Chronologie
1952 «OXO» (Tic Tac Toe) ist das erste Computerspiel überhaupt, entwickelt an der Universität von Cambridge.
1958 «Tennis for Two»: das erste Spiel für zwei Spieler.
1966 «Chase» ist das erste Videospiel für den Fernseher.
1972 Atari wird gegründet und veröffentlicht «Pong» (Tischtennis) für die Spielhallen; die erste Heimkonsole (Magnavox Odyssey) kommt auf den Markt.
1975 «Pong» erscheint in einer Heimkonsolenversion und verschafft den Videospielen einen kometenhaften Erfolg.
1976 «Death Race», bei dem Gegner überfahren werden, initiiert die Diskussionen über Gewalt in Videospielen; «Dungeon» ist das erste Rollenspiel (auf Grosscomputer).
1977 Atari lanciert das Video Computer System (VCS), eine Konsole bekannt als Atari 2600.
1978 «Space Invaders» läutet das goldene Zeitalter der Spielhallenspiele ein.
1980 «Battlezone»: die erste dreidimensionale Welt; «Pac Man» wird zu einem Massenphänomen.
1982 Commodore 64 wird lanciert. Dieser Computer wird vor allem zum Spielen benutzt.
1984 Der PC wird spieletauglich; mit «King’s Quest» wird das moderne Adventure geboren.
1985 Nintendo lanciert für seine Konsole NES «Super Mario Bros.» und später «Donkey Kong».
1989 Nintendos portabler Gameboy kommt auf den Markt; «Sim City», Vater der endlosen Aufbauspiele, wird lanciert.
1991 Das Strategiespiel «Civilization» erobert den PC.
1993 Dreidimensionale Spiele kommen auf («Doom»); das hochauflösende Adventure «Myst» bricht Verkaufsrekorde und erscheint als eines der ersten Spiele auf CD-ROM.
1994 Sony stellt die Playstation vor; mit «Command & Conquer» bricht das Echtzeitstrategiespiel-Fieber aus.
1996 «Quake» setzt als Ego-Shooter neue Standards (internetfähig), Nintendo 64 löst das NES ab; das Action-Rollenspiel «Diablo» setzt in Sachen Grafik neue Massstäbe.
1998 Die Dreamcast-Konsole ist Segas letzter Versuch, im Heimbereich Fuss zu fassen; «Counter-Strike» erscheint.
2000 Sony lanciert die Playstation 2; die Familiensimulation «Sims» wird eines der meistverkauften Spiele.
2001 Microsoft dringt mit der Xbox und dem Spiel «Halo» in den Konsolenmarkt ein; Nintendo kontert mit dem Gamecube und dem Gameboy Advance.
2004 Sony bringt die Playstation Portable als Gameboy-Konkurrent heraus; Nintendo hält mit dem Nintendo DS dagegen; 1,5 Millionen Abonnenten spielen übers Internet das Rollenspiel «World of Warcraft».
Womit gespielt wird
Der PC als Allzweckgerät eignet sich bei passender Ausstattung auch vortrefflich zum Spielen. Dank guter Grafik und vielfältigen Anschlussmöglichkeiten ist er für knapp 20 Prozent der Spieler sogar die erste Wahl. Verbreiteter sind allerdings die Videokonsolen (Xbox, Gamecube, Playstation), die als reine Unterhaltungsgeräte (Spiele, Filme, Musik) dienen. Sie sind kleiner und günstiger als ein Computer, müssen aber an einen Fernseher oder Videoprojektor angeschlossen werden. Flexibler sind die mobilen Kleinkonsolen (Gameboy Advance, Nintendo DS, Playstation Portable), die einen eigenen, wenn auch kleinen Monitor integriert haben; bei der Rechnerleistung hinken sie aber den Videokonsolen hinterher. Auch Mobiltelefone und PDA drängen zurzeit auf den Spielemarkt. Trotz anderslautenden Werbeaussagen sind ihre Spiele hochgerechnet meist sehr teuer und nicht herausragend. Wichtigstes Kriterium beim Kauf von Spielesoftware oder Hardware bleibt das Format: Nicht jedes Spiel läuft auf jedem Gerät oder wurde für mehrere Plattformen entwickelt.
Action/Ego-Shooter
Im klassischen Ego-Shooter kämpft der Spieler meist allein gegen Monsterhorden («Doom 3») oder Scharen von Gegnern («Halo 2») - mit blossen Händen, einer futuristischen Laserwaffe oder ganzen Sprengsätzen. Der Kunst des Tötens dient ein oft rasant wachsendes Waffenarsenal. Etwas weniger explosiv geht es bei den Auftragskillern in «Grand Theft Auto» zu. Die Freiheit, wie, wann und wo man einen Auftrag erledigt, gehört zum betont coolen Spiel. In den realistischen Team- oder Taktik-Shootern («Counter-Strike») hingegen führt nur das Zusammenspiel der Gruppe als Ganzes zum Sieg. Weniger brutal sind Schleich-Shooter wie «Splinter Cell», die vom Spieler auch den Einsatz seines Köpfchens verlangen; das Töten gilt nur als Notlösung. Auch die oft exotisch angehauchten Action-Adventures, etwa die mit dem peitschenschwingenden Archäologen Indiana Jones oder der leichtbekleideten Powerfrau Lara Croft («Tomb Raider»), sind weniger blutrünstig.
Strategie
Bei Strategiespielen baut der Spieler Städte auf («Sim City»), erobert Länder («Siedler»), gründet Nationen («Civilization») oder Familien («Die Sims»). Er beeinflusst den Spielverlauf, indem er ständig entscheidet, wie er seine beschränkten Ressourcen einsetzt. Braucht die Stadt mehr Spitäler oder mehr Hotels? Soll eine Spielfigur Schmied werden oder Maurer? Welche Waffen müssen in einer Schlacht eingesetzt werden? Abhängig von seiner Wahl simuliert der Computer dann den Lauf der Dinge. Wenn der Spieler dabei unter Zeitdruck gesetzt wird, spricht man von Echtzeitstrategiespielen. Mit ihrer komplizierten Bedienung waren Strategiespiele früher etwas für Spezialisten. Erst das militärische «Command & Conquer» verhalf dem Genre zu unerwarteter Popularität. Moderne Strategiespiele brauchen zwar immer noch viel Zeit, sind aber einstiegsfreundlicher als ihre Vorgänger. Mit der Familiensimulation «Die Sims» und anderen Sozialsimulationen gehören in diese Kategorie auch Spiele, die bei Frauen beliebt sind.
Adventure/Rollenspiele
Adventures können wandelnde Comics sein («The Westerner») oder realistische Szenarien («Runaway»), das Schema bleibt gleich: Per Mauszeiger muss der Spieler die Welten minutiös erforschen und alles mitnehmen, was nicht niet- und nagelfest ist. Dank den Auskünften der Personen, die er auf seinem Weg antrifft, und den gesammelten Gegenständen erhält er immer neue Hinweise, die die Geschichte vorantreiben, in der er zum Beispiel die Rolle eines Möchtegern-Piraten spielt («Monkey Island»). Unterhaltende Plots und witzige Ereignisse zeichnen die guten Adventures aus. Im Gegensatz zum Adventure werden im Rollenspiel die Fähigkeiten der Protagonisten - meist Kraft und Intelligenz - kontinuierlich ausgebaut. Die Geschichte rückt in den Hintergrund, das Lösen von Aufgaben und das Sammeln von Gegenständen hat höchste Priorität. Die Kooperation mit andern Spielern gehört dazu und kann wie beim actionlastigen «Diablo II» oder beim reinen Online-Spiel «World of Warcraft» süchtig machen.
Sport
«Weiter, höher, schneller» heisst das Motto auch bei den virtuellen Pendants von Fussball, Eishockey und Co. Egal auf welcher Hardware die Sportspiele laufen, zum Steuern eignet sich der klassische Gamepad meistens am besten. Bei reinen Simulationen hingegen empfehlen sich Eingabegeräte wie Joystick («Microsoft Flugsimulator») oder Steuerrad («Gran Turismo 4»). Ob Shorthander («NHL»), Dribbling («Fifa») oder gefährliche Überholmanöver: die Kunststücke werden damit präzise gesteuert und erhöhen den verblüffenden Realismus enorm. Musste man sich in den Anfängen der Sportspiele mit Strichmännchen und piepsenden Tönen begnügen, sind die Stars heute auf den ersten Blick wiederzuerkennen, ihr vielfältiges Bewegungsrepertoire ist fliessend animiert, und aus dem Surroundsystem dröhnen die originalen Sprechchöre der Fanclubs. Moderne Spiele überlassen dem Spieler selbst so komplexe Entscheidungen wie die über Angriffstaktik, Transfers oder Reifendruck.
Klassiker
Jeder kennt sie, fast jeder hat sie schon einmal gespielt. Ob in der Spielhalle oder zu Hause am Computer, unterwegs auf dem uralten Handy oder im Spital auf der portablen Hightech-Konsole - die Klassiker haben noch jede Hardware erobert. Technisch gesehen eigentlich schon längstens ad acta gelegt, trumpfen sie noch immer mit ihrer genialen Einfachheit. Spiele wie «Pac Man», ein punktefressender Smiley, der von Gespenstern verfolgt wird, oder «Tetris», herunterfallende Klötzchen, die korrekt angeordnet werden müssen, bringen mit steigendem Schwierigkeitsgrad die Gehirnwindungen jeder Generation von neuem zum Rauchen. In die gleiche Sparte gehören «Donkey Kong», ein fässerwerfender Affe, oder «Space Invaders», ein simples Weltraum-Ballerspiel in Schwarzweiss, obwohl diese eher von Jüngeren bevorzugt werden. Eines haben die Evergreens alle gemein: Wenn heutige Bestseller längst verschwunden sein werden, werden sich die Klassiker noch immer herumtummeln - bescheiden, aber unsterblich.
Michel Pescatore ist freier Journalist; er lebt in Winterthur.