NZZ Folio 02/00 - Thema: Im Netz   Inhaltsverzeichnis

Abenteuer Freizeit -- Nur ein toter Dummie ist ein guter Dummie

Von Peter Haffner

ES GIBT LEUTE, die halten Paintball für die Art Vorspiel, die man treibt, bevor es zur Sache geht. Und die Sache, um die es geht, für Krieg. Und weil sie dem Krieg gegenüber eine feindliche Haltung einnehmen, lehnen sie Paintball ab.

Das ist schade, ist doch Paintball nichts anderes als die amerikanische Version unseres guten alten Völkerballs, das wir auf dem Pausenplatz gespielt und bei dem wir gelernt haben, dass nur ein getroffener Gegner ein guter Gegner ist. Auch Paintball wird mit Bällen gespielt - kleinen, mit Lebensmittelfarbstoff gefüllten Gelatinekugeln, die aus sogenannten Markierern abgefeuert werden. Wer getroffen wird, sieht übel aus und scheidet aus dem Spiel.

Paintball ist ein Mannschaftssport, bei dem taktische Geschicklichkeit und Schnelligkeit gefragt sind. Ausgetragen wird der Wettkampf auf einem abgesteckten Feld, meist einem Sup' Air Field mit aufblasbaren Barrikaden, in deren Schutz man sich zur gegnerischen Flagbase vorpirscht, um sich der feindlichen Fahne zu bemächtigen - «Capture the Flag», heisst das. Dass dabei alles mit rechten Dingen zugeht und niemand aus den beiden Mannschaften betrügt, dafür sorgen ein halbes Dutzend Marshals. Wer auf sie schiesst, kennt die Regeln nicht.

Das einzige, worin sich Paintball vom Völkerball unterscheidet, ist das bisschen Ausrüstung, das man benötigt. Unabdingbar ist, neben speziell strapazierfähigen Paintballklamotten wie Jerseys und Hosen, eine Schutzmaske mit bruchsicherem Thermoglas, das 260 Grad Panoramasicht erlauben sollte, damit man den Gegner auch aus den Augenwinkeln wahrnimmt, bevor er einen kaltmachen kann. Und unabdingbar ist natürlich auch eine Schusswaffe, die diesen Namen verdient. Als State of the art gilt in der Branche die brandneue Angel LCD von WDP: Gametimer mit Vibrationsalarm, einstellbare maximale Feuerrate, Schussmodusprogrammierung und ein 14-Zoll-Standardlauf à la Jacko sind nur einige der Features, die dieses Prachtsstück von einem Schiessprügel auszeichnen.

Ein paar Tausender muss allerdings hinlegen, wer mit so einem Ding Leute über den Haufen schiessen und in die «Dead Man's Zone» schicken will. Aber war es nicht immer schon etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben?


Teilen

Für 94 Franken pro Jahr gibt es NZZ Folio auch im Abonnement. Näheres hier.

Urheberrecht gilt auch im Internet: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.