Nicolas G. Hayek
Als Mann fühle ich mich – mal abgesehen vom sexuellen, erotischen Aspekt der Männlichkeit, wenn Kraft, Mut, lebensbejahende Spontaneität angesagt sind, um in einer hoffnungslosen oder schwierigen Situation Leadership zu übernehmen.Wenn Muskelkraft verlangt wird, um im Garten den Wasserschlauch zu befestigen oder ein Möbel zu bewegen. Wenn ich die geliebte Frau mit Blumen und Schmuck überraschen kann.
Ich fühle mich als Mann im friedlichen Kampf um Arbeitsplätze im industriellen Netzwerk unseres Landes und Europas und für die Gleichheit von Frau und Mann, in der Vaterfigur in der Familie, in der der Vater neben der Mutter seine Rolle als Vorbild für die heranwachsenden Kinder wahrnimmt, in der Gewissheit, dass meine Präsenz auf Einbrecher abschreckend wirken wird, oder viel lieber noch, wenn ich bei einem Stromausfall oder während eines tosenden Gewitters als beruhigende Kraft wirken kann. Und nicht zuletzt dann fühle ich mich als Mann, wenn ich mit ein wenig Charme und Einsatz den Frauen um mich herum Lebensfreude und Spass an der Arbeit vermitteln kann.
Karl Lüönd
Das Rasierwasser macht’s definitiv nicht aus. Waschbrettbauch ist zwar schön, aber auch nicht von Dauer. Also muss es an den inneren Werten liegen. Nach längerem Nachdenken meine ich, dass Männlichkeit sich darin zeigt, dass einer zu dem steht, was er gesagt oder getan hat. Gab es dafür nicht einmal die Bezeichnung «mannhaft»? Opportunisten wären das Gegenteil davon.
Christoph Geiser
Ein Mann ist für mich immer der Andere, der mich reizt. Und es gibt doch viel zu viele ganz (unterschiedlich) reizende Männer! So sollen die Manns-Bilder ihren Reiz zeigen. Und reizt uns das Bild nicht schliesslich haptisch, bar & bloss, von vorne & hinten … bleiben wir doch alle, Männer & Frauen, ganz schön vernünftig. Wunschdenken, ich weiss.
Christophe Keckeis
Für einige meiner Mitsoldaten ist das Militär einer der Zufluchtsorte, wo sie noch «richtig Mann sein» können. Das kann manchmal zu unschönen Bildern führen, die in der Öffentlichkeit auf wenig Gegenliebe stossen. Dem will und muss ich entgegenwirken. Das ist ein Kulturwandel, den ich mit meinen Direktunterstellten nicht mit Befehlen allein herbeiführen kann. Ich erachte es als persönliche Herausforderung, mehr Frauen zu motivieren, in unserer Armee mitzumachen. Es ist immer wieder interessant zu beobachten, wie sich in einem militärischen Verband Stimmung, Umgangston und Verhalten ändern, sobald eine weibliche Armeeangehörige im Team ist. Es wird ruhiger, ausgeglichener, freundlicher. Man(n) nimmt Rücksicht.
Meine tägliche Arbeit ist geprägt von Sachentscheiden. Sachlichkeit ist eine der Eigenschaften, zu der ich als Chef der Armee und als Mann verpflichtet bin. Ich bin zwar ein emotionaler Mensch. Aber ich muss immer im Sinne der Sache entscheiden und meine Bauchgefühle oft beiseite stellen.
Charles Clerc
Ich als Mann in dieser Zeit finde mich eigentlich ganz passabel, wenn ich so an mir hinunterschaue, erschrecke aber zutiefst, wenn ich mich im Spiegel sehe – nicht nur des Bauchansatzes wegen. Anders gesagt, mit sich käme Mann ja einigermassen zugange, aber gesellschaftlich ist das halt nicht mehr so einfach, falls es das denn jemals war. Die klare Position Mann, die man (und gar nicht so selten auch frau) mir seinerzeit aufgezeigt hatte, ist wohl perdu. So richtig habe ich ja nie daran geglaubt; dennoch, es war recht komfortabel, sich immer mal wieder darauf berufen zu können.
Ich vergiesse darob keine Tränen, aber ab und zu ein bisschen Melancholie wird ja wohl erlaubt sein.
Peach Weber
Soll ich Ihnen etwas Lustiges erzählen? Ich war früher Feminist.
Ich war immer überzeugt, dass Frauen besser sind als Männer. Ich habe sie bewundert für ihre Fähigkeiten, ihre Vorsicht, ihren Weitblick, ihre Fähigkeit, eine Familie total im Griff zu haben und dazu dem Mann noch das Gefühl zu geben, er hätte da irgendetwas zu bestimmen. Ich war fasziniert von den Waffen der Frau, mit denen sie ausgewachsene Männer zur Bewusstlosigkeit oder in ein Schuhgeschäft bringen konnten. Das war für mich Stärke pur. Ich habe das Wesen der Frauen bewundert.
Erstens waren sie schon mal viel schöner als Männer, was ja in der Natur eine einsame Ausnahme ist und somit eine männerfeindliche Frechheit. Sie waren für mich viel überlegter, vorsichtiger, weitblickender und wirkten somit auf mich auch intelligenter.
Soll ich Ihnen etwas Trauriges erzählen? Ich habe mich getäuscht. Nach Jahren der Gleichmachung der Geschlechter musste ich mit Schrecken nun erkennen: Frauen sind ganz genauso dumm wie wir Männer. Sie rauchen genau so viel, sie saufen, und sie fahren idiotisch Auto. Bin ich ein Macho, nur weil ich diese Entwicklung nicht als Fortschritt betrachten kann? Zum Glück gibt es ja noch die Kinder, die ich bewundern kann. Jetzt, nachdem schon viel sogenannte Gleichberechtigung ins Land gezogen ist, steht ein egalokratisches Lebenspaar jeden Morgen vor der bangen Frage: Bin ich heute der Mann oder du?
Sollte die Gleichberechtigung mal total durchgesetzt sein, werde ich den Aeschbacher fragen, wie man schwul wird, und einen Mann heiraten.
Renzo Blumenthal
Ein Mann ist einer, der handelt und nicht bloss redet. Ein grosses Vorbild ist mir in dieser Hinsicht mein Vater. Er ist ein Mann der Tat und nicht der Worte, und das will ich auch sein. Zudem hat er uns Kinder schaffen gelehrt.
Zum Mann wird man, wenn man die Rekrutenschule gemacht hat. Da war man mal von zu Hause weg und hat ein anderes Leben gesehen. Die RS macht einen reifer fürs Leben, man lernt, sich unterzuordnen, Befehle entgegenzunehmen und auch einmal zu verlieren. Mich selbst hat in diesem Sinn auch der Fussball geprägt, in der Mannschaft geht es auch nur miteinander und nicht gegeneinander.
Ich kann hier nur über die Männer reden, aber manches, was zu einem guten Mann gehört, gehört auch zu einer guten Frau. Die Frauen machen ja auch Karriere und sind überhaupt stärker geworden. Ohne auf den anderen zu hören und einmal etwas einstecken zu können, geht es nicht, egal ob man Mann oder Frau ist.
Dieter Meier
Das Prinzip Mann macht die Weltgeschichte zur Tragödie. Die Unfähigkeit, zu gebären, liess eine Jahrtausende lange Blutspur der Aggression zurück. Solange Männer nicht von Frauen lernen, dreht sich der Planet unter Newborn Christian Machos vom Schlage Bushs dem sicheren Untergang entgegen.
Oswald Oelz
Was der von der Frauenbewegung geforderte «neue Mann» ist, weiss ich nicht und ist mir auch egal; falls orientierungslose Weicheier in Strickjacken gewünscht sind, ist das nicht meine Welt. Ich sehe den Menschen, ob Frau oder Mann, Ziele und Träume haben, diese verwirklichen und Hindernisse aus dem Weg räumen wie weiland Kirk Douglas, der durch den eingezäunten, gezähmten Wilden Westen ritt und diese Drahtzäune zerschnitt – ein Mann mit «Saft im Ranzen», wie ihn Carlo Schmid, der Appenzeller, für die Politik fordert. Leider sind solche in der politischen Szene rare Ausnahmen.
In dieser überregulierten Zeit treiben mich Zäune, Verbote, Gebote und «Dienstchefs» mit unsinnigen, leistungsbehindernden Einschränkungen auf die Palme. Frauen und Männer sollten die gelegentliche Verweigerung, den zivilen Ungehorsam und eine Spur von Anarchie pflegen, auch um den Preis des Scheiterns. Denn was riefen die Frauen von Sparta, gemäss Gabriel García Márquez, ihren Männern zu, die in die Schlacht zogen: «Komm mit dem Schild, auf dem Schild, aber nicht ohne den Schild zurück», also siegreich oder tot, aber nicht besiegt. Vielleicht täten die Frauenbewegungen gut daran, sich ihrer spartanischen Ahnen zu erinnern, vielleicht wären auch die bewegten Frauen bei etwas mehr gelebtem Machismo wieder zufriedener.
Markus Theunert
Ein richtiger Mann ist der, der sich nicht ständig fragt, was ein richtiger ist, sondern seinen eigenen Wahrnehmungen vertraut und sich selber nicht im Weg steht. Die grosse Kunst ist es, angebliche Widersprüche auszuhalten und sie respektvoll zu verbinden. «Und» heisst das Zauberwort. Warum soll ich nicht mein Revier verteidigen und sozial-kooperative Kompetenzen haben? Kühn in die Welt ziehen und ein Stubenhocker sein? Dem Jagdinstinkt folgen und Bindungsfähigkeit entwickeln? Kraft ausleben und in Hingabe zerfliessen? Ich sehe den Grund nicht. Alle Facetten des Mannseins entdecken, das heisst für mich: mehr Mann und ganz Mensch sein.
Dimitri
Ein Mann sollte sein wie ein Elefant. Diese Mischung aus Stärke und Feinfühligkeit. Der Dickhäuter hat winzig kleine Härchen, und wenn man drüberstreicht, spürt er das. Und dann diese Liebenswürdigkeit. Er könnte einen Menschen sofort tot machen und tut es nicht. Mit seinen drei Tonnen kann er so leise gehen, dass man ihn nicht kommen hört. Und er ist wachsam. Und komisch. Jemanden zum Lachen zu bringen, ist eine Form der Verführung. Viele Männer glauben wohl, man braucht dazu Muskeln und Brusthaare. Dabei genügt es, man selbst zu sein.
Ich bin Clown. Der Clown ist ein Wesen, weder Mann noch Frau. Mich hat immer nur der Mensch interessiert – die Kraft, die Phantasie und der Mut, den einer hat. Eine schöne Frau zum Lachen zu bringen, ist natürlich das Grösste. Und da ich einzelne Personen nicht erkennen kann, wenn ich auf der Bühne stehe, ist das Publikum für mich eine einzige grosse schöne Frau.
Nicolas G. Hayek, Präsident und Delegierter Swatch Group Verwaltungsrat.
Karl Lüönd, Publizist und Buchautor.
Christoph Geiser, Schriftsteller.
Christophe Keckeis, Chef der Schweizer Armee.
Charles Clerc, pensionierter Tagesschausprecher SFDRS.
Peach Weber, Kabarettist.
Renzo Blumenthal, Mister Schweiz und Jungbauer.
Dieter Meier, Sänger, Filmemacher, Unternehmer und Farmer in Argentinien.
Oswald Oelz, Chefarzt am Stadtspital Triemli und Bergsteiger.
Markus Theunert, Präsident des Dachverbands männer.ch.
Dimitri, Clown.