Die Sache, von der zu reden ist, verträgt keine Heiterkeit. Es geht um die weibliche Identität. Die hat von jeher daran Schaden genommen, dass unsere Sprache eher den Männern zuneigt. Wie soll man, im Zeichen der Parität, aussprechen, was Frauen empfinden, wenn sich kein ihren Anliegen angemessener Satz bilden lässt? Selbst das Gegenstück der Heiterkeit führt wie zum Hohn den männlichen Vornamen Ernst.
Weil allen weiblichen Selbstbehauptungsversuchen zum Trotz Frauen immer wieder an Männer geraten und die einen den anderen auch weiterhin die Ehe versprechen, entfaltet das Identitätsproblem vor dem Standesbeamten seine ganze Brisanz. Doch nach diversen Reformen unseres Namensrechts, die Ehepartnern die Wahl eines gemeinsamen, getrennten oder verdoppelten Namens freistellten, ist uns nun endlich ein Blick auf das politische Profil, dem eine Lebensgemeinschaft ihren Zusammenhalt und ihr Ausdrucksvermögen verdankt, gestattet. Fortschrittsfest und bruchsicher marschiert seither die Pfarrfrau Oda-Gebine Holze-Stäblein an der Seite ihres Partners glänzenden Zeiten entgegen. Der Bindestrich dient als Ausweis progressiver Rechtschaffenheit. Wer auf ihn verzichtet, beansprucht womöglich ein unzeitgemässes Recht auf Hegemonie.
Dies zu beseitigen, werden noch die widerspenstigsten Herkunftsnachweise zueinandergeführt. Was, wenn nicht den endgültigen Zusammenbruch patriarchalischer Vorherrschaft, soll man vom Auftreten einer Doris Weiler-Streichsbier erwarten, von Armeen, die von Senta Trömel-Ploetz, Ilse Dröge-Modlmog, Helga Trüpel-Rüdel, Sylvia Mattl-Wurm und, in der Etappe, von Konvertiten wie dem Schriftsteller Klaus Karl-Kraus oder dem Kabarettisten Ulrich Reineking-Drügemöller angeführt werden? Je toller die Häufung der Umlaute, desto höher der Unterhaltungswert. So landet man unversehens doch wieder beim heiligen Ernst.
Der ein-silbige Publizist Johannes Gross hat, an Elisabeth Förster-Nietzsche und die einstige Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink erinnernd, dazu angemerkt, für die klumpfüssige Übung habe es von jeher eine breite politische Basis gegeben. Entgangen ist ihm dabei nur, wie sich unterm Signum der Weiblichkeit immer gleich zwei Patriarchen ums weltanschaulich verordnete Kürzel gruppieren. Vorweg der erheiratete Herr des Hauses, hinterher der männliche Urheber der Misere und die eigentliche Identität als Denkpause in der Wortmitte. Namen, so will es eine Männerweisheit, sind Schall und Rauch. Oder vielmehr: Schall-Rauch.