NZZ Folio 08/00 - Thema: Las Vegas   Inhaltsverzeichnis

Heim und Hobby -- Von grünen Daumen und schwarzen Würsten

Von Joni Müller

WER HOBBYS als Zeitvertreib bezeichnet, hat selber keines. Denn höchstens Ignoranten sehen beispielsweise im Sammeln von Bier- oder Kaffeerahm-deckeln, im Nähen von Quilts oder im Schnitzen von Specksteinfiguren ein Mittel gegen die Langeweile. Ein wahres Hobby dient nicht etwa der blossen Unterhaltung, sondern ist Weg und Ziel zugleich und letztlich Zen. Nicht das Endprodukt allein ist dabei wichtig, sondern genauso die innige Beschäftigung mit der Materie, sei sie nun Glas, Wolle oder Ton.

Dies gilt auch und ganz besonders für den Hobbygärtner, der seine Mussestunden dem ebenso gerechten wie erfolglosen Kampf gegen Schnecken, Läuse, Engerlinge, Mehltau und Unkraut widmet. Auf den ersten Blick si-cher eine beglückende und sinnvolle Liebhaberei, auf den zweiten jedoch eher fragwürdig. Ökonomisch macht die freiwillige Anbauschlacht sowieso wenig Sinn, denn obwohl man die Frei- natürlich kaum als Arbeitszeit rechnen will und darf, schlagen die Produktionskosten doch ganz gehörig zu Buche und machen jedes selbstgezogene Radiesli zum Wertgegenstand. Saatgut, Werkzeug, Dünger und chemische Kampfstoffe kosten weit mehr, als ein Schrebergarten je als Return on Investment abzuwerfen vermag.

Aber auch ökologisch ist dieser nicht gewerbsmässige Anbau von Grünzeug ziemlich bedenklich. Heute weiss man, dass entsprechende Parzellen durch langjährige hingebungsvolle Pflege derart mit Gift und Schwermetallen verseucht sind, dass ihr Boden meterdick abgetragen und als Sondermüll entsorgt werden muss, bevor man sie gefahrlos einem anderen Zweck zuführen und beispielsweise als Hundeversäuberungs- oder Parkplatz nutzen kann. Aber man weiss auch, dass der tiefere Sinn und der ideelle Wert der Schrebergärtnerei weit weniger in der Produktion von Biomasse als vielmehr in der Pflege der Schweizer Volkskultur liegt.

Wichtiger als Profihäcksler, Gartenkralle und Treibbeet sind dem Freizeitgärtner drum die Fahne seines Heimatkantons und der Lavasteingasgrill mit elektrischem Drehspiess. Weshalb die Menge in Pflanzgärten gegrillter Würste jene des dort geernteten Gemüses bei weitem übertrifft und etwa der des alljährlich ausgebrachten Giftes entspricht.


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