|
|
Feng-Shui im Bastelraum
© Markus Bühler-Rasom
|
| Die meisten Esoterikanbieter wohnen im Oberdorf, zwischen Bungertacher, Musacher und Güttigerwies, der einzigen Stelle im asphaltierten Ort, an der das Gestrüpp noch ungehindert wuchern darf. |
|
 |
Was das Angebot an Seelenmassagen betrifft, bietet Weisslingen energetisch Blockierten so manche Überraschung. Ein Selbstversuch in dörflicher Esoterik.
Von Margrit Sprecher
Auf Anhieb meldet sich keine am Telefon. Klar, werden alle an der Arbeit sein. Doch wie wattiert klingen ihre Stimmen ab Tonband … Hier ein schmelzendes «Nüt für unguet», dort ein melodiöses «Guets Tägli!» Kein Zweifel, in Weisslingen darf die Kundschaft auf Zeit und Zuwendung hoffen. Dort, eingebettet in viel Natur, pflegt man noch immer den Sinn für das Wesentliche. Nicht wie in der Stadt, wo man mit der Stopuhr abgefertigt wird, während die Tarmed-Punkte rattern.
Der Eindruck täuschte nicht. Die Therapeutinnen haben viel Feeling. Hören, auf geradezu konspirative Weise, geduldig zu. Kümmern sich, innerlich und äusserlich bei Laune, um die fremden Körper. Offerieren Kräutertee. Und zünden – selbst bei grellstem Sonnenschein – zwecks meditativer Stimmung eine Kerze an. Nur wenn es gegen sechs Uhr geht und man in der Küche das Geschirr klappern hört, wird die Tasse eine Spur rascher ausgetrunken und die Anteilnahme einen Hauch beiläufiger.
Die meisten wohnen im Oberdorf, zwischen Musacher, Bungertacher und Güttigerwies, am Flüacherbach, der einzigen Stelle im asphaltierten Ort, an der das Gestrüpp noch ungehindert wuchern darf. Mehr als ein halbes Dutzend Zentren, die Kraft und neue Lebensfreude versprechen, findet man hier. Früher ist das Angebot noch grösser gewesen. Leider ist kürzlich die Geistheilerin nach Österreich ausgewandert; sie schaffte jeden Poltergeist. Und zwei der drei Fussreflex-Spezialistinnen massieren jetzt im Nachbardorf oder haben aufgegeben.
Fast alle Frauen arbeiten zu Hause. Mal steht der Massage-Schragen vor dem Cheminée im Wohnzimmer, mal im ehemaligen Bastelraum. Verena Bauer benützt ein ausgebautes Dachzimmer. An der Wand hängen farbige Schautafeln mit fernöstlichem Wissen, am Boden liegt eine Matte. Wer ihr die linke Hand und seine Zunge zeigt, ist schon durchschaut. «Nicht ganz», korrigiert sie, von Kopf bis Fuss in medizinisches Weiss gekleidet. «Erst während der Massage sehe ich, wo Energie blockiert wird.»
Die Massage ist ein sachtes Stupfen und Zupfen, als würde ein Tier versuchen, jemanden zum Aufstehen zu bewegen. Sie zieht an Füssen und Fingern und, in der nächsten Runde schon nachdrücklicher, an Armen und Beinen. Ein Finger drückt auf einen Rippenbogen, dann auf einen Wadenmuskel. Die Stellen sind ebenso wenig vorhersehbar wie das, was als nächstes geschieht. In die Stille tropfen einzelne fernöstliche Klänge, hin und wieder hört man ihre bestrumpften Füsse um die Matte gleiten. Plötzlich ein Murmeln, in Kopfnähe. Ist sie auf eine Energieblockade gestossen? Nimmt sie die Last, wie sie vorher erklärt hat, jetzt in ihren mit Zen ganz leer gemachten Körper auf? Besorgt öffnet man die Lider, bereit, sich dafür zu entschuldigen. Doch ihre braunen Augen glimmen still, als hätte sie einem eben ein fernes, schönes Land gezeigt.
Als alleinerziehende Mutter zweier Kinder muss sie schauen, wie sie über die Runden kommt. Deshalb hat sie ihre Shiatsu-Massage mit Bachblüten und Fussreflex, Lebensberatung und Coaching angereichert. Sie besitzt auch einen Lehr-Kräutergarten, gibt Kurse und verkauft gemischte Heilkräutertees, Bienenwachssalben, Kokosfett zum Braten und Duftöle. Hingebungsvoll schnuppert sie an den kleinen braunen Fläschchen. Bergamotte – «durch sonnige Heiterkeit schlendern». Patchouli – «eintauchen in die Sinnlichkeit der Erde». Oder Lavendel. «Lavendel», gibt sie zu bedenken, «ist irgendwie unberechenbar. Ein schwieriges Öl.»
Obwohl es das dörfliche Therapieangebot mit jeder Stadt aufnehmen kann, möchte keine Therapeutin von Konkurrenz sprechen. Im Gegenteil. Sie sind alle gut befreundet und kennen sich schon lange – meist durch ihre Kinder und aus der Elterngruppe. Gemeinsam erlebten sie, wie der Nachwuchs grösser wurde und sich ihr Wohnzimmer mit allem füllte, was sie sich schon immer gewünscht hatten. Ihre Sehnsucht nach einer transzendentaleren Form des Seins wuchs. Etliche versuchten es mit der örtlichen Malschule. Das Ergebnis des kreativen Schubs hängt an den Wänden. Hier sind es traurige Clowns, dort Collagen mit eingearbeiteten echten Blüten und Blättern. Doch richtig Klick machte es erst, als sie den Anmeldecoupon für den Therapiekurs in einem Heftli fanden. Oder in der Buchhandlung auf das einschlägige Lehrwerk stiessen. Da durchzuckte es sie wie ein Blitz: «Genau das ist es!»
Nach dem Schlussexamen war Iris Liechti ein Erdentiger – so ihr chinesisches Horoskop – und diplomierte Feng-Shui-Beraterin. Leider war das eigene Haus schon gebaut. Sonst hätte sie vieles anders gemacht. Im Norden beispielsweise, wo das Geld hereinkommt, befindet sich ihr Badezimmer – energetisch keineswegs ideal. Auch die Farbe stimmt nicht. Zum Beweis öffnet sie die Türe: «Alles blau statt rot.» Dem Energiefluss, der von der steilen Strasse auf ihr Wohnzimmer herunterdonnert, stemmt sie sich mit einer Armee von Phönixen und einer Vielzahl von Gegenständen entgegen, deren Gehalt sich einem nicht sofort erschliesst. Überhaupt ist Weisslingen Feng-Shui-mässig eine Katastrophe. Kein Bergdrache fühlt sich auf diesen flachen Hügeln heimisch. Ein See fehlt auch. Und all diese Neubauviertel, wo sich die Giebel «gegenseitig abschiessen» … Iris Liechti wundert sich nicht, dass es im Püngertli und auch im Iltisrain viel Zwietracht gibt.
Ihr Mann ist, als Banker, nicht unbedingt Feng-Shuianer. Doch seit sich sein berufliches Leben jedes Mal positiv verändert, wenn sie im Haus etwas umstellt, nimmt er es hin, dass der Esszimmertisch übersät ist mit Grundrissplänen. Bleistiftstriche teilen die Räume auf in Himmelsrichtungen und Themen wie Partnerschaft, Karriere oder Gesundheit. Manchmal hilft auch wenig viel: Ein Bernstein unter der Matratze stoppt den Energieabfluss im Schlafzimmer, falls das Bett zwischen Tür und Fenster liegt.
Und Wasser, egal ob Springbrunnen oder Aquarium, sorgt für Geld. Laut offiziellem Tarif sollte Iris Liechti zehn Franken für jeden untersuchten Quadratmeter verlangen. Und jedes Beratungstelefon einzeln verrechnen. Doch das bringt sie nicht fertig. Wie auf ein Stichwort klingelt das Handy: Eine Kundin, offenbar beim Frühlingsputz, möchte wissen, ob sie die Metallplättchen, die negative Energien anziehen, abnehmen und waschen darf.
Feng-Shui beruft sich auf jahrtausendealte chinesische Erfahrungswerte. Die meisten anderen Weisslinger Therapie-etablissements bieten, wie es der Zeitgeist verlangt, junge Therapiecocktails an, gemixt aus modernen westlichen Wissenschaften mit fernöstlichem Erfahrungswissen. Alle, ob sie nun Kinesiologie, Craniosacraltherapie oder Polarity heissen, haben das gleiche Ziel: die Energieströme zum Fliessen bringen und damit Verspannungen lösen. Polarity zum Beispiel – erfunden von einem Mann namens Dr. Randolph Stone – pickt das Beste aus der chinesischen, ayurvedischen und hermetischen Medizin heraus und verquirlt es mit Chiropraktik, Osteopathie und Neuropathologie.
Keine zehn Minuten am Steinacher 16, und man weiss, warum es in der Schweiz nur 300 diplomierte Polarity-Therapeutinnen gibt. Iris Schumacher reisst Blatt um Blatt vom karierten A4-Block und füllt sie in fliegender Eile mit Kurven und Strichen. Spricht von polyvagalem Nervensystem, dorsalem und ventralem Parasympathicus und, geradezu enttäuschend verständlich, von Totstellreflex. Bevor man sich auf den Schragen legen darf, muss man stehen. Und sagen, wo man sein Stehen spürt. Eine klare Antwort fällt schwer. Und jetzt – wie fühlt sich ihre linke Hand am Rücken an? Was ist, wenn sie gleichzeitig ihre Rechte vorne in Stellung bringt? Angestrengt horcht man in den eigenen Körper und sucht nach dem richtigen Ausdruck. Hinten wird’s, irgendwie, warm, und vorne ist, irgendwie, Durchzug. Jedes Ringen nach dem passenden Wort belohnt sie mit einem singend gedehnten « Oooh Keiii».
Dann lässt sie ein Kribbeln die Beine und die Arme hinaufwandern. Oder den linken Arm kalt und den rechten Arm warm werden. Knipst, nach Lust und Laune, hier den Ofen und dort die Air-Condition an. Und wenn sie den Daumen knetet, wird der Nacken heiss. Der Groll über den eigenen Körper wächst. Lässt sich willenlos von fremden Kräften manipulieren. Hat bisher noch nie diese inneren Zusammenhänge erwähnt. Verräter! Möglichst vital federt man vom Schragen. Die Polarity-Expertin lächelt sanft, als wäre alles, alles gut.
Nun begann es bei allen Therapeutinnen nach einiger Zeit irgendwo pelzig zu kribbeln. Alle schoben irgendwann eine Hand unters Kreuz und liessen es warm werden. Richtig schwindlig wird einem nur bei Rita Hitz. Da ihre Kundschaft sogar aus Zürich, Aarau oder Chur anreist, musste sie kürzlich ein Wartezimmer anbauen. Unauffällig ihre Erscheinung, beiläufig ihre Bewegungen. Hier, sagt sie und legt zunächst beide Hände über einen buntbemalten Totenschädel, wird sie den Rhythmus der Hirnflüssigkeit aufnehmen, die zwischen Hirn und Kreuzbein zirkuliert, und die Blockaden im ganzen Körper aufspüren. Ihr Fingerdruck auf dem eigenen Kopf ist kaum zu spüren. Doch sie verharrt lange, und dies unbeweglich. Ebenso an den Füssen. Und an den Hüftknochen. «Ist da was über Ihren Augen?» fragt die Craniosacraltherapeutin. «Oder an Ihrer Hüfte?» Beim Aufstehen, eine Stunde später, dreht sich der Raum. Beim Anziehen der Schuhe bewegt sich der Boden.
Draussen riecht es beruhigend nach Mist. Auch arbeiten Leute in den Gärten, als wäre nichts geschehen. Benommen schiebt man seinen Körper dem hell erleuchteten Volg entgegen. Am roten Abendhimmel zeichnen die Flugzeuge seltsam geknickte Haken. Ist das schon der gekröpfte Anflug? Oder ein weiteres Weisslinger Mysterium?
Die meisten Damen finden, das Geschäft könnte besser laufen. Weisslingen ist doch sehr klein. Zudem geht der männliche Einheimische bei Schmerzen lieber zum Physiotherapeuten, wo er es knacken und krachen hört und sieht, wie jemand für sein Geld schuftet. Mit den Dorfbewohnerinnen steht’s kaum besser. Die Pilotengattin, die nach dem Rasenmähen nicht weiss, wie den Tag totschlagen, fährt in die Stadt, wo sie den Selbsterfahrungstrip mit Shopping verbinden kann. Und auch die anderen, die ihre körperlich-seelischen Probleme aufarbeiten möchten, ziehen ein anonymeres Etablissement vor. Denn nur zu häufig bricht bei den so lange vermissten körperlichen und verbalen Streicheleinheiten das ganze Lebenselend aus ihnen heraus. Bis sie schliesslich darüber weinen müssen, dass sie weinen müssen.
So bleiben sich die Weisslinger Therapeutinnen gegenseitig ihre treusten Kundinnen. Die Fussreflex-Spezialistin schickt ihren übergewichtigen Sohn zur Naturheilärztin und knetet dafür deren Zehen. Die Feng-Shui-Beraterin rät der Shiatsu-Therapeutin, keine Kehrichtsäcke auf dem Ostbalkon zu lagern, und bekommt dafür einen Wochenendkurs über die Wunderkraft des Wassers.
Margrit Sprecher ist Journalistin in Zürich.
Leserbriefe:
Zu Feng-Shui im Bastelraum - NZZ-Folio Das Dorf (05/07)
Shiatsu ist kein unvorhersehbares Zupfen und Stupfen sondern eine fundierte komplementärtherapeutische Methode. Sie wird selbst von ÄrztInnen und Krankenkassen-SachbearbeiterInnen genutzt. Lächerlichmachen zeugt von Ignoranz, nicht von journalistischer Professionalität. Es ist mehr als fragwürdig, dass die NZZ-Folio-Redaktion sich dazu hergibt, einen derart herablassenden und rufschädigenden Artikel zu publizieren. Friederike Denner Präsidentin Shiatsu Gesellschaft Schweiz
Zu Feng-Shui im Bastelraum - NZZ-Folio Das Dorf (05/07)
Eine kleine Welt steht Kopf! Es hatte sich rasch herumgesprochen, dass Wislig zerpflückt worden ist. "Weisst du eigentlich, wo du wohnst?" fragten mich Freunde. Vorläufig möchte ich nur hier wohnen bleiben und bald werden es vierzig Jahre sein, eine lange Zeit, mehr als das halbe Leben. Und der Zufall spielte eine grosse Rolle, denn für mich war es damals nur wichtig, im Osten der Stadt Zürich zu wohnen, aus beruflichen Gründen. Wislig hatte damals halb so viele Einwohner wie heute mit einer bescheidenen Postautoverbindung bis Kollbrunn im Tösstal. Aber ich war sowieso mobil und zentral gelegen für meinen Kundenstamm. Bei Bodennebel von Hebst bis Frühling lagen wir sehr oft darüber, hatten Sonnenschein auf 680m ü.M. Das war Lebensqualität pur für meine Frau und mich. Unsere drei Kinder erlebten unbeschadet eine glückliche Jugend- und Schulzeit. Wir lernten eine engagierte und kompetente Lehrerschaft kennen, und meine Tätigkeit als Schulpfleger empfand ich als wahre Bereicherung. Das Vereinsleben dient dazu, das Dorf lebendig zu erhalten. Und es waren die Neuzuzüger, die das verschlafene Bauerndorf mit frischen Gedanken aufweckten. Erwähnen möchte ich Gemeindeverein, Tennisclub, FDP Ortspartei, Familien- und Jugendverein, Loipeschliicher, Historischer Verein, Wisliger Forum (die dritte politische Kraft) und eine Guggenmusik etc. Die Infrastruktur mit vier Kindergärten, Lernschwimmbecken, Gemeinde- und Schulbibliothek und das grosse Angebot an kulturellen Veranstaltungen betrachte ich als absolut überdurchschnittlich. 2x monatlich erscheint das gemeindeeigene Mitteilungsblatt in einfacher, aber tadelloser Aufmachung. Wir sind Wislig, wir sind informiert! Leider sind wir aber noch nicht optimal bedient mit dem öffentlichen Verkehr, aber die Behörde bemüht sich für eine bessere Anbindung. Vorläufig bleibt das Privatauto fast ein Muss, aber es ist der intensive Durchgangsverkehr, der die Dorfmitte arg strapaziert. Wislig, ein Dorf im Bezirk Pfäffikon mit vielen Facetten, mit Vereinen der speziellen Art und für alle aktiven Menschen, welche die Natur hautnah geniessen möchten, mit der Sicht zum Säntis im Osten, zum Pilatus im Südwesten und der Stadt Winterthur im Norden. Es ist ein Dorf wie viele andern. Eigentlich schön, dass man darüber schreibt. Jürg Suter, per E-Mail
Zu Feng-Shui im Bastelraum - NZZ-Folio Das Dorf (05/07)
Mit Bedauern und einem gewissen Ärger haben wir den im NZZ Folio erschienenen Artikel gelesen. Hier wird mit Ironie überzogen, was für viele Leute ernsthafte Realität ist. Natürlich soll Ironie erlaubt sein. Sie nimmt sich selber aber dann zu ernst und wird zynisch, wenn die Autorin ihre eigene Ironie nicht reflektierend zu brechen vermag. Für jemand, der kein Leiden hat oder ins Gespräch bringen will, sind (alternativ- oder komplementär)therapeutische Angebote eventuell Spielplatz und Kinderkram. Für Menschen mit konkreten Beschwerden sind sie dies aber nicht. Solche Leute kommen nicht einfach in die alternativ- oder komplementärtherapeutische Behandlung, weil es Spass macht, sondern um die Genesung von einer Krankheit zu unterstützen oder um nach Ein- und Umbrüchen im Leben wieder Tritt zu fassen. Dies tun Hunderttausende von Menschen in der Schweiz jedes Jahr, oft erfolgreich, wenn andere Methoden nicht weiterkommen. Bei diesen Menschen kann dieser Artikel nur ein Kopfschütteln bewirken. Rufschädigend finden wir hingegen, dass die mit Namen genannten Therapeutinnen in dieser herablassenden Weise verunglimpft werden, und das - journalistisch unhaltbar - ohne dass sie vorher die Möglichkeit hatten, den zu veröffentlichenden Text einzusehen. Ein weiteres Zeichen dafür, mit wie wenig grundlegendem Respekt und journalistischer Reife die Autorin diesen Therapeutinnen, die eine jahrelange Ausbildung hinter sich haben und auch in Teilzeit seriöse und hilfreiche Arbeit anbieten, begegnet. Thomas Primas, Präsident Polarity-Verband Schweiz, Rheinfelden
Zu Feng-Shui im Bastelraum - NZZ-Folio Das Dorf (05/07)
Unterhaltungsjournalismus kommt dann an seine Grenzen, wenn er zum reinen Selbstzweck verkommt und dabei die eigentliche Botschaft zum Sachthema ausbleibt. Die Autorin Margrit Sprecher hüpft wie ein Schmetterling im sensiblen Bereich der feinstofflichen Energien unbekümmert von einem Thema zum andern. Offenbar ist es für sie zurzeit Mode "ein wenig" über Energie-Therapien und Feng-Shui zu schreiben. Die Wirkungen der feinstofflichen Energien bei Mensch und Raum gelten als Erfahrungswissenschaften und können nicht auf der Ebene der "esoterischen Wunderheilung" abgehandelt werden. Mit solcher Oberflächlichkeit und Undifferenziertheit wird die Verunsicherung bei der Leserschaft zusätzlich vergrössert. Rico Gorini, Küsnacht
Zu Feng-Shui im Bastelraum - NZZ-Folio Das Dorf (05/07)
Frau Sprecher schreibt zum Thema Qualität im Journalismus: „…der Wille, sein Bestes zu geben – egal, wie gross oder klein das Thema ist…“. Anscheinend fiel dieses Thema in keine solche Kategorie. Hat sie hier wirklich ihr Bestes gegeben? Macht nicht auch Objektivität guten Journalismus aus? Wo ist diese geblieben bei der Berichterstattung über ihre Erfahrungen in Weisslingen? Der gewählte Ton erscheint etwas fehl am Platz. Sollte der Bericht etwa lustig sein? Man meint, das Thema würde absichtlich ins Lächerliche gezogen. Oder schwingt sogar ein gewisser Neid mit? Über „Hausfrauen“, die es sich erlauben können, von zu Hause aus zu arbeiten und das zu tun, was ihre Leidenschaft ist? Ich selbst bin Klientin bei Frau Bauer und bin überrascht, dass man den Unterschied zwischen einer Praxis mit zwei grossen Räumen und einem „ausgebauten Dachzimmer“ nicht erkennt. Man soll es nicht glauben, aber ich bin tatsächlich keine Hausfrau die nach dem Rasenmähen in die Stadt zum Shoppen fährt oder nach einer Massage im Gegenzug ein Glas selbstgemachte Marmelade vorbeibringt. Ich bin eine berufstätige Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht und bei einer Shiatsu-Massage vom anspruchsvollen und hektischen Berufsalltag komplett abschalten kann. Ich wohne seit genau einem Jahr in Weisslingen und wurde, als Ausländerin, sehr gut in die Gemeinschaft aufgenommen. Sicher habe ich mich auch bemüht, aber die Herzlichkeit und Offenheit, die mir in diesem schönen Dorf entgegengebracht wird sucht man andernorts oft vergeblich. Vielleicht waren die Journalisten dieser Reportagen einfach nicht lange genug hier? Pamela Riefling, Weisslingen
Zu Feng-Shui im Bastelraum - NZZ-Folio Das Dorf (05/07)
Der süffisante Artikel von Frau Sprecher ist eine unverantwortliche Rufschädigung wirtschaftlich selbständigerwerbender Therapeutinnen. Diese werden auf fahrlässige Weise mit Namen ins Lächerliche gezogen. Die NZZ-Folio-Redaktion ist zu erinnern, dass Medienethik auch im Unterhaltungsjournalismus gilt. Shiatsu, Polarity und Craniosacral Therapie und andere komplementärtherapeutische Methoden werden dessen ungeachtet millionenfach genutzt. Der Dachverband Xund (www.xund.ch) gewährleistet die Qualität von 34 Verbänden und 6000 Therapeutinnen. Mit Unterstützung des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie wird von den schweizerischen Verbänden ein gemeinsamer Berufsabschluss für Komplementärtherapie entwickelt. Peter Itin, Vorstandsmitglied Dachverband Xund, Basel
Teilen
Für 94 Franken pro Jahr gibt es NZZ Folio auch im Abonnement. Näheres hier.
Urheberrecht gilt auch im Internet: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.
|
|
|