NZZ Folio 11/98 - Thema: Therapiert   Inhaltsverzeichnis

Wunderblock -- Erde an Raumsonde: Bitte melden!

Von Jacqueline Schärli

NEULICH, IN DER S-BAHN, kurz vor Mittag, auf der Strecke von Affoltern am Albis nach Zürich Stadelhofen, kam Frau S. nicht umhin, zwei Fahrgäste zu belauschen. «Wir können jetzt», sagte der eine, «Botschaften auf den Mars senden.» «Macht ihr das in Tisipieipi?» fragte der andere. «Ja», sagte der eine, «mit der Muttersprache Ixemel.» Der andere nickte. «Wir konnten sogar», fuhr der eine fort, «Nachrichten zum Pluto schicken. Im Prinzip bis zur nächsten unbemannten Raumsonde. Das Problem ist nur, dass sie erst sechs Stunden später ankommen.» Frau S. staunte. Da sassen zwei gewöhnliche junge Männer, Schnauzträger beide, der eine mit Brille, Sakko und Pickeln, der andere in Jeans und Turnschuhen, und waren der Beweis dafür, dass die Gesellschaftsanalytiker, die der Bevölkerung des ausgehenden Jahrtausends die Fähigkeit zur Kommunikation absprechen, unrecht haben. Sie irrten sich sogar sehr, fand Frau S. Wer mit dem Pluto redet, kann nicht kommunikationsunfähig sein. Wer dazu noch geduldig sechs Stunden wartet, bis die Nachricht ankommt, erst recht nicht. Frau S. blieb nur eine kleine Frage. Wer, um Himmels willen, empfängt die sphärischen Botschaften in der unbemannten Raumsonde?


Teilen

Für 94 Franken pro Jahr gibt es NZZ Folio auch im Abonnement. Näheres hier.

Urheberrecht gilt auch im Internet: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.