Bremsen quitschen, ein dumpfer Aufprall, Stille. Frontalzusammenstoss. Es geschieht im Bruchteil einer Sekunde. Im Augenblick des Zusammenstosses wirken Kräfte, die kurzzeitig über hundertmal so gross wie die Gewichte der aufeinanderprallenden Körper werden können. Versuchen Sie, sich vorzustellen, als Fahrer oder Fahrgast eines Autos von einer Kraft zwischen fünf und zehn Tonnen gegen die Windschutzscheibe geschleudert zu werden. Gegen so grosse Kräfte können auch die besten Gummireifen kein Fahrzeug auf der Fahrbahn festhalten. Im Stoss zählen daher nur die Kräfte zwischen den Fahrzeugen, die, ineinander verkeilt, über die Strasse rutschen.
Boxer teilt man in Gewichtsklassen ein. Auf öffentlichen Strassen darf jeder gegen jeden antreten (diesen Sport nennt man Gegenverkehr). Zwischen ungleichen Stosspartnern, zum Beispiel einem Lastwagen und einem Personenwagen, fünf Tonnen gegen eine einzige, herrscht keine Chancengleichheit. Die sprunghaften Geschwindigkeitsänderungen der Fahrzeuge im Augenblick des Zusammenstosses stehen im umgekehrten Verhältnis ihrer Massen. Die Insassen des leichteren Fahrzeuges müssen ein Vielfaches der Geschwindigkeitsänderung des schweren Fahrzeugs überstehen. Es gibt keine technische Möglichkeit, diese Ungleichheit zu beseitigen.
Gefahr geht nicht von den Geschwindigkeiten aus, wie die Gegner der Eisenbahn im 19. Jahrhundert mutmassten. Das Ausmass der Zerstörungen und Verletzungen bei einem Unfall wird von den Kräften bestimmt, die nach Newtons Gesetz den Beschleunigungen proportional sind. Ein Durchschnittsmassstab dafür ist die Geschwindigkeitsänderung im Stoss geteilt durch die Zeitdauer des Stosses. Um die Wirkung des Stosses zu mildern, kann man nur die Stosszeit beeinflussen. Dazu dienen Knautschzonen, die nicht nur möglichst viel mechanische Energie aufzehren, sondern die Stossdauer möglichst weit verlängern sollen.