NZZ Folio 11/04 - Thema: Marken   Inhaltsverzeichnis

Spektrum der Wissenschaft -- Persönlichkeit im Goldfischglas

Von Reto U. Schneider

MIT FISCHEN lassen sich keine herkömmlichen Persönlichkeitstests machen. Schon deshalb nicht, weil sie mit den Flossen keinen Stift halten können, um in Fragebogen Richtig oder Falsch anzukreuzen («mir ist das Wasser oft zu kalt», «der weisse Hai ist ein Macho»).

Für Forscher kein Grund, sich nicht mit dem Charakter von Fischen zu beschäftigen: «Die ‹Persönlichkeit› des Guppy (Poecilia reticulata): eine Korrelationsstudie über Erkundungsverhalten und soziale Neigung» (Journal of Comparative Psychology, Vol. 111, S. 399 – 411), «Schüchternheit und Dreistigkeit beim gemeinen Sonnenbarsch: individuelle Unterschiede sind kontextabhängig» (Animal Behaviour, Vol. 56, S. 927–36), «Temperament eines Fisches: eine longitudinale Untersuchung der Entwicklung individueller Unterschiede der Aggressivität und des sozialen Rangs beim Zitronenbarsch» (Ethology, Vol. 86, S. 311–25).

Aquariumbesitzer dürfen endlich aufatmen: «Dynamische Analyse zeigt Individualität der Fortbewegung bei Goldfischen» (Journal of Experimental Biology, Vol. 207, S. 697–708). Wer den Schwimmstil mit Hilfe der «Lempel-Ziv-Komplexität» und anderer übler Mathematik beurteilt, wie die Studie es tat, sieht: Goldfische sind keine schwimmenden Roboter, sondern geschuppte Individualisten, deren Schwimmstile sich zu 99 Prozent unterscheiden.




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