NZZ Folio 06/98 - Thema: Das Mittelmeer   Inhaltsverzeichnis

Aus Versandhauskatalogen -- Milde Gabe eines Knäckebrot-Spenders

Von Jacqueline Schärli

VOR EINIGEN JAHREN beschloss die Seifenindustrie, ihre Erzeugnisse seien im Hygienebereich des Haushaltes nicht länger in fester, sondern in flüssiger Form zu konsumieren. Seither schmücken adrette Plasticbehälter unsere Lavaboränder, und die Seife liegt jetzt nicht mehr in der Wasserlache, sondern tropft direkt ins Waschbecken und hinterlässt dort zart hellrosa oder blassgelbe Spuren.

Was für das Bad recht war, kann für die Küche nur billig sein. Der Dispenser findet jetzt Eingang auch in den Ernährungssektor. Und weil der Begriff Spende ein positiver ist, freuen wir uns über die neue Errungenschaft aus dem Spendierbereich. Um so mehr, als wir für einmal nichts geben müssen, sondern empfangen dürfen. Der «Knäckebrot-Spender» einer Firma in Wedel (D) spendet nicht nur trockenes Brot, sondern auch eitel Freud und Sonnenschein; bleiben doch die Krümel, ohne die es beim Genuss der Scheiben nicht abgeht, im Spender zurück, der somit auch für Ordnung sorgt.

Die Transparenz der Box bringt einen auf die Idee, die Krümel den Vögeln zu überlassen. Dies trägt zur Erfüllung der Spendenidee bei, deren Grundgedanke ja ist, Geben sei seliger denn Nehmen. Für einmal kann dem ganz ohne Verlust genügt werden. Der Knäckebrot-Spender ist für DM 16,98 sozusagen Fünfer und Weggli in einem und garantiert FCKW-frei.


Teilen

Für 94 Franken pro Jahr gibt es NZZ Folio auch im Abonnement. Näheres hier.

Urheberrecht gilt auch im Internet: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.