NZZ Folio 07/98 - Thema: Privacy   Inhaltsverzeichnis

Wunderblock -- Der letzte und endgültige Schweizer Roman

Von Ursula von Arx

MISSA LIBRI ANTE PORTAS: Die Buchmesse steht vor der Tür. Wie also noch schnell den existentiellsten, radikalsten, dicksten Schweizer Roman schreiben? Ganz einfach: Sie brauchen dazu einen Computer, einen typischen Schweizer Romananfangssatz und eine Prise Zyankali.

Und so wird es gemacht: Sie schliessen sich in ein Zimmer ein, starten den Computer auf. In den Computer schreiben Sie den typischen Schweizerromananfangssatz: «Ich bin nicht Klotz.» Dann nehmen Sie das Zyankali und brechen mit der Nase voran über der Tastatur zusammen. Der Buchstabe, auf dem die Nase landet, wird rollen: «. . . nicht Klotzggggggggggggggggggggggggggggggggggggggggggggggggg ggggggggggggggggggg.» Danach, mit der Verwesung der Nase, wird etwa auf Seite 20 000 das Gewicht auf den Backenknochen verlagert werden: «gggggggrrrrrrrrrrrrrrr rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr.» Bei Seite 50 000 werden Sie von jemandem gefunden.

In den «Oberländer Nachrichten» ist zwei Tage später zu lesen: «Noch nie wurde die Monumentalität des Todes in einem Schweizer Roman so existentiell, so radikal und so ultimativ dargestellt.»


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