Ueli Schweizer, Sie sind Präsident des Vereins Schweizerischer Digital-Modellbahner (VSDM). Was unterscheidet Sie von analogen Modelleisenbahnern?
Die herkömmliche Modelleisenbahn fährt im Kreis herum. Wenn der Zug im Bahnhof halten soll, wird einfach der Strom unterbrochen, der Zug hält abrupt an. Wir können die Züge sanft abbremsen und anfahren lassen, das ergibt ein ganz anderes Bild.
Aha.
Heute kann man auf einem einzigen Gleis, also auf demselben Stromkreis, mehrere Lokomotiven unabhängig voneinander steuern, auch vom Computer aus. Wir sind zuständig für alles Elektrische auf der Modelleisenbahn.
Wer ist wir?
Wir sind etwa 200 Mitglieder: Schüler, Pensionäre, Ingenieure, Ärzte, Fabrikarbeiter, Kaufleute, alles Männer, leider.
Warum spielen erwachsene Männer mit Modelleisenbahnen?
Die Bahn ist faszinierend für Männer. Aber es mangelt leider an Nachwuchs, junge Leute beschäftigen sich lieber mit Computern und Videospielen. Und dann die Vorurteile: Wir seien verschrobene Einsiedler, die wie Kinder Eisenbahn spielten. Aber beim Fussball sagt auch keiner: Die spielen nur mit einem Ball!
Bleiben wir bei dem Vorurteil: Wie oft spielen Sie denn mit Ihrer Bahn?
Also, ich spiele ja nicht nur, ich plane, baue vor allem und betreibe dann meine Bahnanlage, allenfalls gemeinsam mit Kollegen. Zusammen mit meinen Vereinsaktivitäten wende ich zwei Tage pro Woche auf. Mein Estrich, etwa 80 Quadratmeter, ist nur für die Modellbahn da.
Wie steht es mit der Pünktlichkeit Ihrer Estrichbahn?
Es kann passieren, dass bei einer Stromunterbrechung eine Lokomotive stehen bleibt, so entstehen Verspätungen. Aber wir halten den Fahrplan ein, kleinere Verspätungen werden meist innert zweier Modellstunden aufgeholt.
Modellstunden?
Das ist etwas mehr als die Zeit, die ein Zug braucht, um die Anlage abzufahren. Eine Modellstunde dauert sechs bis zwölf Minuten.
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