NZZ Folio 09/01 - Thema: Europa   Inhaltsverzeichnis

Raucherfreuden -- Schlangen und Krumme Hunde

Von Thomas Brunnschweiler

DICKE BRAUNE machen bonzig, Culebras dagegen interessant. «Culebras» ist der Handelsname für ein seltsames Produkt: drei ineinander verschlungene Cigarren, die aussehen wie ein Zöpfchen aus Tabak. Das spanische Wort «culebra» bedeutet Schlange oder Windung. Die Machart kam gegen Mitte des 19. Jahrhunderts auf, als man den Cigarrenrollern ihre Tagesration in solchen eigens für sie gefertigten Dreierbündchen überreichte, um kontrollieren zu können, dass sie sich nicht aus der normalen Produktion bedienten. Zudem waren diese gewundenen Puros kaum weiterzuverkaufen. Das hat sich längst geändert, denn heute erfreut sich diese Form, die zu den Figurados gezählt wird, immer grösserer Beliebtheit.

Nur ein Anfänger kommt natürlich auf die Idee, das ganze Zöpfchen in den Mund zu stecken und so ein teuflisch trinitarisches Rauchopfer zu zelebrieren. Auch bei der Bezeichnung dieser Cigarre sitzt der Teufel übrigens im Detail. Der kubanische Produktionsname Culebra meint nämlich einfach einen Puro mit den Massen 146 mm × 15,48 mm. So eignet den Culebras von La Flor del Caney, die unter dem Namen Especiales angeboten werden, überhaupt nichts Geschlängeltes. Zurzeit sind aus Kuba nur die maschinell gefertigten Culebras von Partagas erhältlich, die in Silberpapier eingewickelt und mit einer prächtigen Riesenbanderole versehen sind. Diese Cigarren haben ein überraschend reiches Aroma und schmecken wie eine Havanna der ersten Stunde. Wer noch irgendwo Culebras von Romeo y Julieta oder H. Upmann ergattern kann, gehört zu den cigarristischen Glückspilzen. Mitte 1997 hat auch Davidoff die urtümliche Form ins Sortiment aufgenommen. Unter dem Namen Special C wird ein Dreierbündchen im edlen Holzkästchen angeboten, zum Preis von 36 Franken. Die vitola de galera der Davidoff Special C misst 165 mm × 13,1 mm und unterscheidet sich somit stark von den kubanischen Massen.

Aber weshalb soll man so viel Geld ausgeben für Krumme, die sich so oder so eher für den Outdoor-Smoke eignen? In unseren Breiten ist die gewundene Cigarre schon lange bekannt und qualmt unter verschiedenen Namen in Feld, Wald und Flur.

Wuhrmann in Rheinfelden produziert sie als Krumme Hunde und als handgefertigte Short-Filler-Culebras. Die Firma Villiger hat ebenfalls zwei Sorten im Angebot: die Original-Krummen (Exportname: Curlys) und die Culebras. Nicht zu vergessen sind die Brissago-Zöpfe, die rauchigen Spender herber Italianità. Die langen dünnen Original-Krummen, von Hand gezöpfelte Virginias, sind eine urschweizerische Angelegenheit.

«Je weiter man in die Berge fährt, desto grösser die Dichte der Krummen in den gefurchten Gesichtern der Eingeborenen», schreibt Adrian Iten in seinem Lobgesang auf die «Culebras helvéticas». Die Nachricht, dass auch Tina Turner Krumme rauche, lässt ahnen, dass die Krummen helvetischer Provenienz im Trend liegen.


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