FÜR NICHTS ANDERES geben wir Schweizer mehr Geld aus als für obligatorische und freiwillige Versicherungen aller Art. Wir sind gegen Diebstahl, Hagel und Feuer versichert, gegen Krankheit, Alter, Leben und Tod, gegen Ein- und Beinbruch und etliches mehr. Das alles macht uns zwar nicht wirklich sicher, aber es verleiht dem Unglück wenigstens seine positive Seite: Das abgebrannte Haus bringt Kohlen, der geklaute Koffer macht die Reise erst wirklich lohnend, und der Landmann hofft auf Hagel, damit die Saat auch Früchte trägt.
Die Schweizer sind also ausgesprochen wettfreudig, denn letztlich sind ja Versicherungen nichts anderes als Wetten. Eine Eigenschaft, die wir mit den Engländern gemeinsam haben, die bekanntlich auf alles und jedes und das Gegenteil hohe Summen setzen. Die ersten Versicherer, welche sich im 17. Jahrhundert im Londoner Kaffeehaus von Mr. Lloyd trafen, schlossen Wetten ab, ob ein Schiff heil ankäme oder nicht. Und wir lassen uns mit Fortuna und anderen auf ziemlich makabre Wetten ein, die wir zu verlieren hoffen: Wetten, dass ich tot bin, bevor meine Kinder volljährig sind; wetten, dass mein Haus bis auf die Grundmauern niederbrennt; wetten, dass ich mein Auto zu Schrott fahre. Die Versicherung setzt jeweils auf das erfreuliche Gegenteil und hat zum beiderseitigen Glück fast immer recht.
Versicherungen sind Wetten mit traurigem Gewinn. Man gewinnt sie, wenn das Schicksal zuschlägt, und wenn man sie verliert, kann man von Glück reden. Die Versicherung ist also die ideale Wette für Pessimisten und solche, die es werden wollen, und eine fast ohne Risiko. Sie lindert das Leid und trübt die Freude, sie nivelliert das Gefälle zwischen Glück und Pech auf ein tragbares und fast schon gerechtes Mittelmass. Doch sie wirft komplexe Fragen auf wie diese: Soll sich freuen, wer sein Leben lang gesund war, oder sich krank ärgern über die horrenden Prämien, die er jahrzehntelang umsonst bezahlt hat, oder weder noch oder besser beides?