Der Adel ist im Zeitalter der medialen Reproduzierbarkeit seiner häuslichen Katastrophen auch nicht mehr nur der «bevorrechtete Geburtsstand», als den ihn noch Meyers Konversationslexikon beschreibt, sofern man aus den Vorrechten jene Distanz nicht ausschliesst, die jeder Normalgeborene für sich reklamieren darf. Da wird - ein Blick in ein paar wenige von Dutzenden bunter Zeitschriften - aller Welt mitgeteilt, dass Kronprinz Willem-Alexander (ein Freund: «Ich hätte Dich fast nicht mehr erkannt!») Tag und Nacht «Frikadellen und Pommes» in sich hineinstopft, seit seine Freundin Jolande ihn verlassen hat oder er sie. Augenzeugen haben Sophie Rhys-Jones nach einer Geburtstagsparty in einen schwarzen Umhang gehüllt in den Buckingham Palace huschen sehen und schliessen daraus, dass die Frage nicht sei, ob Elizabeths Jüngster die 29jährige heiraten wird, sondern lediglich wann. Prinzessin Anne sagte, als ihr Sohn (16) mit der Freundin seiner Schwester (12) flirtete: «Ob es die Richtige ist, merkt er dann schon.» Und Carl Philip Edmund Bertil von Schweden ist nicht mehr der fröhliche Bub («Traurig wandte er sich seinem Teddybär zu»), seit er mit fünf Jahren erfahren musste, dass nicht er, sondern seine Schwester Victoria Ingrid Alice Desirée Erste in der Thronfolge war.
Wo, wie in unserem Land, der ehebrechende Kronprinz oder die zum zweitenmal unehelich schwangere Fürstentochter fehlt, tut es für die bunte Presse zur Not auch die traurige Geschichte vom Fernsehsprecher und seinem Hund. In jedem Fall ist zum Glück stets jemand dabei, der uns von all diesen kleineren und grösseren Freuden und Leiden im O-Ton berichten kann, denn wie sollten wir sonst («Die haben es ja auch nicht leichter als wir») unseren trüben Alltag relativieren.
Erwarten Sie in dem Sinne vom vorliegenden Heft nun aber nicht zuviel Trost. Denn zu wissen, dass König Juan Carlos von Spanien ein Lippiger ist und in Moskau wieder der Adel tanzt und Königin Elizabeth womöglich unrechtmässig auf Englands Thron sitzt, hilft Ihnen allein noch nicht weiter. Auch nicht, dass der König von Bhutan vier Schwestern geheiratet hat. Und ob er glücklich mit ihnen ist, haben wir ihn nicht gefragt.