Noch vor dreissig Jahren bildeten die Computer als elektronische Datenverarbeiter und die Telefonnetze als Transporteure von Informationen weitgehend getrennte Welten. Inzwischen haben sich die beiden Techniken zur äusserst schlagkräftigen Teamarbeit gefunden - das Speichern und Verarbeiten von Daten sowie deren Austausch und Fernübertragung sind zur modernen Informationstechnik verschmolzen. Internet ist nur ein Beispiel, wie dank moderner Telekommunikation das weltweit verstreute Potential der Datenverarbeitung von vielen Millionen Menschen simultan genutzt werden kann.
Entscheidende Voraussetzung für die Heirat zwischen Computer und Telekommunikation war die Möglichkeit, die digitalen Signale des Computers über das für analoge Sprachsignale konzipierte Telefonnetz zu übermitteln. Dazu werden die Computerinformationen von einem Modem in Piepstöne umgewandelt und so per Telefon zu andern Computern in alle Welt übermittelt. Ein heute gängiges Modem leitet beispielsweise 14 400 Impulse (Bits) pro Sekunde weiter, was für den üblichen Internet-Verkehr durchaus genügt. Will man jedoch Bilder in guter Qualität übermitteln, muss man sich je nach Belastung des Netzes bis zu mehreren Minuten pro Bild gedulden.
Zur Steigerung der Effizienz haben die Telekommunikationsunternehmen ISDN (Integrated Services Digital Network) eingerichtet, d. h. Kommunikationskanäle, die mit einer Übertragungsrate von 64 000 Bits pro Sekunde sowohl Sprache wie Daten (etwa auch stehende Bilder) digital übermitteln. Mit «Swissnet» bestehen in der Schweiz bereits über 50 000 solche Anschlüsse.
Ziel künftiger Telekommunikation ist indessen ein Breitband-ISDN, eine dienstintegrierte Breitbandkommunikation (IBC), die alle dialogfähigen Dienste sowie Bildschirmdienste vereinigt. IBC soll als Multimedia-Werkzeug nicht nur herkömmliche Sprach- und Datenübermittlung leisten, sondern zudem Hochgeschwindigkeits-Datenübertragung, Fernkopieren, Videokonferenzen, Bildtelefon, Fernsehübertragung ermöglichen. Im Gegensatz zum herkömmlichen Kabelfernsehen mit analoger Übertragung wird IBC Bilder digital und damit praktisch störungsfrei übermitteln. Im Rahmen des RACE-Programms arbeiten bereits 17 europäische Länder am Aufbau eines IBC-Netzes.
Für die Breitbandkommunikation sind allerdings äusserst effiziente Übermittlungskanäle nötig, denn das digitale Übertragen eines bewegten Fernsehbildes erfordert Übertragungsraten von vielen Millionen Bits pro Sekunde. Anstelle der beim Schmalband-ISDN noch verwendeten Kupferleitungen wird man deshalb im IBC-Netz Glasfaserkabel einsetzen. Über Glasfaserkabel lassen sich Milliarden Bits pro Sekunde übertragen, was schliesslich auch den direkten Ferndialog zwischen schnellen Computern erlauben wird. Mit über 5000 Kilometer Glasfaserkabel verfügt die Schweiz über erste Strecken solcher Datenautobahnen.
Will man Datenautobahnen optimal nutzen, müssen die einzelnen Nachrichten möglichst eng gestaffelt durchgeschleust werden. Dies ist nur möglich, indem man den Einzelauftrag in lauter kleine «Pakete» zerstückelt, die Übertragungskanäle mit möglichst vielen Paketen durchflutet und die Informationsbruchstücke an den verschiedenen Zielorten schliesslich wieder zum sinnvollen Ganzen zusammenfügt. Solche paketweise Übermittlung kennt bereits das herkömmliche ISDN. Im einem Breitbandnetz muss dies aber sehr viel effizienter geschehen.
Mit ATM (Asynchronous Transfer Mode) werden jetzt auf den Datenautobahnen gewissermassen Überholspuren eingerichtet. Dabei schickt man sehr kleine konstante Datenmengen (53 Bytes) als Informationszellen mit eingebauter Adresse auf die Reise, wobei sich jede Zelle im weitverzweigten Netz den gerade besten Weg von Schaltstelle zu Schaltstelle sucht - aus dem bisher fest vermittelten Übertragungspfad ist eine virtuelle Leitung geworden.
Seit kurzem hat Genf mit MAN (Metropolitan Area Network) ein solches Breitbandnetz in ATM-Technik. Zurzeit sind die Universität Genf, die Vereinten Nationen, das Cern und die WHO angeschlossen; über einen Knoten in Zürich ist das Geneva-MAN auch mit einem europäischen ATM-Pilotnetz verbunden.
Moderne Nomaden wollen möglichst unabhängig durch die Kommunikationsnetze surfen können. In der Schweiz gibt es bereits eine halbe Million Natel-Kunden. Stark im Kommen ist die digitale Mobiltelefonie, wie sie heute als Natel D angeboten wird. Damit lassen sich bequem auch Daten und Faxe übermitteln. Zurzeit werden mit Telekommunikationssatelliten globale Mobiltelefonnetze aufgebaut - im Jahr 2000 soll es möglich sein, von jedem Ort auf der Welt mit dem Mobiltelefon zu kommunizieren.
Drahtlose Kommunikation über Mobiltelefone oder Satelliten hat insbesondere auch in dünnbesiedelten Gebieten Zukunft, wo der Aufbau moderner Kabelnetze zu aufwendig wäre. Trotz dem derzeit weltweiten Boom der Mobiltelefonie dürften aus wirtschaftlichen Überlegungen - aber auch wegen der beschränkten Verfügbarkeit von Funkfrequenzen - leitungsgebundene Netze weiterhin wichtig bleiben.
Die multimedialen Verheissungen dürfen indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach wie vor der allergrösste Teil der Telekommunikation an den simplen Kupferdrähten der Hausanschlüsse hängt. Und es dürften Jahrzehnte vergehen bis tatsächlich das Glasfaserkabel in jeden Haushalt führt und damit Multimedia alltäglich geworden ist.