MOSHE COHEN, JERUSALEM (IL), ist 50 Jahre alt, verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter (23 und 25 Jahre). In seiner Freizeit treibt er Sport, er verbringt jeden Abend drei Stunden in einem Fitnessclub. Er fährt einen Mercedes, Baujahr 2002, Zählerstand 120 000 km.
Jerusalem, die Heilige Stadt, hat einschliesslich des annektierten Ostteils 660 000 Einwohner.
Moshe Cohen verdient im Monat netto etwa 1900 Franken, seine Frau ist als Fahrlehrerin erwerbstätig. Vom Einkommen leben er, seine Frau und die jüngere Tochter, die studiert. Die Familie lebt in einer abbezahlten Eigentumswohnung.
Moshe Cohen, wie viele Stunden pro Woche fahren Sie Taxi?
Ich fahre täglich von 5 bis 15 Uhr, mit einer Stunde Pause. Also 9 Stunden pro Tag, 6-mal in der Woche.
Wie regeln Sie Ihre Altersvorsorge?
Ich zahle monatlich 160 Franken für private Altersvorsorge und nochmals so viel für meine Lebensversicherung.
Wann haben Sie zum letzten Mal Ferien gemacht und wo?
Vor zwei Wochen waren meine Frau und ich für eine Woche in Istanbul. Und vor zehn Monaten waren wir zum ersten Mal in Amerika. Zehn Tage: New York, Miami, Las Vegas.
Warum wurden Sie Taxifahrer?
Ich war Laborant in einer Chemiefirma am Toten Meer. Aber ich wollte nach Jerusalem. Meine Freunde sagten mir, ich sei zu weich, um Taxifahrer zu werden, doch ich wollte es versuchen.
Wie viele Kilometer legen Sie pro Tag zurück?
Im Durchschnitt etwa 350 Kilometer. Ich habe noch einen Fahrer, der manchmal am Nachmittag und in der Nacht mein Taxi fährt. Er macht etwa 250 Kilometer. Dafür zahlt er mir eine Tagesmiete von 55 Franken.
Welches war Ihre längste Fahrt?
Einmal fuhr ich einen Mann nach einer Operation vom Spital in Jerusalem zu einem Kibbuz in der Nähe von Akko. Das sind etwa 350 Kilometer. Die Fahrt kostete ihn 150 Franken.
Was tun Sie in den Wartezeiten?
Ich warte nicht, sondern fahre immer herum, bis jemand am Strassenrand die Hand ausstreckt.
Wer war Ihr prominentester Gast?
Kürzlich hielt mich ein Mann auf, und als er und seine Begleiterin einstiegen, erkannte ich, dass es Amram Mitzna war, der Chef der Arbeitspartei.
Wie viel war Ihr höchstes Trinkgeld?
Israeli zahlen kein Trinkgeld, aber Ausländer geben meist etwa 10 Prozent des Fahrpreises.
Was blieb in Ihrem Taxi schon liegen?
Einmal fuhr ich einen orthodoxen Juden von der Klagemauer zu einem Hotel in der Stadt. Nachdem er ausgestiegen war, sah ich im Rückspiegel, dass er seinen Gebetsschal liegen gelassen hatte. Ich fuhr zum Hotel zurück und gab den Tallith an der Réception ab.
Reden Sie mit den Fahrgästen?
Ich sage jedem, der einsteigt, erst einmal Shalom. Dabei merke ich, welcher Laune der Fahrgast ist. Je nachdem, wie er reagiert, rede ich weiter oder auch nicht.
Was war Ihre teuerste Busse?
Einmal stritt ich mit einer orthodoxen Frau, die zugestiegen war, über Politik. Dabei bin ich wohl ausfällig geworden. Sie beschwerte sich beim Transportministerium, und ich wurde mit 700 Franken gebüsst.
Welches ist der schönste Ort in Ihrer Stadt? Was kostet die Fahrt dorthin?
Die Haas-Promenade, von der man einen wunderschönen Ausblick auf die Mauern der Altstadt von Jerusalem hat, ist bei Touristen sehr beliebt. Vom Zentrum der Stadt kostet die Fahrt etwa 6 Franken.
Haben Sie Angst vor Überfällen?
Ja, natürlich habe ich Angst, allerdings nicht vor Überfällen, sondern vor Terroristen. Alle Taxifahrer müssen einen Selbstverteidigungskurs machen. Da lernen wir, wie wir innert Sekunden aus dem Auto springen können, wenn man uns bedroht. Ausserdem haben wir einen Notrufknopf. Drücke ich den, weiss der Beamte im Bereitschaftszentrum, dass ich in Gefahr bin und – dank GPS – wo ich bin.
Nehmen Sie jeden Fahrgast mit?
Ich nehme nicht jeden mit. Wenn mir einer verdächtig erscheint, verriegle ich die Türen und öffne bloss das Fenster einen Spalt breit. Dann frage ich ihn, wo er hinwill. Hat er einen palästinensischen Akzent, sage ich manchmal, dass ich dort jetzt nicht hinfahren könne. Palästinenser ohne Aufenthalts bewilligung darf ich gar nicht befördern. Aber israelische Araber nehme ich immer mit. Muss ich ja, auch von Gesetzes wegen.
Was würden Sie tun, wenn Sie viel Geld hätten?
Ich würde es in Grundstücke investieren. Der Markt ist jetzt wegen der schlechten Sicherheitslage sehr gut.
Taxameter (normaler Tagestarif): Grundgebühr CHF 2.60, Kosten pro Kilometer CHF 1.10
Israel
Einwohner: 6 029 529
BIP pro Kopf: CHF 24 000
Benzin: 1 l CHF 1.35
Milch: 1 l CHF 1.20
Coca-Cola: 1 l CHF 1.20
Brot: 1 kg CHF 2.40
Reis: 1 kg CHF 1.95
Kinobillett: CHF 10
Zigaretten: 1 Packung CHF 2.60