. . . Seraphim Fydanidis, Chefredaktor von <Elevtherotypia>, Griechenland.
1. Woher kommt der Widerstand gegen die Osterweiterung in Ihrem Land?
Die Griechen sind sehr offen, besonders im Fall der Anwärterländer, die mehr oder weniger nahe Nachbarn sind. Die Gefahr sehen wir im immer krasseren Demokratiedefizit in Brüssel. Im Vergleich zur fast allmächtigen Kommission hat das Parlament viel zu geringe Befugnisse.
2. Wie sieht die EU im Jahr 2010 aus?
Sie ist ein Staatenbund, dessen kleine Mitglieder hoffentlich gleichberechtigt sind. Die Stimme der Kleinen muss in Brüssel Gewicht bekommen, es darf nicht nur die deutsch-französische Achse regieren. Meine Vision ist ausserdem eine menschlichere EU: Gegen Milosevic ging Brüssel zu Recht vor, aber anderswo drückt es die Augen zu, in Sachen Menschenrechte in der Türkei zum Beispiel.
3. Hat Griechenland an der Aufnahme eines Landes besonderes Interesse?
Natürlich, an Zypern. Die Türkei darf das Unrecht ihrer Okkupation eines Drittels von Zypern nicht dadurch vergrössern, dass sie dies als Hindernis für den EU-Beitritt von Nikosia hochspielt. Europa und die USA haben berechtigte militärische und wirtschaftliche Interessen an den Türken. Diesen Interessen dürfen aber nicht Grundsätze der europäischen Einigung geopfert werden.
4. Griechenland war bisher das einzige ostkirchlich-orthodoxe Mitglied der EU. Was erwarten Sie von Neumitgliedern aus dem byzantinischen Kulturraum, von Rumänien und Bulgarien?
Griechenland glaubt nicht mehr an einen «orthodoxen Block» als Gegengewicht zu den Abendländern in der EU. Wir haben so etwas mit den Serben versucht und dafür bitteres Lehrgeld gezahlt. Wir erwarten also keinen moralischen Beistand aus Bukarest oder Sofia. Wir wollen aber diesen Völkern helfen, möglichst rasch auf EU-Standard zu kommen.
Die Fragen stellte Heinz Gstrein, NZZ-Korrespondent in Athen.