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Das weisse Gold von Timbuktu
Salzmärkte gehören zu den archaischsten Handelsplätzen überhaupt. Hier wird getauscht und gefeilscht nach uralten Gesetzen - den Gesetzen der Wüste.
Von Kurt Pelda
Am Oberlauf des grossen Flusses ist die Saison der Bootsbauer angebrochen. Immer wenn sich die Regenzeit dem Ende nähert und der Niger wieder schiffbar wird, zieht es die Händler flussabwärts auf den Salzmarkt von Timbuktu. Das bedeutet Hochkonjunktur für die kleine Schiffswerft von Mopti, einem wichtigen Hafen und Umschlagplatz im westafrikanischen Staat Mali. Unter einem grossen Dach nageln Zimmerleute lange Holzplanken zu schlanken, an Bug und Heck spitz zulaufenden Pinassen zusammen.
Die Nägel werden gleich neben den Schiffsrümpfen geschmiedet. Jeweils zwei Schmiede teilen sich einen Holzkohlehaufen, den ein Junge mit einem von Hand betriebenen Gebläse am Glühen hält. Die Technik des Bootsbaus hat sich am Nigerbogen in den letzten paar hundert Jahren nicht wesentlich geändert. Maschinen gibt es nur wenige, Muskelkraft dafür viel. Auf den schnittigen Pinassen wurden einzig die Ruderer durch japanische Aussenbordmotoren ersetzt. So bleibt mehr Platz für Waren, die man in Timbuktu gegen Salz tauschen kann.
Salz ist für Mensch und Tier lebensnotwendig - und in der Sahelzone ist der Salzbedarf wegen der hohen Temperaturen besonders gross. Millionen von Menschen und Haustieren sind hier auf den Mineralstoff angewiesen, der in entlegenen Minen mitten in der Sahara gefördert wird. Der Abbau von Steinsalz und der Handel damit sind uralt. Schon vor mehr als tausend Jahren wurde in Teghazza, rund 800 Kilometer nördlich von Timbuktu, Salz geschürft. Von dort gelangte es auf Dromedarrücken in die Bevölkerungszentren am nördlichen und südlichen Rand der Wüste. Der wertvolle Mineralstoff wurde in Timbuktu und anderswo gegen Gold getauscht. Im sagenhaften Goldland Ghana, das im Grenzgebiet zwischen dem heutigen Mauretanien und Mali lag, erhob der König im 11. Jahrhundert einen Zoll von einem Golddinar auf jede eingeführte Eselslast Salz.
Auch das islamische Songhai-Reich, das seine Blütezeit im 15. und 16. Jahrhundert erlebte, verdankte seinen Wohlstand dem Salzhandel. Mit Timbuktu und Gao besass es zwei wichtige Karawanenstädte am Nigerbogen, die als Umschlagplätze für Salz und andere Waren dienten. Natürlich drang die Kunde vom angeblich unermesslichen Reichtum Timbuktus auch nach Norden - und weckte dort Begehrlichkeiten. Der marokkanische Sultan schickte im 16. Jahrhundert eine Armee in die Wüste, um dem Songhai-Reich die Salzmine von Teghazza zu entreissen. Die Songhai begannen daraufhin, die ohnehin viel reichhaltigere Mine von Taoudenni auszubeuten, die sich 660 Kilometer nördlich von Timbuktu befindet.
Unter der Herrschaft der Songhai stieg Timbuktu zum südlichsten Handels- und Kulturzentrum des islamischen Westafrika auf. Seine Universität genoss in der islamischen Welt einen ausgezeichneten Ruf. Von den 80 000 Einwohnern sollen 15 000 Gelehrte und Studenten gewesen sein. Aber mit dem Einmarsch der Marokkaner begann Timbuktus Niedergang. Weil die Invasoren sämtliche Gelehrten nach Marokko deportierten, verwaiste das Kulturzentrum. Was blieb, war der Salzhandel, dessen Strukturen heute noch weitgehend dieselben sind: Der Salzmarkt von Timbuktu ist einer der archaischsten Handelsplätze überhaupt.
Längst ist der Glanz des sagenumwobenen Timbuktu verblichen. Schon René Caillié und Heinrich Barth, die im 19. Jahrhundert als erste Europäer lebend von einer Reise nach Timbuktu heimkehrten, fanden dort keine Paläste mehr vor, sondern bloss eine Ansammlung von Lehmhäusern. Heute bringt es die Stadt nur noch auf einen Bruchteil der Einwohnerzahl, die sie während ihrer Blüte hatte. Die einzige Verbindung mit dem Rest des Landes stellt der Niger dar, wenn man von den holprigen Sandpisten einmal absieht, die nur mit Geländewagen zu befahren sind. Der ehemalige Hafen im Westen Timbuktus ist während der grossen Dürre zu Beginn der siebziger Jahre ausgetrocknet. Geblieben ist nur eine leicht zu übersehende Vertiefung, gefüllt mit Sand und Abfällen und umgeben von Nomadenzelten und Lehmhäusern. Der Niger fliesst nun etwa zehn Kilometer weiter südlich an der Stadt vorbei.
Vielleicht sind es die allgegenwärtigen Zeichen des Niedergangs, die manche Besucher am Fortbestand des uralten Salzhandels zweifeln lassen. Auf dem kleinen Markt werden jedenfalls nur einige wenige Salzplatten feilgeboten. Davon sollte man sich jedoch nicht täuschen lassen, denn sie sind nur für den lokalen Verbrauch bestimmt. Wer Salzhändler treffen will, muss die Häuser der maurischen Händler aufsuchen, deren Familien den Fernhandel seit Menschengedenken kontrollieren. Sie stammen fast alle aus derselben Ortschaft, einer kleinen Wüstensiedlung an der Karawanenstrasse, die von Timbuktu zur Salzmine von Taoudenni führt.
Baba Salou mit dem traurigen Blick ist einer von ihnen. Das Geschäft hat er von seinem kürzlich verstorbenen Vater geerbt. Seit auch sein Bruder gestorben ist, muss er sich allein um die Geschäfte kümmern. Seine Familie sei seit Hunderten von Jahren im Salzhandel, sagt er stolz. Darüber hinaus handle er aber auch mit Erdnüssen und mit Hirse, dem Grundnahrungsmittel der Sahelzone. Zwei Ereignisse haben dem Salzhandel laut Baba Salou stark zugesetzt, nämlich die Dürre und der Aufstand der kriegerischen Tuareg.
Die beiden grossen Trockenperioden in den siebziger und achtziger Jahren vernichteten einen grossen Teil der Dromedarbestände. Die Karawanen, mit denen die Tuareg das Salz von Taoudenni nach Timbuktu brachten, blieben aus. Dann kam der grosse Aufstand der Tuareg, der den Nordosten Malis zu Beginn der neunziger Jahre unsicher machte. Die Tuareg, nomadisierende Nachkommen der Berber, fühlten sich während der Dürreperioden von der Regierung vernachlässigt. Zudem trieb die Trockenheit sie immer weiter nach Süden an den Rand der Sahara, wo sie mit den sesshaften Songhai in Konflikt gerieten. Während des mehrere Jahre dauernden Kriegs hatte es die Armee auf die Dromedare der Tuareg abgesehen, um den Rebellen die Lebensgrundlage zu entziehen. Ausserdem vergifteten die Soldaten eine grosse Zahl von Brunnen in der Wüste. «Doch seit dem Friedensschluss von 1996 haben sich die Dromedarherden und hat sich auch der Salzhandel wieder erholt», meint Baba Salou.
Einen grossen Teil des Salzes verfüttern Tuareg und nomadisierende Mauren ihren Tieren. Dromedare brauchen einmal im Monat eine grosse Portion, Ziegen, Schafe und Esel jede zweite Woche. Weil weite Teile der Sahelzone für den Ackerbau zu trocken sind, bleibt den Nomaden nur die Viehzucht zum Überleben. Es gebe hier wesentlich mehr Tiere als Menschen, die auf Salz angewiesen seien, sagt Baba Salou. Er selbst lässt das Salz auch ins südliche Nachbarland Burkina Faso transportieren, wo besonders viel Vieh lebt. In Burkina Faso tauschen die Händler aus Timbuktu das Salz häufig gegen Hirse. Ein Salzbarren mit einem Gewicht von 35 Kilogramm bringt 100 Kilogramm Hirse ein. Dafür erhält man in Timbuktu wiederum zwei bis drei Salzbarren. Von Burkina Faso gelangt das Salz dann noch weiter nach Süden, bis nach Ghana und Côte d’Ivoire am Golf von Guinea. Der Tausch von Salz gegen Hirse ist für die Tuareg lebenswichtig: Als Nomaden züchten sie zwar Vieh, doch fehlt ihnen Getreide für eine ausgeglichene Ernährung.
Nicht alle maurischen Händler beschäftigen sich nur mit dem Kauf und Verkauf von Salz. Muhammad hat sich zum Beispiel einen gebrauchten deutschen Lastwagen gekauft. Damit fährt er im Sommer nach Taoudenni, wo zwei Bergarbeiter Salz für ihn fördern. Wie alle Märkte funktioniert der Salzmarkt von Timbuktu nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. In der heissen Jahreszeit von Mai bis August ist die zwei- bis dreiwöchige Reise nach Taoudenni für die «Azalai» genannten Salzkarawanen zu strapaziös. Zudem halten sich dann wegen der mörderischen Hitze nur eine Handvoll abgehärteter Bergarbeiter in der Mine auf.
In dieser Zeit des knappen Angebots steigen die Preise, denn die Nachfrage kennt keine saisonalen Schwankungen. Die Händler schlagen aus dieser Situation Gewinn, indem sie entweder Salzbarren in ihren Häusern einlagern oder wie Muhammad in den heissen Monaten mit dem Lastwagen nach Taoudenni fahren. Auch das sei aber nicht einfach, sagt Muhammad. «Wir können nur in den Morgenstunden und am Abend fahren, sonst wird der Motor zu heiss.» Auf der drei- bis viertägigen Fahrt nach Norden transportiert Muhammad Reis, Zucker, Tee, Batterien und Zigaretten, denn in Taoudenni gibt es ausser Sand und Salz nichts, keine Nahrung, keine Vegetation, keinen Schatten. Das einzige Wasserloch ist mehrere Kilometer von der Mine entfernt, und das Wasser ist so salzig, dass es Durchfall verursacht.
Seine Waren tauscht Muhammad bei den Bergarbeitern gegen Salzbarren: drei Kilo Reis oder Zucker gegen einen Barren. Die Salzplatten haben eine rechteckige Form, sind gewöhnlich etwas länger als einen Meter, ungefähr vierzig Zentimeter breit und bis zu zwei Fingerbreit dick. Auf dem Rückweg nimmt Muhammad dreihundert Salzplatten nach Timbuktu mit. Nach wie vor werde jedoch der grössere Teil des Salzes auf Dromedarrücken transportiert, und zwar während der kühleren Jahreszeit, sagt Muhammad. Von September bis April sind nördlich von Timbuktu die bis zu mehrere hundert Tiere starken Salzkarawanen unterwegs. Für einen Weg benötigen sie zwei bis drei Wochen. Auf der Rückreise werden je zwei Barren mit Seilen an jeder Flanke der Dromedare befestigt. Das vom Salz angegriffene Fell pflegen die Tuareg mit ausgekochtem Knochenmark.
In Timbuktu lagern die Händler die Salzbarren in ihren weitläufigen Häusern ein. Dort werden auch die Geschäfte mit den Bootsbesitzern abgeschlossen, die aus Mopti anreisen. Für Aussenstehende wirkt der Salzmarkt zwar wenig transparent, doch unter Eingeweihten verbreitet sich der aktuelle Preis in Windeseile. Zu Beginn der Karawanensaison, wenn das Angebot noch begrenzt ist, erzielt ein Barren bester Qualität sechzehn Franken. Danach sinkt der Preis bis auf neun Franken. Zum Vergleich: In Burkina Faso bezahlt man für eine Platte weit über dreissig Franken, und in Mopti, drei bis vier Tagesreisen mit dem Schiff flussaufwärts, sind es immer noch zweiundzwanzig Franken. Damit ist das Steinsalz viel günstiger als importiertes Meersalz. Mit Jod versetztes, ausländisches Salz verabscheuen die Einheimischen jedoch ohnehin. Das Salz aus Taoudenni gilt weit und breit als das schmackhafteste.
Hanai ist ein älterer Herr mit graumeliertem Bärtchen und schon seit fünfundzwanzig Jahren im Geschäft. Im Unterschied zu anderen Händlern baut er in Taoudenni auch Salz ab. Wie Muhammad und Baba Salou kann er sich nicht erinnern, dass seine Familie ihren Lebensunterhalt jemals auf andere Weise bestritten hätte. Hanai sitzt im Vorzimmer seines Hauses, wo er für seine Gäste Bastmatten und Decken auf den Sandboden ausgelegt hat. In kleinen Gläschen serviert er stark gesüssten grünen Tee, der so kraftvoll ist, dass es einem den Gaumen zusammenzieht.
«All das», sagt Hanai und deutet mit einer weit ausholenden Armbewegung auf sein Haus, «all das verdanken wir dem Salz.» Jeweils gegen Ende der Regenzeit reist er im Lastwagen zusammen mit vier Bergarbeitern nach Taoudenni, um nach Salz zu graben. Seine fünfzehn Dromedare kommen später nach. «Die Tiere können nicht allzu lange in Taoudenni bleiben, weil es dort keine Vegetation gibt», erklärt er. Einen Teil des abgebauten Salzes bringt Hanai auf eigene Rechnung mit seinen Dromedaren nach Timbuktu. Den Rest verkauft er noch in Taoudenni an andere Karawanen.
Taoudenni. Wenn Malier diesen Namen hören, ziehen sie die Augenbrauen hoch und fangen an zu flüstern: Taoudenni? Malis früherer Diktator Moussa Traoré verbannte seine politischen Gegner in diesen Wüstenort und liess sie in der Salzmine qualvoll zugrunde gehen. «Taoudenni ist nicht das Ende der Welt, sondern der Beginn der Hölle», sagt Mahmoud, der uns in einem alten Geländewagen von Timbuktu nach Norden fährt. Nach nicht einmal zweihundert Kilometern verschwinden die letzten knorrigen und stachligen Bäume hinter den Sanddünen. Feuerholz muss von nun an auf dem Dach mitgeführt werden.
Wir fahren von Brunnen zu Brunnen, doch je mehr wir uns Taoudenni nähern, desto weniger Wasserlöcher gibt es. Den Weg weisen inzwischen nicht mehr irgendwelche Landmarken, sondern die Spuren der Karawanen. In der Mittagshitze müssen wir anhalten, der Motor läuft heiss. Es gibt keinen Schatten weit und breit, einzig ein aufgespanntes Tuch bringt etwas Linderung. Der starke Wind verbrennt die Haut, als ob die Luft aus einem Haartrockner käme. Der Sand scheint sich in jeder Pore festzusetzen. Das Thermometer nähert sich der Marke von fünfzig Grad. Schweiss durchnässt die Kleider, selbst wenn man regungslos im Schatten sitzt. Draussen in der Sonne, ohne Wasser, wäre der Tod nur eine Frage von Stunden.
Taoudenni liegt in einer steinigen Ebene, umgeben von Felsen und Dünen, in einer der heissesten und unwirtlichsten Gegenden der Welt. Das Dorf, das dem Ort seinen Namen gab, besteht nur noch aus Ruinen. Auch das berüchtigte frühere Gefängnis beginnt im Sand zu versinken. Die Mine ist einige Kilometer vom Dorf entfernt. Sie ist von weitem zu erkennen, an den hohen Geröllhaufen, die sich über mehrere Quadratkilometer erstrecken. Die Salzschichten liegen drei Meter unter dem Boden. Sie rühren von Mineralablagerungen her, die der Niger hinterliess, als er noch nicht ins Meer, sondern hier in ein riesiges Binnendelta mündete.
Die Technik des Bergbaus hat sich in Taoudenni während der letzten fünfhundert Jahre kaum geändert. Die Arbeiter heben rechteckige Gruben aus, indem sie mit Pickeln Gesteinsbrocken aus dem Boden brechen. Diese schichten sie rund um die entstehende Vertiefung auf oder verwenden sie zum Bau ihrer Hütten. Nachdem eine Tonschicht durchstossen ist, kommt das erste Salz zum Vorschein, das jedoch unbrauchbar ist: Es lässt sich nur in unförmigen Brocken herausbrechen, die den Flanken der Dromedare Verletzungen zufügen würden. Weiter unten folgen die Schichten dritter, zweiter und erster Qualität.
Die Arbeitsbedingungen sind unvorstellbar hart. Salemana Ag Bily und seine vier Mitarbeiter sind von Kopf bis Fuss mit einer Salzschicht bedeckt. Sie arbeiten barfuss auf dem Grund einer Grube, ihre Kleider sind vom aggressiven Salz völlig durchlöchert. «Weh tut das Salz nur, wenn man sich verletzt», beruhigt Salemana, dessen Vorfahren noch als Sklaven für die Tuareg schuften mussten. Am Morgen hauen er und seine Männer die Salzplatten mit Pickeln aus dem Gestein. Nach der grossen Mittagshitze werden die Barren mit Hacken gesäubert und in die richtige Form gebracht. Je weisser das Salz, desto besser die Qualität. Stärker verunreinigte Barren werden dem Vieh verfüttert. Um dem Salzflöz zu folgen, ohne immer neue Löcher graben zu müssen, treiben die Arbeiter an vier Seiten ihrer Grube zehn bis fünfzehn Meter lange Stollen ins Gestein.
Taoudenni ist übersät mit solchen Gruben, die ältesten sind bereits wieder mit Wüstensand gefüllt. Der Bergbau ist in privater Hand, es gibt keinen Staat, keinen Sanitätsposten, keine Statistiken. Die Jahresproduktion der Mine dürfte bei zehn- bis fünfzehntausend Tonnen liegen. In der kühleren Jahreszeit schuften hier etwa vierhundert Männer. Die meisten von ihnen haben einen mündlichen Abnahmevertrag mit einem Händler in Timbuktu. Manchmal ist die Rede von Abhängigkeitsverhältnissen, von Schulden, in die sich die Bergarbeiter stürzen und die sie mit Salz begleichen müssen.
Salemana und seine Leute beklagen sich jedoch nicht, im Gegenteil. Ihnen geht es heute viel besser als früher. Zwar verbringen sie pro Jahr nur einen bis zwei Monate bei ihren Familien, doch wird die Arbeit in Taoudenni gut bezahlt. Mit seinem Chef hat Salemana einen Preis von mehr als vier Franken fünfzig pro Barren ausgemacht, und zwar unabhängig von der Qualität des Salzes. Zusätzlich verpflichtet sich der Patron, pro Barren Nahrungsmittel im Wert von einem Franken zu liefern. Ein guter Bergarbeiter kommt somit auf einen Tagesverdienst von mehr als fünfundzwanzig Franken. Das ist viel in einem Land, in dem die Leute im Durchschnitt mit etwa einem Franken pro Tag auskommen müssen.
Jede zweite Woche kommt der Patron mit seinem Lastwagen nach Taoudenni, bringt Nahrungsmittel und holt dreihundert Salzplatten ab. Was Salemanas Leute darüber hinaus aus dem Gestein brechen, dürfen sie auf eigene Rechnung verkaufen. Sie können das Salz zum Beispiel von einer Karawane nach Timbuktu bringen und es dort verkaufen lassen. Von jeweils vier Platten, die sie dem Karawanenführer anvertrauen, erhalten sie in Timbuktu den Gegenwert eines Barrens ausgeliefert - so wollen es die uralten Gesetze der Wüste.
Kurt Pelda ist NZZ-Korrespondent für Afrika. Er lebt in Nairobi.
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