Vor kurzem waren wir als Tischrunde in zwei Punkten klare statistische Ausreisser. Wir waren zu acht. Sieben von uns waren Raucher, sieben fuhren nicht Auto. Von denen hatten fünf nicht einmal einen Führerschein. Für die Summe aller Untugend auf dieser Welt waren wir somit nicht von Belang, da innerhalb unserer Runde die Untugend mit Tugend aufgewogen wurde. Diese Rechnung setzt allerdings die Sicht voraus, dass Rauchen böse ist und Nichtautofahren gut.
Auto fahren ist aber nicht nur schlecht. Schlecht sind nur die sogenannt nötigen, nützlichen, die zielgerichteten Fahrten. Die liessen sich nämlich meistens genauso gut mit einem anderen Verkehrsmittel machen, bloss eine merkwürdige Vorstellung von Bequemlichkeit und Zumutbarkeit (zehn Minuten Fussmarsch zur Bahn = unzumutbarer als zwanzig Minuten in der stehenden Kolonne) hält einen davon ab. Wirklich unersetzlich ist das Auto hingegen für die Sonntagsfahrten, für die Dreipässefahrt über Grimsel, Furka, Susten, für das Ausfährtlein über Land mit dem Zvieriplättli am Schluss. Gemächlich und ohne jede Anstrengung durch die Landschaft zu kutschieren, an jeder Verzweigung einer neuen Verführung zu erliegen, mit heruntergelassenen Scheiben den Frühling anzuschauen: das ist das Auto doch sicher eher im Sinne seines Erfinders genutzt als mit der verdriesslichen Fahrt ins Büro.
Es sei hier also eine Lanze gebrochen für die Randgruppe der Sonntagsfahrer, die schutzlos der Allianz aus Muss-Autofahrern und Nicht-Autofahrern - beide, obwohl einander nicht grün, irgendwie Vertreter der Gattung des guten Menschen - ausgesetzt sind. Schadenmässig fallen die nämlich viel weniger ins Gewicht, sind sie doch nicht nur eine rarere, sondern meist auch eine friedfertigere Spezies, als es die Alltagsfahrer sind.
Ob man nun aber Sonntags- oder Werktagsfahrer ist: das Wichtigste am Auto, neben bequemen Sitzen und dem elektrischen Fensterheber, ist ein gutes Radio. Es gibt keinen besseren Raum zum Musikhören - im Konzertsaal hustet sowieso immer einer - als das Auto auf nächtlicher Fahrt. Und auch keinen besseren Ort zum Singen. Wo sonst könnte man die Ode an die Freude so aus voller Kehle mitkrähen, ohne dass einer die Polizei alarmiert.