NZZ Folio 08/98 - Thema: Grossbauten   Inhaltsverzeichnis

Wunderblock -- Ode an die Schokolade, so süss und zart

Von Jacqueline Schärli

SCHOKOLADE IST WUNDERBAR. Schokolade macht glücklich. Profane Laboranten behaupten zwar, sie bewirke nur (nur!) die Ausschüttung körpereigenen Endorphins. Erst dieses erzeuge das Glücksgefühl. Sie mögen recht haben. Aber Schokolade ist pures Glück. Süss, berauschend, zart. Abgerundet, genial, nichts fehlt. Willig lässt sie sich in jede Form pressen (Osterhasen! Pralinen! Weihnachtsbaumschmuck!) Sie schmiegt sich zart aufs Brot und verhilft der Torte zu Verkaufserfolgen. Schokolade ist bescheiden. Ohne Aufhebens veredelt sie Gebäck, Eis, Früchte, selbst mit Minze vereinigt sie sich ohne Murren. Bei Bedarf macht sie sich völlig flach, und hochkalorisch, wie sie ist, eignet sie sich als Vorrat in der Not (was das Militär gemerkt hat und ausnützt, um sich bei Kindern beliebt zu machen). Sogar dem Zeitgeist zollt sie Tribut und verwandelt sich dank Vollrohrzucker und gerecht gewonnenen Kakaobohnen in ein politisch korrektes Alias ihrer selbst. Identitätsstiftend und prestigebringend ist sie das perfekte Exportgut. Und am besten, da wird jeder Gourmet zustimmen, am besten schmeckt Schokolade direkt aus dem Kühlschrank.


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