JAPAN IST HEUTE für die Qualität seiner Produkte bekannt. Das war nicht immer so. In den fünfziger Jahren machte der amerikanische Experte Edward Deming japanische Industrielle mit den statistischen Methoden der Qualitätskontrolle bekannt. Ein noch heute übliches Verfahren ist die Analyse von Stichproben: Man entnimmt der Produktion laufend Muster und sucht bei den kritischen Messgrössen nach statistischen Abweichungen.Deming ertappte seine Schüler bald schon beim Schummeln. Für ein bestimmtes Produkt waren Eisenstäbe mit einem Durchmesser von einem Zentimeter nötig. Die Stäbe durften einige tausendstel Zentimeter dicker sein, aber keinesfalls dünner, weil sie sonst später in den Halterungen zu locker fixiert gewesen wären. Der Produktionsprozess war so eingestellt, dass der mittlere Stabdurchmesser ein paar Tausendstel über dem Soll-Mass lag. Deming analysierte eine Stichprobe von 500 Stäben, die von den japanischen Inspektoren bereits vermessen worden waren, und stellte das Ergebnis graphisch dar: Für jeden der verschiedenen Durchmesser ist als Balken aufgetragen, wie häufig er in der Stichprobe vorkam.
Wie zu erwarten war, zeigte sich ein Maximum (bei 1,002 Zentimetern) und ein etwa symmetrischer Abfall auf beiden Seiten. Der routinierte Amerikaner sah aber rasch, dass beim Durchmesser 0,999 Zentimeter eine Lücke klaffte. Die Erklärung lag auf der Hand. Die Inspektoren wussten, dass die Stäbe nicht dünner als ein Zentimeter sein durften. Und sie schoben, mehr oder weniger unbewusst, die mit 0,999 doch fast noch korrekten Muster in die Klasse 1,000. Die 0,998 indessen waren deutlich zu klein und nicht zu «retten». Mit statistischer Analyse lassen sich also nicht nur Fehler in der Produktion, sondern auch Mängel der Qualitätskontrolle entdecken.