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Cyberspace -- Medienwärme
Von Franz Zauner
RADIOS SIND HEISS, Telefone kalt. So spürte es Marshall McLuhan, als er 1964 das Thermometer in die Medienwelt einführte. «Heisse Medien und kalte» entdeckte der visionäre Kommunikationsforscher. Er sah uns auch als erster im «globalen Dorf», und dort wohnen wir immer noch. Unsere Telefone aber, die haben sich in vierzig Jahren deutlich erwärmt.
Wie kommt man auf die Temperatur eines Telefons? Ganz einfach: Man schliesst die Augen und denkt sich eines. Dann fragt man mit McLuhan, ob es «einen der Sinne allein erweitert, und zwar, bis etwas ‹detailreich› ist». Bei «Ja» ist es heiss. Den ersten Forschern erschienen nur ortsgebundene Krächzmuscheln vor dem inneren Auge; sie boten dem Ohr eine dürftige Summe von Informationen. «Nein» war die richtige Antwort. Über den Nokias und Ericssons dagegen, die wir im Sinn haben, flimmert die Hitze der freien Rede. Ein polyphones «Ja» scheint angebracht. Umgekehrt tönen die Radios nicht mehr so detailreich wie früher. Manche klingen kühl wie Warteschleifen von Telefonanlagen.
Medien zeigen also Fieberkurven; Computer auch. Am heissen Medium beobachtete McLuhan, dass es nur in geringem Masse persönlicher Beteiligung bedarf. Apple war stets zuvorkommend, wärmer als Windows; das war oft unvollständig, also kalt. Das detailreiche Linux verschlang den User ganz und gar. Es war eiskalt, die Polarzone der Computerei. Heute fühlen sich die Oberflächen aller Betriebssysteme gleich warm an.
Nur Papier ist noch so wie vor vierzig Jahren. Man sieht es am Folio: Es ist detailreich. Es ist vollständig. Es ist, um McLuhan ein vorletztes Mal zu bemühen, heiss. Wenn auch vielleicht eine Spur kühler als der «Blick». Und Papier funktioniert immer noch ohne Strom. Aber wenn es im Fernsehen Teletext gibt, wieso kann man dann in Zeitschriften nicht fernsehen? Bald wird die Technik Texte in faltbaren Displays abkühlen, und winzige Chips auf den Inseraten funken dem Telefon Sonderangebote. Die Medien der Zukunft flackern nebeneinander und durcheinander auf ubiquitären Trägermaterialien. Sie wären dann gleich lau, und deshalb – «The medium is the message!» – ohne heisse Botschaften. Das ist die frostige Aussicht einer herzerwärmenden Theorie.
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