NZZ Folio 10/03 - Thema: Im Büro   Inhaltsverzeichnis

Editorial -- Neues aus dem Revier

© Friedel Ammann
Papier rein, Papier raus. Was geschieht dazwischen? Linktext
Von Andreas Heller

Gut zwei Drittel aller Erwerbstätigen hierzulande verdienen sich ihren Lebensunterhalt im Büro. Sie sitzen an Pult und Computer, sie schreiben und verwalten, sie entwickeln Strategien und Projekte, sie verkaufen Dienstleistungen und Rasenmäher. Noch tun dies die meisten an einem festen Arbeitsplatz, im Kollektiv der Büroangestellten. In einer Firma oder in einer öffentlichen Verwaltung, wo die Chefs ihr Territorium mit Designermöbeln markieren, die unteren Chargen mit Topfpflanzen; wo man bei der Kaffeemaschine intrigiert und beim Fotokopierer zarte Bande knüpft; wohin man sich absetzt, wenn einem zu Hause die Decke auf den Kopf fällt.

Glaubt man den Trendforschern, wird es mit diesem – mal anstrengenden, mal gemütlichen – Büroleben bald ein Ende haben. Anstelle der Jobsicherheit wird mehr und mehr die Employability treten. Die Zukunft, so heisst es, gehört dem Portfolio-Worker, der gleichzeitig für verschiedene Auftraggeber tätig ist, ohne festen Arbeitsplatz im Schoss einer Bürogemeinschaft, aber mit mobiler Workstation beim gerade aktuellen Kunden, zu Hause oder unterwegs. Die schöne neue Arbeitswelt lockt mit flachen Hierarchien und mit mehr Verantwortung für den Einzelnen. Präsenzzeiten werden verschwinden, ebenso der persönliche Arbeitsplatz mit Ansichtskarten und Fotos von den Allerliebsten.

So prophezeien die Auguren. Aber es ist gut möglich, dass sie ein weiteres Mal nicht recht behalten werden. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er will klatschen und tratschen. Er will Kaffeepause machen. Er will sein Revier markieren. Dass er dies alles nirgends besser kann als im Büro, zeigen auch die Bilder des Fotografen Friedel Ammann, der für uns den Schweizer Büroalltag dokumentiert hat, beim Pharmakonzern Roche, beim Polizei- und beim Finanzdepartement in Basel, bei der National-Versicherung, bei der Batigroup, bei Vitra und im Basler Rathaus.




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