritt, kommt Joe drehbuchgemäss aus dem Nebenraum, beschimpft den Kollegen, richtet eine Pistole auf den Polizisten – und wird von diesem erschossen. Ein Fall, in dem die Anwendung von «tödlicher Gewalt» gemäss Reglement sowohl gerechtfertigt als auch notwendig ist.

Alles ist nur gespielt, aber das will nicht heissen, dass es nicht ernst ist. Detective Jim Mishmash, der Polizist im Einsatz, weiss nicht, was ihn erwartet. Einundzwanzig Jahre tut er schon Dienst, erst bei der Drogenabteilung, jetzt bei der Abteilung Gewalt in der Familie. Dass Dinge sich unerwartet entwickeln, ist Jim gewohnt. «Läuft alles schnell aus dem Ruder», sagt er, der einen Schnauz trägt und mehr auf die Psychologie als auf die Pistole vertraut. Er ist noch nie in eine Schiesserei geraten und sichtlich nervös, wie der Ruf «going hot!» ertönt. Nun muss er «Polizei!» brüllen, die Wohnung betreten, sich innert Sekundenbruchteilen einen Überblick verschaffen und, wenn ihm sein Leben lieb ist, ohne zu zögern von der Waffe Gebrauch machen. Nicht nur Jims Stimme, auch seine Hand zittert.

Der Stress ist der Zweck solcher Übungen. Wer ihm nicht gewachsen ist, macht im Ernstfall einen von drei Fehlern: Er schiesst nicht, wenn er schiessen sollte. Oder er schiesst, aber daneben. Oder er schiesst, wenn er nicht schiessen sollte. Auch hartgesottene Cops haben Schiss, wenn sie in eine Schiesserei geraten. Die Furcht, getroffen zu werden, kann das Denken so weit beherrschen, dass man handlungsunfähig wird. Und damit in womöglich noch grössere Gefahr gerät, als wenn man den Kampf aufnehmen würde.

Kenneth Murray, der die zwei Dutzend Polizisten aus Dallas schult, verspricht nicht mehr und nicht weniger als eine Impfung gegen den Stress mit seinem «Reality-based Training», als dessen Prophet er durch die Lande zieht. Der Schmerzfaktor spielt darin eine wichtige Rolle: Wer Fehler macht, muss büssen. Die FX-Markiermunition, die Kenneth entwickelt hat, tut zwar nicht übermässig weh, doch genug, dass man sich davor hütet, getroffen zu werden. Die Angst vor dem Schmerz muss besiegt werden, will man Schlimmeres vermeiden. Gern erzählt Kenneth das Beispiel von Autofahrern, die, obschon nicht allergisch auf Bienenstiche, einer durchs Fenster geflogenen Biene wegen so in Panik geraten, dass sie einen Unfall bauen. «Die Furcht vor dem kleinen Schmerz», sagt er, «kann zu wirklich grossem führen.»

Der schlanke, platinblonde Kanadier gilt als der Guru der Szene; ein Mann, der in einem Moment den einfühlsamen Psychologen und im nächsten den harten Burschen geben kann. Seine politischen Ansichten sind von der Sorte, die man als «leicht rechts von Dschingis Khan» zu bezeichnen pflegt. Sein «Armiger Police Training Institute», dessen Website in Fraktur und mit pompösem Wappen daherkommt, ist ein Einmannunternehmen; mit einem Autoanhänger voller Waffen zieht der 47-Jährige aus Florida von Bundesstaat zu Bundesstaat, um Polizisten und Militärs zu trainieren. Kenneth ist Autodidakt; von Waffentechnik bis zu Philosophie hat er sich alles selber beigebracht, mit einem Enthusiasmus, der einem sympathisch oder manisch vorkommen kann. Sein grossformatiges, 368 Seiten starkes Werk «Training at the Speed of Life» nennt sich das «definitive Lehrbuch» der Branche; es ist das erste einer sieben Bände umfassenden Enzyklopädie zum Thema, die er sich vorgenommen hat.

Der Mann, der Gedichte von Margaret Atwood zitiert, eine Ausgabe von Platons «Staat» mit sich herumträgt und hofft, dass das FBI Hillary Clinton aus dem Weg räumt, bevor sie Präsidentin werden kann, ist von einer irritierenden Entspanntheit. Sie täuscht leicht über die Konzentration hinweg, mit der er seine Arbeit tut. Kenneth Murray ist ein hervorragender Didaktiker und alles andere als ein Haudegen; die Sequenzen eines Szenarios und die möglichen Entwicklungen hat er minutiös unter Kontrolle.

Auf die Idee, das Training mit einer Prise Schmerz zu pfeffern, kam Kenneth, nachdem er in Kanada Land gekauft hatte für ein Paintball-Schlachtfeld. Paintball ist zwar harmlos, kann aber ordentlich wehtun, was die Konzentration der Spieler fördert. So sehr, dass Laien besser sind als die Profis von Militär und Polizei, die Kenneth hie und da einlud, mitzumachen, und die das Ganze als Bubenspiel abtaten. Damit war «Simunition» geboren: eine Munition, die wie Paintballs einen Farbfleck am Aufschlagort hinterlässt und ein bisschen wehtut, aber mit herkömmlichen Waffen verschossen werden kann. Was die Sache für Profis plötzlich interessant machte.

«Schmerz», sagt Kenneth, «ist ein guter Lehrmeister.» Er selber habe seine Kindheit in den 1960ern verbracht, in einer Zeit, als nicht ein halbes Dutzend Hilfsorganisationen Alarm geschlagen hätten, wenn ihm sein omnipotenter Vater den Hintern versohlt habe. In der Erziehung seiner eigenen, nun fünfundzwanzigjährigen Tochter hat Kenneth es nicht anders gemacht als sein Vater. Menschen, meint er, lernten gleich wie Hunde – durch Bestrafung und Belohnung.

Im Training hat er mit elektrischen Hundehalsbändern experimentiert, die manche verwenden, um Hunde stubenrein zu kriegen. Er hat sie ein bisschen aufgepeppt und Teilnehmern um die Oberschenkel gebunden; jedes Mal, wenn einer sich gegnerischem Feuer aussetzte, gab es einen elektrischen Schlag. Heute gibt es Wege, denselben Zweck direkt zu erreichen. Wer von einer FX-Patrone getroffen wird, spürt den Aufschlag. Und wer mit dem Shock-Knife in Berührung kommt, zuckt unter dem Stromschlag zusammen; der Schmerz halte eine ganze Weile an, versichert Kenneth, wie bei einem richtigen Schnitt. Das eben auf den Markt gekommene Messer wird von einer Firma in Winnipeg, Kenneths Heimatort, vertrieben. «Willst du es ausprobieren?» fragt er. «Und auch die Markiermunition?»

Natürlich muss man wollen, und mit Joe Maines’ vierteldollargrosser blutgefüllter Beule und Bildern von verkohlten Stromschlagopfern vor Augen hält man hin. Vom Schuss ist überraschend wenig zu spüren im Fettgewebe der linken Hinterbacke, doch der Elektroschnitt in den rechten Oberschenkel ist so scharf, dass ich unwillkürlich mit der Hand hinschnelle in Erwartung, das Blut in den Stoff der Hose sickern zu spüren. Der Selbstversuch bestätigt den Sinn der Sache: Nicht um den Schmerz, sondern um die Furcht davor geht es. Wer im Training dem Partner ein Messer aus der Hand winden muss, tut das entschlossener, wenn es kein stumpfes Ding aus Weichplastik ist – nicht anders, als man einen Elektrozaun für Kühe vorsichtiger übersteigt als einen gewöhnlichen Drahtzaun.

Herkömmliche Übungsgeräte bestrafen Fehler nicht mit Schmerzen. Laserwesten, wie sie vom Militär im Training verwendet werden, geben einen Piepston ab, wenn man von einer Laserwaffe getroffen wird; fortgeschrittene Versionen kalkulieren noch die Schwere der Wunde. Kenneth hat versucht, einen Hersteller dazu zu bewegen, ein Schockmodul in die Weste einzubauen, das bei Treffern einen Stromstoss auslöst. Prototypen sind gebaut worden, doch das Projekt wurde nicht weiterverfolgt. Die texanische Firma VirTra Systems hat unlängst einen Kampfsimulator für die US-Armee vorgestellt, der ein solches Modul benutzt: Wird der Gegner nicht rasch genug ausser Gefecht gesetzt, kann der Trainer dem Rekruten über einen um die Hüfte gegürteten Empfänger einen elektrischen Schlag versetzen. «Endlich hat es einer kapiert», meint Kenneth Murray.

Der Simulator, der je nach Ausstattung zwischen 50 000 und 125 000 Dollar kostet, hat fünf Bildschirme, die ein Rundumpanorama von 360 Grad abdecken, so dass man vom virtuellen Szenario vollkommen umgeben ist. Geübt werden Geiselbefreiungen, Strassenkämpfe, Aussergefechtsetzung von Selbstmordattentätern und Angriffe auf gegnerische Stellungen – und dies alles fotorealistisch, nicht mit Computergrafiken, die in Rauchwölkchen verzischen. Der Elektroschock, wird berichtet, soll ziemlich heftig sein und einen in die Knie zwingen können, vergleichbar mit einer Schusswunde. Der Soldat soll lernen, sich zusammenzureissen und weiterzukämpfen, selbst wenn er verletzt ist. Erhöhter Pulsschlag, Handschweiss und die Furcht der Probanden, die das System testeten, seien vom Militär als Pluspunkte gewertet worden, sagte der Firmensprecher Steve Haag bei der Vorstellung des Produkts.

Zu Kenneth Murrays eisernen Lehrsätzen gehört, dass man nicht tot ist, bis man wirklich tot ist. Die Unsitte, im Training einen Teilnehmer nach dem anderen als tot zu erklären, liesse diese nicht nur das Interesse verlieren, sondern präge sie zu Opfern: «Gedanken werden Wirklichkeit», sagt er. Der Schmerz bei einem Treffer mit Markiermunition lehrt auch den Fehler vermeiden, den viele machen, wenn sie von einer richtigen Kugel getroffen werden: Sie befingern erschrocken die Wunde, statt in Deckung zu gehen und zurückzufeuern. Stress ist schuld, wenn Rekordschützen schlecht schiessen; sich im Schiessstand messen und mit der Pistole kämpfen, ist zweierlei. Eine Überstimulierung des sympathischen Nervensystems verschlechtert die feinmotorischen Fähigkeiten. Sie müssen im Muskelgedächtnis so gut verankert sein, dass sie im Ernstfall automatisch abgerufen werden. «Die Impfung gegen den Stress», sagt Kenneth, «führt zu höheren Trefferraten.»

Kenneth Murray ist ein Mann mit vielen Facetten, ein Sonnyboy und Hardliner, bei dem man nicht so recht weiss, wer sich eigentlich hinter wem verbirgt. Doch auch wenn man es vermuten könnte: Ein Sadist ist er nicht. Unermüdlich paukt er den Polizisten ein, dass Quälereien im Training keinen Platz haben und dass der pädagogische Nutzen der Schmerzzufügung nur allzu rasch in Missbrauch umschlägt: Es gibt Trainer, die ihre Rekruten schinden, um Machtgefühle auszuleben; Teilnehmer, die einander bei Übungen an den Kragen gehen, um irgendeine Rechnung zu begleichen.

Nachdem Jimmy Ray Carty, Rekrut des Texas Department of Public Safety, in einem Selbstverteidigungskurs mit einem Kameraden um eine Waffe gerungen hatte, musste er, völlig erschöpft, gegen einen übermächtigen Gegner zum Boxkampf antreten. Zwei Supervisoren, die das Training beaufsichtigten, drängten den verantwortlichen Leiter vergeblich, davon abzusehen. Carty wurde von Faustschlägen gegen den Kopf niedergestreckt und schliesslich so schwer hinter dem rechten Ohr getroffen, dass er den Folgen seiner Verletzungen erlag. Das Departement liess verlauten, Verstauchungen und Brüche seien immer wieder vorgekommen, doch das Training sei wichtig, weil der Rekrut unter Stress weder die Beherrschung verlieren noch sich ducken oder davonrennen dürfe.

Für Kenneth sind solche Geschichten skandalös – aber leider keine Einzelfälle. Verglichen mit den Schikanen, die verantwortungslose Trainer ihren Schützlingen zumuten, machen die Dosen Schmerz, die er befürwortet, wie bei Paracelsus den Unterschied zwischen Medizin und Gift. Es geht nicht darum, gegen den Schmerz abzuhärten, wie das etwa der Kampfsimulator von VirTra Systems bezweckt, sondern nur darum, die Aufmerksamkeit wachzuhalten. Müsse man jemanden in einer Übung in Handschellen legen, solle man ihm vorher Klebeband um die Gelenke wickeln, damit er sich nicht wundscheuere, mahnt Murray und fügt bei: «Die Rache gehört Gott, nicht uns.» Die Polizisten nicken; Männer mit festem Händedruck, die breitbeinig dastehen, klobige Hightechuhren tragen und, wenn sie einander in die Schutzkleider helfen, fragen: «Need a hand job?» Die sexuelle Anspielung ist Ritual.

Es wird still im Lehrsaal der Polizeiakademie, als Kenneth das Video laufen lässt, das alle schon kennen. «Es bricht mir jedes Mal das Herz», wird Rosy hernach sagen, die einzige Frau im Kurs. Es ist aufgenommen von der über dem Rückspiegel eines Streifenwagens montierten Kamera. Deputy Sheriff Kyle Dinkheller hatte einen zu schnell fahrenden Pick-up-Truck verfolgt und zum Halten gebracht. Man sieht, wie der Fahrer seine wiederholte Aufforderung ignoriert, die Hände aus den Taschen zu nehmen und zu ihm zu kommen, wie er wütend wird, den Polizisten angreift, schreit und wie er zurück zu seinem Auto rennt, einen Karabiner aus der Kabine holt und den 22-jährigen Polizisten eiskalt hinrichtet.

Der Film dauert eine quälende Ewigkeit, in der man Zeuge ist, wie Dinkheller, schwer gestresst, noch immer auf den Mann einredet, als er längst handeln sollte. «Wisst ihr, was für ein Typ Dinkheller war?» fragt Kenneth in die Runde, und alle wissen es. Er war der netteste Kerl im Korps, einer, der keiner Fliege etwas zuleide tun konnte und dann die Geburt seines Sohnes nicht mehr erlebte.

Durchgedrehte, die den Finger gleich am Abzug haben, sind nicht die Einzigen, auf deren Vernunft man nicht zählen kann. Nicht selten provozieren Selbstmörder Polizisten dazu, von ihnen erschossen zu werden. Viele Täter sind auf Drogen, verlieren die Hemmungen, die sie nüchtern hätten, gehen Risiken ein, die sie sonst meiden würden. Sie spüren keine Schmerzen. Ein Treffer ins Bein hindert sie nicht, weiterzumachen; wie die Katzen scheinen sie sieben Leben zu haben. «Ich habe schon viele gesehen, von denen ich dachte, sie seien tot», sagt Joe Maines, der einen Eisbeutel unter die Baseballmütze geschoben hat, um die Platzwunde von der FX-Patrone zu kühlen, und der jetzt von allen «Bullet Boy» geneckt wird.

Doch in Kenneth Murrays Training geht es nicht nur darum, Polizisten zum Gebrauch der Waffe zu ermuntern, wenn die Situation es verlangt. Am Vortag hatten sie ein Szenario geübt, in dem das Gegenteil verlangt war: nicht zu schiessen. Ein alter Mann hat die Polizei gerufen, weil eine dubiose Gestalt um sein Apartment herumschleiche. Wie der Polizist dieses betritt, zeigt sich, dass der Alte eine Waffe in der Hand hat – um dem Polizisten zu helfen, wie er sagt. Schwerhörig und etwas verwirrt, überhört er die Aufforderung, den Revolver niederzulegen, und in der düsteren Stube wird es ungemütlich.

Die Kursteilnehmer, erfahrene Polizisten, reagierten alle richtig, redeten laut, aber freundlich auf den Alten ein, bis seine Waffe gesichert war. «Wären es junge Rekruten gewesen», meint Kenneth, «hätte manch einer überreagiert und vor lauter Nervosität losgeballert.» Nicht zuletzt aus Furcht, dem Schmerz zuvorzukommen, falls der andere schiesst. Kenneth plädiert für Szenarios, die von A bis Z realistisch sind, und wenn es nach ihm ginge, müsste die Polizei auch darin trainiert werden, auf Minderjährige zu schiessen, um bei Schulschiessereien und Gangattacken die jungen Killer eliminieren zu können. «Stellt euch vor, was das für einen Aufschrei in den Medien gäbe, wenn wir solche Zielscheiben hätten!» sagt Kenneth mit dem sarkastischen Triumph dessen, der der Gesellschaft solchen Realitätssinn nicht zutraut.

Sicherheit ist oberstes Gebot für das «Reality-based Training». Wer das Gelände betritt, wird mit einem Metalldetektor abgetastet, Taschen und Jacken werden so akribisch untersucht, als seien die Teilnehmer nicht Polizisten, sondern Terrorismusverdächtige. Auch Kenneth selber lässt das über sich ergehen, bevor es losgehen kann. Der Grund dafür wird klar, als er am Schluss des Kurses eine Reihe von Portraits über die Leinwand laufen lässt: Dutzende von Polizisten, die im Dienst umgekommen sind. Sie sind nicht von Gangstern erschossen worden – sondern von Kollegen, weil Waffen oder Munition verwechselt worden waren. Jedes Jahr trifft es zwei beim sorglosen Training.

Nancy Sinatras Song «Bang Bang (My Baby Shot Me Down)», der Soundtrack von Tarantinos «Kill Bill», der den Reigen musikalisch untermalt, klingt noch nach, wie es hell wird im Saal und die Kursteilnehmer aufbrechen. Sie sind alle Instruktoren, die Kenneth Murrays Trainingsmethoden nun selber anwenden werden.

Peter Haffner ist Korrespondent des «Tages-Anzeiger-Magazins» in Kalifornien.

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